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Franka Potente in „Copper“ : In den Straßen von New York

  • -Aktualisiert am

Damals trug man noch Hut: Franka Potente gibt in der Serie „Copper“ eine Bordellchefin der lauteren Art Bild: BBC America/Beta Film

Zwei Novitäten machen auf die amerikanische Fernsehserie „Copper“ aufmerksam: Franka Potente spielt eine Hauptrolle, die BBC produziert das Ganze.

          Nach ihrer Übersiedlung nach Los Angeles vor einigen Jahren versucht sich die Schauspielerin Franka Potente jetzt im amerikanischen Serienfernsehen. In „Copper“, einem Kriminaldrama im New York der sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, spielt sie Eva Heissan, eine Bordellbesitzerin deutscher Herkunft und die große Liebe der Hauptfigur Kevin Corcoran (Tom Weston-Jones), der als Polizist im von Korruption und Gewalt geprägten Immigrantenviertel Five Points Dienst tut. „Copper“ ist eine Produktion von BBC America und der deutschen Beta Film, bei der auch die deutschen und internationalen Vermarktungsrechte liegen. Man wolle mit „Copper“ einen britischen Blick auf „die Schnittstelle von britischer und amerikanischer Kultur“ werfen, sagte Perry Simon von BBC America bei der Vorstellung der Serie in Los Angeles.

          Franka Potente hat schon in amerikanischen Serien wie „The Shield“, „Dr.House“ und „Psych“ Gastrollen gespielt, dies ist ihre erste Serienhauptrolle. „Natürlich kann ich mich als Immigrantin mit dieser Rolle identifizieren“, sagte sie in Los Angeles vor Medienjournalisten der Television Critics Association (TCA), „und ich glaube, dass gewisse Dinge sich zwischen 1864 und 2012 nicht wesentlich geändert haben.“

          In den ersten beiden Episoden von „Copper“ kommt indes weniger die Einwanderungsgeschichte der Akteure – Corcoran ist Ire – zur Sprache. Es geht vielmehr um die rauhen Bedingungen und die Machtstrukturen des New Yorker Viertels Five Points. Corcoran, den seine Freunde Corky und seine Widersacher Copper (für „Cop“, Polizist) rufen, muss den Mord an einem kleinen Mädchen klären, das offenbar zur Prostitution gezwungen wurde. Einige reiche und einflussreiche Menschen in New York zahlen hohe Preise für Sex mit Kindern.

          Dramaturgischer Grobschnitt

          Der Drehbuchautor Tom Fontana und der Produzent Barry Levinson schonen die Zuschauer nicht – mit äußerster Brutalität macht sich Corcoran an einem Verdächtigen zu schaffen, der sich als unschuldig entpuppt. Ein saloppes „tut mir ehrlich leid“ – und die Tatsache, dass er als Held aus dem Bürgerkrieg zurückgekehrt ist – sollen Corcoran als aufrechten Gesetzeshüter zeichnen, während die schlimmen Cops mit fiesen Visagen herumschleichen und den eigentlichen Schuldigen decken. Mit ähnlich grober Hand wird auch Franka Potentes Charakter ein übles Pendant entgegengesetzt – die Menschenhändlerin nämlich, die Kinder zur Prostitution zwingt und dann ein blutiges Ende findet.

          Kevin Ryan (links) und Tom Weston-Jones spielen die Kriminalbeamten

          Der dramaturgische Grobschnitt ist vor allem deshalb bedauerlich, weil das amerikanische Fernsehen sein Publikum längst mit verflixt vielschichtigen Protagonisten wie dem drogenkochenden Spießer Walter White aus „Breaking Bad“ oder dem emotional belasteten Mafioso Tony Soprano aus „The Sopranos“ bekannt gemacht hat. Ein Journalist wollte in Los Angeles von dem Produzenten Barry Levinson wissen, inwiefern der historische Rahmen ihm mehr Gewaltdarstellung erlaube, als ein zeitgenössisches Stück ausgehalten hätte. „Sehr sogar“, sagte Levinson, der in den achtziger und neunziger Jahren als Regisseur und Produzent von Filmen wie „Rain Man“, „Quiz Show“ und „Wag the Dog“ Filmgeschichte schrieb. „Corcoran ist ein bisschen wie John Wayne, der einst in einem John-Ford-Film einem toten Indianer das Auge ausschoss“, sagte Levinson. „Das ist beängstigend, aber wenn wir es richtig machen, ist es innerhalb der Figur akzeptabel.“ Richtig machte es David Milch in der Serie „Deadwood“, die mit einer Reihe komplizierter Figuren und einer verschwommenen Gut-Böse-Struktur ein ähnlich ruchloses Nest von Glücksrittern und Gestrandeten in der titelgebenden Goldgräberstadt um 1870 zeichnete, wie es „Copper“ in New York vorfindet. Doch „Deadwood“ hat die Latte hochgelegt.

          Es mangelt an Nuancierungen

          Die interessanteste Figur der Serie ist ein schwarzer Arzt namens Matthew Freeman (Ato Essandoh), der im rassistischen Klima der Nachbürgerkriegsjahre undercover arbeiten muss und für Corcoran ein unentbehrlicher Assistent ist, indem er clever improvisierte, vorwissenschaftliche Forensik betreibt. Eigentlich, sagt der Serienautor Tom Fontana, sei „Copper“ eine Art Anti-„CSI“. „Es gibt keine DNA-Proben, keine Maschinen. Hier müssen die Ermittler ihren Kopf benutzen, um die Lage der Dinge zu erkennen.“ Oder ihre Schlagringe, Knüppel und Pistolen, die gern und oft zum Einsatz gebracht werden, auch wenn dem hübschen, aber eine Spur zu stillen Kevin Corcoran die Brutalität nicht recht steht.

          Franka Potente sagte, ihr gefalle die sexuell aufgeladene Erwachsenenwelt der Serie. „Mit zunehmendem Alter habe ich Themen zu schätzen gelernt, die mich als Erwachsene ansprechen, und dies ist eine rohe Welt, an der Menschen zerbrechen.“ Bislang versuchte BBC America, das zu BBC Worldwide gehört, das Publikum in den Vereinigten Staaten mit Stücken made in Great Britain zu gewinnen. „Copper“, das am 19. August startet, ist die erste eigens für den hiesigen Markt erstellte Serie. Nach der Machart zu schließen will BBC America offenbar mit der Drastik, die amerikanische Serien wie „Spartacus“ und „True Blood“ kennzeichnet, mithalten. Aber es sind Zwischentöne, nicht Schauwerte, die großes Fernsehen ausmachen. An Nuancierungen aber mangelt es „Copper“ zunächst.

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