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Fragen Sie Gottschalk Nicht jeder Minnesänger singt richtig und schön

Vor Brüderle habe ja immerhin er hierzulande als der wandelnde Herrenwitz gegolten: Thomas Gottschalk über mehr oder weniger geglückte Balzereien und seinen Respekt vor Frauen.

© picture-alliance/ dpa „Wetten, dass..?“ im Oktober 2008: Thomas Gottschalk begrüßt Salma Hayek

Lieber Thomas, verstehst Du die Aufregung um Brüderles Anzüglichkeiten? Ist man da in Amerika nicht viel strenger als in Deutschland?
Sarah Petersen, Kiel

Thomas Gottschalk: Richtig Sarah, immer gleich den Fachmann fragen. Bis mir Herr Brüderle diese Last abgenommen hat, galt ja immerhin ich als der wandelnde Herrenwitz, der am Samstagabend vor der gesamten Nation fremden Frauen ans Knie gefasst oder sensible Künstlerinnen mit dröhnendem Altherrenhumor in Verlegenheit gebracht hat. Das Foto von Salma Hayek in ihrem überfüllten Dirndl, in das sie sich für mich gezwängt hat, ging um die ganze Welt. Gegen mich ist der Brüderle ein Waisenknabe. Und was das Allerschlimmste ist: Ich weise jede Schuld von mir.

Meine Mutter und später meine Frau haben mir im Laufe meines Lebens einen solchen Respekt vor Frauen, und zwar vor jeder, abgenötigt, dass ich all die tölpelhaften, ungeschickten und seichten Bemerkungen, die mir jemals, privat oder öffentlich, über die Lippen gegangen sein mögen, immer vor dem Hintergrund eines großen Respektes und einer innerlichen Distanz abgefeuert habe. Ja, das geht! Da gab es keinen Hauch von dem lüsternen Begehren, das manche zu sehen glaubten. Das waren mehr oder weniger geglückte Balzereien. So, wie ich befürchte, dass nicht jeder Minnesänger immer richtig und schön gesungen hat. Nichts, aber auch gar nichts war dahinter.

Ganze Arbeit

Und hier, befürchte ich, wird in deutscher Gründlichkeit und im wachsenden Hang zur „political correctness“ wieder mal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Und ja, in Amerika ist man korrekter: Da muss die Schnapsflasche in der Papiertüte transportiert werden, Sex im Fernsehen wird als absurde Kissenschlacht inszeniert, und Vorgesetzte steigen mit einer Mitarbeiterin nicht allein in den Aufzug. Glückwunsch! Aber glaubt irgendjemand, dass dort weniger Trinker oder Frauenverächter unterwegs sind als bei uns? Irgendwie befürchte ich, dass sich nun alle Männer, die sich ritterlich und öffentlich in die Sexismusdebatte werfen, zu Hause ihr Fleißkärtchen abholen, aber diejenigen die es wirklich angeht, überhaupt nicht wissen, dass sie gemeint sind oder worum es wirklich geht.

Man kriegt die Richtung nicht mit, wenn man den Kompass nicht hat. Und der wird sehr früh eingestellt, im Normalfall von einer Frau. Meine Mutter hat da ganze Arbeit geleistet, und den Rest besorgt heute noch und immer wieder meine Frau. Aber wahrscheinlich habe ich mit diesem überholten Weltbild bereits wieder gegen ein anderes Gesetz der „political correctness“ verstoßen, wofür ich mich bereits an dieser Stelle in aller Form entschuldige.

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Quelle: F.A.S.

 
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