http://www.faz.net/-gsb-743vm

Fragen Sie Gottschalk : Kann man noch intelligent über Literatur reden?

  • Aktualisiert am

Thomas Gottschalk auf dem „Boulevard der Stars“ in Berlin Bild: dpa

In seiner zweiten F.A.S.-Kolumne antwortet Thomas Gottschalk auf eine wehmütige und auf eine amerikanische Frage. In beiden geht es um das Fernsehen, also auch ums Honorar.

          Wir erinnern uns wehmütig einer Zeit, in der im Fernsehen intelligent und unterhaltsam über Literatur gesprochen wurde. Wie könnte man das heute wieder etablieren? Fehlt der Mut? Oder fehlt einfach nur Marcel Reich-Ranicki?
          Siglinde Reiner, Köln

          Thomas Gottschalk: Nun sind wir schon zu zweit, aber die wehmütige Erinnerung an „intelligente und unterhaltsame“ Literatursendungen ist bei uns kein sehr verbreitetes Gemütsleiden. Klar fehlt den Fernsehmachern der Mut, eine Sendung ins Programm zu heben, in der über Bücher gesprochen wird. Das wäre ein vorhersehbares Quotenfiasko, denn die entsprechende Zielgruppe, zu der Sie und ich offensichtlich gehören, ist dünn geworden, und das Personal, das man dazu braucht, ist in Ehren ergraut.

          Karasek konnte lustig sein, Reich-Ranicki komisch und Frau Löffler boshaft. Alle drei waren geistreich und damit eine geniale Kombination. Den orthodoxen, aber spaßfreien Literaturfreunden waren sie „intelligent“ genug, und dem unterhaltungswilligen Bildungsbürger haben ihre Dispute auch noch Spaß gemacht. Mit diesem Spagat sind die Fernsehmacher derzeit offensichtlich genauso überfordert wie das Publikum. Wäre schön, wenn sich das irgendwann ändern würde.

          Leben Sie immer in Malibu? Und sehen Sie dann überhaupt deutsches Fernsehen?
          Ludwig Hertzer, Ingolstadt

          Thomas Gottschalk: Das mit dem Wohnsitz in Malibu war reine Angeberei. Dort verstecke ich mich nur, wenn ich den Eindruck habe, in Deutschland krieg’ ich mal wieder zu Unrecht auf die Mütze. Natürlich habe ich da fast alle deutschen Programme und krieg’ die „Tagesschau“ immer schon zum Mittagessen. Vom amerikanischen Fernsehen habe ich eine sehr zwiespältige Meinung. Was Serien betrifft, spielen die in einer ganz anderen Liga. Wenn man da von den popeligen „Garmisch Cops“ des ZDF in den raffinierten Polit-Thriller „Homeland“ des Senders Showtime umschaltet, sind das zwei verschiedene Welten.

          In der Unterhaltung fällt den Amerikanern derzeit, außer Castingformaten, allerdings auch nicht viel ein. Die große Samstagabendshow hat es hier nie gegeben. Meine Frau hat immer die Augen verdreht, wenn ich zum hundertsten Mal meinem Dinnernachbarn „Wetten, dass . . .“ erklärt habe. Jetzt ist das einfacher: Wenn ich berichte, dass ich Juror bei „Germany’s Got Talent“ bin, wird mir von allen Seiten gratuliert. Freut einen natürlich! Nur die Frage, ob ich wie mein amerikanischer Kollege Howard Stern zwölf Millionen für diesen Job kassiert habe, macht mich etwas traurig.

          Quelle: F.A.S.

          Weitere Themen

          Yitzhak Laor: „Herbst“

          Frankfurter Anthologie : Yitzhak Laor: „Herbst“

          Dieses Gedicht hätte Marcel Reich-Ranicki gefallen. Es handelt von Liebe und Tod und beschreibt mit existentiellem Ernst die Tragik des Menschseins.

          „Erica“ schaut gerne Filme Video-Seite öffnen

          Intelligenter Roboter : „Erica“ schaut gerne Filme

          Das Labor des Robotikforschers Hiroshi Ishiguro hat schon viele Roboter entwickelt – „Erica“ ist die neuste und intelligenteste. Sie kann sich mit Menschen unterhalten und bedingt Emotionen zeigen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Großbritanniens Premierministerin Theresa May

          Theresa May : „Es kommt kein zweites Referendum“

          Die britische Regierungschefin hat ein Angebot zum Verbleib in der EU abgelehnt. In einem Interview erklärt sie ihre Brexit-Pläne: „Es geht nicht ums Rosinen picken.“

          Ein Jahr Trump : „Ich bin begeistert“ – „Lächerlich“

          Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr spaltet Donald Trump sein Volk. Wir haben zwei Amerikaner, die in Deutschland leben, gefragt, was sie von ihrem Präsidenten halten. Da stoßen Welten aufeinander.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.