Home
http://www.faz.net/-gsb-74x9x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fragen sie Gottschalk „Das entspricht nicht meinem Verständnis von Unterhaltung“

Taugt das Fernsehen als praktische Lebenshilfe? Pflegt er eigentlich echte TV-Feindschaften? Darauf hat Thomas Gottschalk deutliche Antworten. Das gilt auch für die Frage nach seiner Kollegin Heidi Klum.

© Robert Wenkemann

Wie erklären Sie sich den Erfolg all der Beratungssendungen im deutschen Fernsehen? Kindererziehung, Schuldenberatung etc. Hat das Fernsehen bei vielen Menschen eine regulierende, beratende, lebensberatende Rolle übernommen, die in der Gegenwart sonst von keinem mehr übernommen wird? Und wäre so eine Beratungssendung nicht auch etwas für Sie? In welchem Bereich würden Sie beraten?

Dirk Jesse, Köln

Thomas Gottschalk: In der Tat wundere ich mich über den Erfolg dieser Formate ebenso wie Sie. Mir scheint dabei in vielen Fällen allerdings nicht die Hilfe für die Betroffenen im Vordergrund zu stehen, sondern die Faszination der Zaungäste, die mit der beruhigenden Erkenntnis ins Bett gehen können, dass andere noch größere Schulden und noch schlimmere Kinder haben.

Mich erinnert das immer unangenehm an Katastrophentourismus und an Menschen, die sofort ihre Hälse recken, wenn irgendwo ein Krankenwagen steht oder ein Blaulicht rotiert. Jeder Unfall hat offensichtlich etwas Faszinierendes, solange man nicht selbst das Opfer ist. Anderen Leuten dabei zuzuschauen, wie sie versuchen, aus ihrem Schlamassel herauszukommen, entspricht nicht meinem Verständnis von Unterhaltung.

Kommst Du in Amerika manchmal mit Heidi Klum zusammen? Schätzt Du ihre Sendungen?

Frank Baumer, Frankfurt

Thomas Gottschalk: Ich habe zwar Heidis Handynummer, aber ich glaube nicht, dass Sie auf meinen Anruf wartet. Anfang der Neunziger hat sie zwar in meiner TV-Show einen Modelwettbewerb gewonnen, weswegen ich als ihr Entdecker in die Geschichte eingehen werde, aber sie steht seit langem auf eigenen und sehr beachtlichen Beinen. Vor allem ihr Erfolg in den Vereinigten Staaten beeindruckt mich. Sie hat dort eine Menge Werbeverträge, ist immer wieder auf den Covers großer Magazine zu sehen, und ihr „Project Runway“ ist eine erfolgreiche Castingshow im US-Fernsehen. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen.

Welche Feinde haben Sie im deutschen Fernsehen?

Sigurd Pettersen, Kiel

Thomas Gottschalk: Ich pflege keine Feindschaften. Bei TV-Unterhaltung gibt es keine Dogmen, über die sich streiten ließe. Man mag es, oder man mag es nicht. Ich habe aber wenig Verständnis für Menschen, die sich etwas anschauen, nur um sich hinterher darüber zu ereifern, wie furchtbar es war. Fernsehen ist das einzige Ärgernis, das man durch Knopfdruck beenden kann.

Ihre Fragen an Gottschalk schicken Sie bitte an gottschalkfragen@faz.de.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gottschalk über Raab Er zeigt, wie man geht

Stefan Raab war nicht nicht nur einer der letzten Riesen in einer zusehends von Zwergen bewohnten Fernsehwelt, er zeigte auch beim Abschied Größe. War er klüger als ich? Mehr Von Thomas Gottschalk

21.06.2015, 12:29 Uhr | Feuilleton
BND-Affäre De Maizière: Von Vorwürfen gegen mich bleibt nichts übrig

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sieht sich in der BND-Affäre entlastet. Anders als in Medien berichtet, habe er als Kanzleramtsminister 2008 nichts über Suchbegriffe des amerikanischen Geheimdienstes NSA zum Zwecke der Wirtschaftsspionage erfahren, sagte der CDU-Politiker nach einer Befragung im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages. Mehr

07.05.2015, 09:35 Uhr | Politik
Fußball-Transferticker Atlético Madrid greift tief in die Tasche

Madrid findet Ersatz für Mandzukic ++ Frankfurt holt Stürmer ++ Falko Götz hat einen neuen Job ++ Ivo Ilicevic bleibt doch beim HSV, Gojko Kacar überlegt noch ++ Alle Infos im Transferticker. Mehr

01.07.2015, 16:38 Uhr | Sport
Sicherheitspersonal-Streik Flughafen-Passagiere müssen lange warten

Der Streik des Sicherheitspersonals hat an deutschen Flughäfen für lange Schlangen mit Wartezeiten von bis zu zwei Stunden gesorgt. Nicht alle Passagiere hatten dafür Verständnis. Mehr

09.02.2015, 16:03 Uhr | Wirtschaft
Sebastian Vettel im Gespräch Man muss auch mal langsam machen

Wo Stillstand immer ein Rückschritt ist: Formel-1-Pilot Sebastian Vettel spricht im FAZ.NET-Interview über Pünktlichkeit, Ungeduld und Beschleunigung – auf der Rennstrecke und außerhalb. Mehr Von Anno Hecker

18.06.2015, 07:34 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 16:16 Uhr

Glosse

Tunnelblickrock

Von Dietmar Dath

Altmodischer Gitarrendresche, Beckenschläge und Drumroll: Mit „Selbstauslöser“ putzt sich der S-Bahn-Fahrer die Ohren frei. Dann steigt ein Pärchen ein, und plötzlich wird das Abteil zur Musikvideo-Kulisse. Mehr 0