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Frau Illner bloggt Sie sollte sich Rat bei Moses holen

23.02.2012 ·  Unter dem raffinierten Titel „Die Pastorale(n)“ bloggt Maybrit Illner über das Anforderungsprofil von Bundespräsidenten. Sie ist dabei auf dem Sinai unterwegs.

Von Frank Lübberding
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© dpa Deutsche Bundespräsidenten: parteilos, höchstens 65 Jahre alt, möglichst Professor von Beruf

Die Demoskopie ist bekanntlich eine exakte Wissenschaft: „So will die Mehrheit der Deutschen den Bundespräsidenten: parteilos, höchstens 65 Jahre alt, möglichst Professor von Beruf und im ganzen „eine Persönlichkeit“, gleichgültig welcher Konfession.“ Mit diesem Anforderungsprofil können wir zur Zeit nicht dienen. Der Kandidat einer Fünf-Parteien-Koalition ist Pastor und schon über das Pensionsalter hinaus.

Nur ist diese Umfrage aus dem Jahr 1968 – und es ging um den Nachfolger von Heinrich Lübke. Der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion Rainer Barzel sah das etwas pragmatischer. Dieser müsse in der Bundesversammlung eine Mehrheit bekommen, so zitierte ihn damals der Spiegel.

Diese Mehrheit für Joachim Gauck sollte am 18. März kein Thema sein. Schließlich ist seine Kandidatur in einem diffizilen Verfahren ermittelt worden, wie der unbeteiligte Staatsbürger in den Medien erfahren konnte. Die rot-grüne Opposition bekommt ihren Wunschkandidaten, der aber den Regierungspositionen nahe steht, und diese im Gegenzug einen Präsidenten, den sie nur nicht wollte.

Wahrscheinlich wäre Rainer Barzel von diesen Feinheiten überfordert gewesen. Aber zu seiner Zeit war die Wahl eines Bundespräsidenten noch eine politische Entscheidung unter Beifügung parteitaktischer Mittel. Heute können wir auf Politik verzichten. Wir sind jetzt weiter.

Das muss sich auch die Moderatorin der gleichnamigen ZDF Talk-Show Maybrit Illner gedacht haben. Unter dem raffinierten Titel „Die Pastorale(n)“ bloggt sie über das Anforderungsprofil von Bundespräsidenten. Gesetzestreue allein reiche nicht. Den Eindruck konnte man in den vergangenen Wochen haben. Warum kommen aber Berufspolitiker nicht mehr in Frage? Sie trauten es sich „kaum mehr“ zu, so ihre Antwort, und suchten „Moral und Werte sicherheitshalber anderswo“. Sie nennt das Verfassungsgericht und die Kirche. Aber ob wir dort das finden, was Frau Illner sucht? Zweifel sind erlaubt. Sie ist nämlich auf dem Sinai unterwegs.

Die Politik könne sich zwar „über den Beitrag von weisen Richtern und engagierten Gläubigen freuen“, was immerhin schon ein Fortschritt wäre. Sie müsse sich „aber auch in Zukunft selbst anstrengen, moralische Grundlagen für eine freiheitliche, demokratische und solidarische Gesellschaft zu schaffen.“

10 Gebote auf 140 Zeichen

Moralische Grundlagen für eine Gesellschaft zu schaffen, ist eine Anstrengung. Keine Frage. Sie muss nämlich Moses gemeint haben. Vielleicht twittert er uns die 10 Gebote auf 140 Zeichen, aber nur mit Link zum Urheber. Ansonsten gibt es Probleme. „Freiheitlich, demokratisch und solidarisch“? Selbst dieser Urheber könnte Anlass für kritische Kommentare geben. Der Islam gehörte in dieser Konstellation aber ganz bestimmt zu Deutschland. Moses ist einer seiner Propheten. Insoweit wäre die Kontinuität im Amt gewährleistet.

Vielleicht sollte Frau Illner den Urheber in ihre nächste Sendung einladen. Das Schaffen moralischer Grundlagen war noch kein Thema gewesen. Falls er keine Zeit haben sollte, könnte sie es mit Politik versuchen. Aus den Archiven wissen wir, dass die Wahl eines Bundespräsidenten damit einmal etwas zu tun hatte. Wir haben es schon fast vergessen.

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