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Frankreich : Pyrrhussieg der Presse

Feierliche Unterzeichnung: Google-Chef Schmidt, Frankreichs Staatspräsident Hollande (r.) Bild: AP

Frankreich und Google einigen sich: Sechzig Millionen für die Erneuerung, aber kein Geld für Inhalte. Ein „historisches Abkommen“ wird gefeiert, doch für die Zeitungen beinhaltet es mehr Gefahren als Lösungen.

          Um Mitternacht war die – bereits verlängerte – Frist abgelaufen. Bis Ende Januar hatten Google und die französischen Verleger Zeit, ein Abkommen auszuhandeln. Diesen Fahrplan hatte Präsident François Hollande vorgegeben. Als das Ultimatum bereits abgelaufen war, saßen die Verhandlungspartner noch immer am Tisch – wie in jeder Nacht während der vergangenen Woche. Hollande hatte angekündigt, daß er nach Bamako an den Schauplatz des Krieges fliegen würde. Er schien bereits auf dem Weg zu seinen Soldaten in Mali, als am Freitag Abend zumindest für die Öffentlichkeit überraschend im Elysée ein Gipfeltreffen inszeniert wurde: Google-Chef Eric Schmidt war persönlich nach Paris gekommen, um das Abkommen mit den Zeitungsverlegern zu unterzeichnen. Auf Augenhöhe präsentierten sich der Staats- und der Unternehmenschef den Medien und nahmen die Unterzeichnung vor.

          Extrem schwierige Gespräche

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Ein „Ereignis von weltweiter Bedeutung“ nannte François Hollande das Resultat. Von einem „historischen Abkommen im Interesse des französischen Volkes“ sprach Schmidt. Die französische Verlegerpräsidentin Nathalie Collin vom „Nouvel Observateur“ feierte eine „weltweite Premiere“ und bedankte sich im Namen ihres Verbandes bei Hollande, „der das Prinzip des Dialogs zwischen Google und der Presse lanciert hat“. Sie bedankte sich auch bei der Ministerin für Kultur, Aurélie Filippetti, und der Ministerin für technologische Erneuerung, Fleur Pellerin.

          Im Gespräch war man seit drei Jahren. Im vergangenen Herbst kam es zum Eklat, als die Zeitungsverleger beschlossen, in die Offensive zu gehen. Google reagierte mit einer Boykottdrohung. Hollande drängte zu Verhandlungen und drohte im Falle ihres Scheiterns mit einem Gesetz. Marc Schwartz, der von der Regierung ernannte Vermittler, berichtet von extrem schwierigen Gesprächen. Offensichtlich war die Stimmung ziemlich gehässig. Auf amerikanischer Seite war Google-CEO Larry Page direkt involviert.

          Was sieht die Einigung vor?

          Das Abkommen besteht aus zwei Teilen. Der spektakuläre: Google bezahlt der französischen Presse sechzig Millionen Euro - als einmalige Leistung. Das Geld geht in einen Fonds, über dessen Mittel unabhängige Experten entscheiden sollen. Finanziert werden Projekte, die den Zeitungen und Magazinen den Übergang ins digitale Zeitalter ermöglichen sollen. Nationale und Regionale Tageszeitungen, die Nachrichtenmagazine und die reinen Internetzeitungen dürfen sich um Unterstützung bewerben. Das ist für eine gewaltige Aufgabe relativ wenig Geld.

          Google ist ein Gigant - und wegen seiner Vormachtstellung umstritten

          Über den zweiten Teil des Abkommens haben sich Hollande und Schmidt gar nicht erst weiter geäußert. Die Zeitungen bekommen einen privilegierten Zugang zu den Google-Plattformen, was immer das im Detail heißen mag: Die amerikanische Suchmaschine will ihnen zeigen, wie man „aus dem Internet mehr herauszuholen und mit Werbung die Online-Einkünfte verbessern“ kann. Damit riskieren sie allerdings auch eine noch größere Abhängigkeit von Google.
          Das amerikanische Unternehmen kann mit diesem Abkommen mehr als zufrieden sein. Die Forderung, dass Google für Inhalte bezahlen soll und die Beiträge pro Klick verrechnet werden, ist vom Tisch. Wie ehrlich es Google mit der Entwicklungshilfe für den Aufbau eines neuen Geschäftsmodells meint, bleibt abzuwarten. Hollande kann sich die langwierige Mühe eines Gesetzes sparen und im Erfolg einer nichts besonders kühnen Einigung sonnen. Dem Präsidenten wurde auch die Frage gestellt, was nach dem Verbrauch der sechzig Millionen Euro geschehen solle? „Dann machen wir wieder eine Pressekonferenz.“ Das Flugzeug nach Mali wartete da bereits.

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