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Fragen Sie Gottschalk Kann man noch intelligent über Literatur reden?

 ·  In seiner zweiten F.A.S.-Kolumne antwortet Thomas Gottschalk auf eine wehmütige und auf eine amerikanische Frage. In beiden geht es um das Fernsehen, also auch ums Honorar.

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Wir erinnern uns wehmütig einer Zeit, in der im Fernsehen intelligent und unterhaltsam über Literatur gesprochen wurde. Wie könnte man das heute wieder etablieren? Fehlt der Mut? Oder fehlt einfach nur Marcel Reich-Ranicki?
Siglinde Reiner, Köln

Thomas Gottschalk: Nun sind wir schon zu zweit, aber die wehmütige Erinnerung an „intelligente und unterhaltsame“ Literatursendungen ist bei uns kein sehr verbreitetes Gemütsleiden. Klar fehlt den Fernsehmachern der Mut, eine Sendung ins Programm zu heben, in der über Bücher gesprochen wird. Das wäre ein vorhersehbares Quotenfiasko, denn die entsprechende Zielgruppe, zu der Sie und ich offensichtlich gehören, ist dünn geworden, und das Personal, das man dazu braucht, ist in Ehren ergraut.

Karasek konnte lustig sein, Reich-Ranicki komisch und Frau Löffler boshaft. Alle drei waren geistreich und damit eine geniale Kombination. Den orthodoxen, aber spaßfreien Literaturfreunden waren sie „intelligent“ genug, und dem unterhaltungswilligen Bildungsbürger haben ihre Dispute auch noch Spaß gemacht. Mit diesem Spagat sind die Fernsehmacher derzeit offensichtlich genauso überfordert wie das Publikum. Wäre schön, wenn sich das irgendwann ändern würde.

Leben Sie immer in Malibu? Und sehen Sie dann überhaupt deutsches Fernsehen?
Ludwig Hertzer, Ingolstadt

Thomas Gottschalk: Das mit dem Wohnsitz in Malibu war reine Angeberei. Dort verstecke ich mich nur, wenn ich den Eindruck habe, in Deutschland krieg’ ich mal wieder zu Unrecht auf die Mütze. Natürlich habe ich da fast alle deutschen Programme und krieg’ die „Tagesschau“ immer schon zum Mittagessen. Vom amerikanischen Fernsehen habe ich eine sehr zwiespältige Meinung. Was Serien betrifft, spielen die in einer ganz anderen Liga. Wenn man da von den popeligen „Garmisch Cops“ des ZDF in den raffinierten Polit-Thriller „Homeland“ des Senders Showtime umschaltet, sind das zwei verschiedene Welten.

In der Unterhaltung fällt den Amerikanern derzeit, außer Castingformaten, allerdings auch nicht viel ein. Die große Samstagabendshow hat es hier nie gegeben. Meine Frau hat immer die Augen verdreht, wenn ich zum hundertsten Mal meinem Dinnernachbarn „Wetten, dass . . .“ erklärt habe. Jetzt ist das einfacher: Wenn ich berichte, dass ich Juror bei „Germany’s Got Talent“ bin, wird mir von allen Seiten gratuliert. Freut einen natürlich! Nur die Frage, ob ich wie mein amerikanischer Kollege Howard Stern zwölf Millionen für diesen Job kassiert habe, macht mich etwas traurig.

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