13.06.2008 · Die Gewerkschaft Verdi hat zum Streik bei der „Frankfurter Rundschau“ aufgerufen. Sie wendet sich gegen die Auslagerung von 35 Arbeitsplätzen aus dem Verlag in eine neue Tochtergesellschaft des „Rundschau“-Verlags. Die Gewerkschaft befürchtet, dass dieser Auslagerung weitere folgen könnten.
Von Michael HanfeldAm Freitag wandte sich die „Frankfurter Rundschau“ auf Seite eins an ihre Leser in eigener Sache. Und zwar mit einer Entschuldigung. Eine Entschuldigung dafür, dass die „Rundschau“ nur mit einer knapperen Ausgabe als gewohnt an die Kioske kam. Dabei war es ein kleines Wunder, dass die Zeitung überhaupt erschien. In der Druckerei in Neu-Isenburg und in Teilen der Redaktion wurde am Donnerstag gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einem befristeten Warnstreik aufgerufen. Sie wendet sich gegen die Auslagerung von 35 Arbeitsplätzen aus dem Verlag in eine neue Tochtergesellschaft des „Rundschau“-Verlags.
Die „FR Design GmbH“ nimmt am 1. Juli die Arbeit auf. In ihr werden Fotografen und Mitarbeiter der Redaktion wirken, die für die Infographik, das Layout, die Bildbearbeitung und die Produktionssteuerung zuständig sind. Die Gewerkschaft befürchtet, dass dieser Auslagerung weitere folgen könnten, etwa bei den Lokalredaktionen. Mit dem Warnstreik, sagt Manfred Moos, Fachsekretär Medien von Verdi in Hessen, habe man die Geschäftsführung der „Rundschau“ bewegen wollen, über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Es gehe darum, den Dialog über eine gedeihliche Sozialpartnerschaft fortzuführen, wie er bei der „Rundschau“ jahrzehntelang Tradition gewesen sei.
Tarifliche Leistungen bleiben erhalten
Einen Dialog mit den Gewerkschaften, sagt hingegen Andreas Terstiege, der Sprecher des „Rundschau“-Verlags, habe es gegeben. „Doch fordert Verdi die Erhaltung eines Status quo. Und damit lässt sich keine Veränderung herbeiführen, die dem Gesamt-Verlag hilft.“ Dass die Beschäftigten aber mit der Lage zufrieden seien, könne man allein daran ablesen, dass 28 von 35 betroffenen Mitarbeitern ihre neuen Verträge schon unterschrieben hätten. Die Festangestellten des „Rundschau“-Verlages nähmen ihre bisherigen tariflichen Leistungen zudem mit.
Insgesamt beschäftigt die „Frankfurter Rundschau“ rund 600 Mitarbeiter. Mehrheitseigentümer ist seit 2006 der Kölner Verlag DuMont Schauberg, den Rest der Anteile hält die SPD-Medienholding DDVG, welche die „Rundschau“ in der Zeit der Krise übernommen hatte.