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Veröffentlicht: 22.03.2014, 08:58 Uhr

Frauke Ludowig Wer hat was über wen gesagt?

Hier sind gute Mienen zur schlechten Show verlangt: Frauke Ludowig führt bei RTL die allerhärtesten Interviews.

von Stefan Niggemeier
© RTL Daheim im Paralleluniversum von RTL: Frauke Ludowig

Zu den unterschätzten Herausforderungen, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat, gehört die Aufgabe, eine RTL-Wiedersehensfeier-Show zu moderieren. Sicher, man denkt, das kann so schwer nicht sein: Man setzt sich da hin, fragt noch mal alle Beteiligten ab, wie es für sie war, als dies passierte, wie es für sie war, als das passierte, und wie es für sie ist, jetzt hier zu sitzen und mit den anderen darüber zu reden, wie es war, als dies oder das passierte. Man lässt sich die Haare machen und darf eigentlich nur die Moderationskarten nicht fallen lassen. Aber so einfach ist es eben nicht.

Frauke Ludowig moderiert seit knapp zweihundert Jahren das RTL-Starmagazin „Exclusiv“, hat Jenny Elvers die Alkoholbeichte abgenommen und ist die aktuelle Wiedersehensfeier-Show-Moderatorin von RTL. Am vergangenen Mittwoch trafen die Kandidatinnen aus der Kuppelshow „Der Bachelor“ noch einmal auf den Mann, um den sie zuvor ewig vor der Kamera um die Wette gebuhlt hatten. An einer Stelle musste ein ganzer Schwung von ihnen vom Plauder-Sofa verabschiedet werden. Und Ludowig sagte: „Vielen Dank Susi, Ela, Jessica, Naja, Daniela und Nena, dass ihr hier wart, und Angelina, du bleibst noch ein bisschen bei uns.“

Im Paralleluniversum von RTL

Ich musste mir die Stelle dreimal anhören, um überhaupt die Namen richtig abzuschreiben, aber Frauke Ludowig sagte sie flüssig, ohne mit der falschen Wimper zu zucken. Es schien fast wie eine Reminiszenz an die große Szene des deutschen Realityfernsehens: den Moment, in dem RTL-2-Mutter Wollny ihre Kinder ins Esszimmer ruft: „Sylvana! Sarafina! Estefania! Calantha! Loredana! Sarah-Jane! Lavinia! Jeremy-Pascal!“

In diesem Paralleluniversum von RTL zu sitzen und eins zu sein mit Dekoration und Show – das ist vielleicht das größte Talent von Frauke Ludowig. Sie muss nicht lachen oder weinen, wenn die „Bachelor-Ladys“ neben ihr mit bestürzender Detailtreue nacharbeiten, wer wann was warum zu wem gesagt hat, und vor allem: vor oder hinter wessen Rücken. Sie ist ganz zu Hause in dieser Welt, in der es kein ironisches Augenzwinkern gibt, wenn darüber diskutiert wird, dass es das noch nie gegeben habe: dass es nach einem Kuss kein „Dreamdate“ gab.

Frauke Ludowig streicht sich dann gern eine Strähne aus der Stirn und bestätigt mit großer Ernsthaftigkeit: „Du warst Feuer und Flamme, das kann ich als Zuschauerin wirklich deutlich sagen.“ Oder fragt: „Christian, was hat sie, was die anderen 21 Damen nicht haben?“

Mit der „Bild“-Zeitung in der Hand

Es ist nicht so, dass die Leute unbedingt gern hier sind. Diese Angelina, zum Beispiel, die sich bei der Show ein Herz gebrochen hat, schaffte es nur mühsam, gute Miene zur schlechten Show zu machen, und ließ Ludowigs ganze Treuherzigkeit an sich abtropfen: „Ich hätte diesen Tag lieber gemieden“, sagte sie, und man ahnte vage, was für Verträge diese Frauen unterschreiben mussten.

Auch Katja, die immerhin den Mann gewonnen hat, würde vielleicht lieber nicht hier sitzen, um sich fragen zu lassen, ob es denn stimmt, was zu lesen war, dass sie als Prostituierte gearbeitet habe. „Es gibt Schlagzeilen zum Thema Rotlicht“, sagte Ludowig mit der Aura von jemandem, der diese unschönen Sachen gar nicht gern anspricht, aber dazu natürlich verpflichtet ist, die „Bild“-Zeitung in der Hand.

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Frauke Ludowig fragte dann nicht nur ihn, ob er ihr glaubt, sondern auch sie, ob sie ihm glaubt, dass er ihr glaubt. Günther Jauch kann sich da schon mal warm anziehen, wenn die ARD-Verantwortlichen sehen, wie gründlich hier nachgefragt wird. Auch was die weitere Intimlebensplanung angeht: „Was ist jetzt in der kommenden Nacht? Verbringt ihr die zusammen? Ist doch ’ne legitime Frage, oder? Es ist Abend, wir sind in Köln...“ Das Paar zierte sich, räumte aber ein, im selben Hotel untergebracht zu sein. Frauke Ludowig setzte nach: „In einem Zimmer? – Okay. Ja, das musste mal gesagt werden.“ Man nimmt ihr ab, dass sie das tatsächlich glaubt. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen. Wollen.

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