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Veröffentlicht: 23.12.2015, 14:59 Uhr

Donald Trump und die Medien Amerikas Rechte geht in den Nahkampf

Ausgerechnet der konservative Sender Fox News bietet Donald Trump Paroli. Dort hält man den Präsidentschaftsbewerber offenbar für zunehmend gefährlich. Vielleicht auch, weil ihm das Publikum von Fox News nachläuft?

von Nina Rehfeld, Phoenix
© AFP Machen Sie mal eine typische Handbewegung: Donald Trump stößt auch im eigenen politischen Lager auf immer mehr Widerstand.

Die amerikanischen Medien verlieren zusehends die Geduld mit Donald Trump. Sogar Bill O’Reilly, das Zugpferd des Nachrichtensenders Fox News, nimmt Trumps Rhetorik inzwischen fast täglich auseinander. Das ist überraschend, weil Fox News als Haussender der Republikaner gilt. Und es ist eine Pointe, weil O’Reilly die vermeintliche Besserwisserei als Mittel der politischen Auseinandersetzung in extenso selbst praktiziert. Die beiden müssten sich also hervorragend verstehen. Aber O’Reillys Entsetzen über Trumps Schockparolen ist nicht zu übersehen. O’Reilly gibt sich Trump gegenüber gern väterlich - „Ich kümmere mich um Sie, Donald, das wissen Sie“ - ringt er doch inzwischen mit der Verzweiflung.

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Im November hatte O’Reilly Trump darauf hingewiesen, dass eine Massendeportation illegaler Immigranten, wie Trump sie vorschlug, schon deshalb nicht möglich sei, weil in den Vereinigten Staaten jedem ein ordentliches Gerichtsverfahren zusteht. O’Reilly wies außerdem Trumps Behauptung zurück, nach den Anschlägen vom 11. September hätten Tausende in New Jersey gefeiert. „Wir haben recherchiert, und wir haben wirklich überall nachgeschaut“, sagte O’Reilly, „aber da waren keine Tausende.“ Trump rede unvorbereitet drauflos, jemand, der die mächtigste Position der Welt anstrebe, müsse seine Worte wägen. „Die Verantwortung, die Sie anstreben, verlangt persönliche Gewissenhaftigkeit“, sagte O’Reilly, „und wenn Sie etwas sagen, sollten Sie verdammt noch mal sicher sein, dass es stimmt und nicht einfach eine Übertreibung ist.“

Trump, O'Reilly © AP Vergrößern Da scheinen sie ein Herz und eine Seele: Donald Trump und Bill O`Reilly.

Als Trump sich beschwerte, dass er bei CNN besser gelitten sei als bei Fox News, bemerkte O’Reilly, es sei sein Job, kritische Fragen zu stellen. Er nahm sich dann auch Trumps Twitterbotschaften vor, in denen der Präsidentschaftskandidat vornehmlich Konkurrenten verhöhnt und beschimpft. „Das ist belanglos! Tweeten Sie über Putin, tweeten Sie über den IS!“, forderte O’Reilly. Zuletzt ermahnte er Trump, als der via Twitter eine Statistik verbreitete, derzufolge 81 Prozent aller weißen Mordopfer von Schwarzen getötet würden: „Das ist total falsch! Weiße, die von Schwarzen ermordet werden, sind fünfzehn Prozent.“ Was antwortete Trump? „Bill! Bill, soll ich etwa jede Statistik überprüfen?“ O’Reilly musste sich zusammenreißen, um Contenance zu wahren: „Ja, das müssen Sie als Präsidentschaftsanwärter.“

Das sind ungewohnte Töne von dem Mann, dessen Markenzeichen Lautstärke ist und der mit dem „O’Reilly Factor“ Fox News ein großes Publikum beschert. Dass Trump nun O’Reilly und Fox News rechts überholt, bringt den Sender in die Bredouille. Trump ist bei konservativen Amerikanern, dem Stammpublikum von Fox News, populär, wie dumm er sich auch äußern mag.

Friedensangebot ausgeschlagen

Noch im August hatte Roger Ailes, der Chef von Fox News angeblich bei Trump angerufen, um Frieden zu machen, nachdem dieser die Fox-Moderatorin Megyn Kelly übelst sexistisch beleidigt hatte - und sich nur halbherzig entschuldigte. Ailes gilt als Trump-Unterstützer, Rupert Murdoch hingegen, der Eigentümer von News Corp, der Muttergesellschaft von Fox News, ist ein erklärter Gegner von Trumps „Peinlichkeiten“.

Freilich sind sich sowohl Murdoch als auch O’Reilly bewusst, dass Trump inzwischen womöglich mehr Anziehungskraft auf das von Fox so sorgfältig aufgebaute Publikum „wütender weißer Männer“ ausübt als der Sender selbst. Und so fährt O’Reilly mit angezogener Handbremse. Trump schere sich wenig um Politik, er setze vor allem auf Emotion, sagte der Moderator kürzlich: Seine „Kampagnenstrategie“ sei „brillant, aber nimmt man das, was er sagt, wörtlich, kann er einem Angst einflößen“. Ob Fox News Donald Trump gefährlich wird oder es sich umgekehrt verhält, ist noch nicht ausgemacht.

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