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Star-Wars-Videospiel : Frau stürzt Imperium

Mit ihr geht es in den Kampf: Iden Versio, Anführerin der „Inferno Squad“. Bild: Electronic Arts

Unterwegs mit Luke Skywalker: In dem Videospiel „Star Wars Battlefront II“ wird aus allen Rohren gefeuert. Der erzählerische Horizont des Spiels ist dagegen beschränkt.

          Die Marke „Star Wars“ und die Planetenkillerraumstation namens „Todesstern“ aus George Lucas’ berühmter Filmreihe haben einiges gemeinsam. Man könnte die Merchandising-Anstrengungen, die im Namen der Sternen-Saga unternommen werden, nämlich ebenso wie den „Todesstern“, für systemrelevant erklären: Beide sind zu groß zum Scheitern. Bis sie von innen torpediert werden.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit es kommerzielle Computerspiele gibt, gibt es auch solche, die im Star-Wars-Universum angesiedelt sind. Vom Arcade-Spiel „Star Wars“ (1983) bis zum jüngsten Titel: der Neuauflage von „Star Wars: Battlefront II“, die im November mit gewaltigem Rummel veröffentlicht wurde. Gigantische Fan-Nachbauten der im Spiel vorkommenden Raumschiffe und Droiden an Messeständen, aufwendig gepackte Deluxe-Editionen des Spiels, etliche Teaser-Videos und sogar Werbeaktionen innerhalb anderer Computerspiele – der Hersteller EA hat sehr tief in die Trickkiste gegriffen.

          Schon der erste Teil, „Star Wars: Battlefront“ (2015) bezog seinen Reiz darauf, dass die Spieler in einer Gruppe von bis zu vierzig Leuten im Online-Modus legendäre Schlachten aus den Filmen nachspielen können. Den Kampf um den Eisplaneten Hoth oder die Schlacht um den Waldmond Endor zum Beispiel. Dabei schlüpfte man in die Rolle eines „Stormtroopers“ und schoss sich seinen Weg mit allerlei Lasergetöse durch eine graphisch hochaufgelöste Welt – als wäre man ein Statist des Films. Darüber hinaus konnte der Spieler sich als Pilot versuchen, in die X-Wing oder Tie-Fighter genannten Raumschiffe steigen und an dynamischen Weltraumschlachten teilnehmen.

          Einmal reden wie Han Solo

          Das alles geht auch im Nachfolger. Nur ist alles noch schöner, bunter und fließender. Der zweite Teil bringt überdies endlich seine eigene (wenn auch zu kurze) Geschichte mit, die jeder Spieler einzeln erkunden muss und für die EA ein eigenes Entwicklerstudio anheuerte. Die Handlung setzt zum Ende der sechsten Episode ein, kurz vor der Zerstörung des „Todessterns“, und folgt Iden Versio, Anführerin eines Sonderkommandos der „Sturmtruppen“ namens „Inferno Squad“. Von der Autorin Christie Golden ist dazu das Buch „Battlefront II – Inferno Squad“ erschienen, das die Vorgeschichte des Kommandos erzählt.

          Im Spiel allerdings führt der Ansatz, das Ende des „Todessterns“ samt Folgen für die Republik, einmal aus Sicht des Imperiums zu schildern, schnell zu bewährten Erzählmustern. Das war bereits dem letzten Einzelspieler-Teil der Star-Wars-Reihe, „The Force Unleashed II“, zum Verhängnis geworden. Andererseits macht es großen Spaß, wenn der Spieler zwischendurch in die Rolle anderer Helden aus dem Star-Wars-Universum, wie Luke Skywalker, Lando Calrissian und Han Solo, schlüpfen kann – alle mit originaler Synchronstimme.

          Kritik am Belohnungssystem des Spiels

          Doch schon vor der offiziellen Veröffentlichung des Spiels gab es für die Entwickler von „EA Dice“ harsche Kritik seitens der Tester. Sie zielte auf das Belohnungssystem des Spiels, das Extra-Spielfiguren, Waffen und Boni für solche bereithält, die fleißig spielen – oder dafür zahlen. Denn entweder können sich die Spieler ihre Belohnungen durch mühevolles Spielen und Punktesammeln holen (die ehrbare Variante). Oder aber sie kaufen „Beute-Kisten“ („Loot crates“), die mit Belohnungen oder „Credits“ (der spielinternen Währung) gefüllt sind: Elf Stück für 9,99 Euro; fünfzig für 39,99. Was in den Kisten ist, weiß der Spieler vorher jedoch nicht. Das brachte „Battlefront II“ den Vorwurf ein, es handele sich um ein „Glücksspiel“. So nannte es der amerikanische Politiker Chris Lee, Mitglied im Repräsentantenhaus von Hawaii, in einer Pressekonferenz.

          Da kann einem Hören und Sehen vergehen: Im Videospiel „Star Wars Battlefront II“ kann man sich auf die dunkle Seite der Macht begeben und - losfeuern.
          Da kann einem Hören und Sehen vergehen: Im Videospiel „Star Wars Battlefront II“ kann man sich auf die dunkle Seite der Macht begeben und - losfeuern. : Bild: Electronic Arts

          Das System Geld gegen virtuelle Spielgegenstände gibt es nicht nur bei „Battlefront II“. Doch sind die Dinge, die sich erspielen, und jene, die man kaufen kann, meist von unterschiedlicher Natur. Letztere haben in der Regel vornehmlich Einfluss auf die optische Gestaltung von Figuren („Skins“) oder Vehikeln, nicht jedoch auf die Fähigkeiten oder etwaige Spielvorteile. Unabhängig davon sind aber seit längerem Fälle bekannt, in denen Spieler, darunter auch Kinder, regelmäßig hohe Geldbeträge ausgeben, um den Anschluss an die Spielgemeinschaft nicht zu verlieren. „Battlefront II“ jedoch wurde nun vorgeworfen, die Anzahl der Punkte, die nötig ist, um eine Bonus-Figur im Spiel freizuschalten, so hoch angesetzt zu haben, dass ein Spieler mindestens vierzig Stunden reine Spielzeit investieren müsse. Stattdessen, so vermutete ein Spieler auf „Reddit“, setze „EA“ darauf, dass Spieler sich zusätzliche „Credits“ für echtes Geld kaufen, um Bonus-Charaktere wie Darth Vader freizuschalten.

          EA antwortete auf „Reddit“, man habe die Absicht gehabt, den Spielern „ein Gefühl von Stolz und Vollendung zu bieten“, das aufkomme, wenn die „Helden“ freigeschaltet seien. In einem späteren Beitrag auf der offiziellen Seite des Spiels heißt es: „Wir haben eure Bedenken gehört, dass einige Spieler möglicherweise in den Genuss unfairer Vorteile kommen könnten. Und wir haben verstanden, dass dieser Umstand das ansonsten großartige Spielerlebnis trübt. Das war nie unsere Absicht. Wir möchten uns daher dafür entschuldigen.“ Daher deaktiviere man zunächst „sämtliche Käufe im Spiel“. Das ganze Marketing- und das Fan-Getöse wirkt angesichts des Spiels an sich übertrieben. Und während die Mehrspieler-Fraktion wütet, sehnen sich die Fans der Saga unter den Spielern nach einer Auflage, die endlich wieder eine Geschichte aus einer Perspektive erzählt, an die sich die Filme bisher noch nicht getraut haben.

          Star Wars Battlefront II gibt es für Xbox One, Playstation 4 und den Windows PC ab 62 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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