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„Focus“-Chefredakteur Jörg Quoos Wenn Politik wichtig ist, kommt sie aufs Cover

Seit zwei Monaten ist Jörg Quoos Chefredakteur des Magazins „Focus“, vorher war er zwanzig Jahre lang bei der „Bild“-Zeitung. Sein neuer Job gilt als schwierig. Wir fragen ihn, was er mit dem Blatt vorhat.

© Thorsten Fleischhauer Vergrößern Jörg Quoos, der neue „Focus“-Chef, ist ein Machertyp. Das merkte man spätestens bei der Niedersachsenwahl, als er seine Redaktion zur Extraschicht am Sonntag bat.

Sie waren zwanzig Jahre lang bei Springer, jetzt sind Sie zwei Monate bei „Focus“. Wieso sind Sie gewechselt?

Zwanzig Jahre bei „Bild“, das war eine spannende Zeit, die letzten acht Jahre als Blattmacher und Stellvertreter des Chefredakteurs Kai Diekmann waren es erst recht. Nach einer solch langen Zeit muss man sich aber auch fragen: Wie lange willst du das noch machen? Ich wollte mich neu herausfordern. Da kam das Angebot aus München. Ich habe mir die Entscheidung nicht leichtgemacht. Am Ende habe ich mir gesagt: Es ist ein absolut spannendes Projekt, den „Focus“ weiterzuentwickeln. Mich fasziniert das Themenspektrum. Und man kann beim „Focus“ als Chefredakteur seine politische Seele ausleben. Ich habe viele Gespräche geführt und wäre nicht gewechselt, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass die Leitung des Unternehmens und der Verleger mich für geeignet hielten.

Welche Richtung werden Sie dem „Focus“ geben? In Ihre erste Ausgabe ist viel hineininterpretiert worden. Sie hatten einen Doppeltitel: den angeschlagenen Peer Steinbrück und einen Einschlag mit dem Thema „Selbstmotivation“ - Ratgeber und Service hier, Politik da: die alte Uli-Baur-Schule gegen den neuen Quoos-Stil?

Ich habe auch gelesen, was in diese Ausgabe hineingeheimnist wurde. Im Nachhinein muss ich sagen: Das belustigt mich sehr. Mein Vorgänger Uli Baur hatte sehr kameradschaftlich dafür gesorgt, dass ich nach dem Amtswechsel ein Thema vorfinde, schließlich hatte ich nur drei Tage Zeit, mein erstes Heft fertigzustellen. Wir hatten über das Servicethema gesprochen, ich fand aber schon in der ersten Woche eine neue Aktualität vor: der vergeigte Start der Kandidatur von Peer Steinbrück. Das wollte ich auf dem Titel haben. Das Service-Thema erschien mir aber immer noch spannend genug, um es auf den Umbinder zu heben. Eine rein journalistische Entscheidung.

Politiktitel verkaufen sich für Wochenmagazine allerdings nicht gut. Ich habe den Eindruck, dass bei Ihnen die Politik gleichwohl klar im Vordergrund steht.

Ich sehe bei uns kein Übergewicht der Politik auf der Titelseite. Ich werde aber versuchen, die Politik, wenn sie richtig wichtig ist, aufs Cover zu heben. Die Frage ist: Wann ist die Politik auch für den Leser so relevant, dass sie auf die Seite eins muss? Das ist dann der Fall, wenn sie mein Leben gravierend berührt oder außergewöhnliche Dramen erzählt.

Für Sie als Tageszeitungsmacher muss die Arbeit an einem Wochenmagazin doch wie Zeitlupe erscheinen.

Meine Empathie für Geschwindigkeit habe ich schon nach zwei Wochen ausgelebt, bei der Niedersachsenwahl. Ich habe achtzig Kollegen das Wochenende verdorben, indem ich sie gebeten habe, in die Redaktion zu kommen. Wir haben am Sonntagabend ein Wahlspecial erarbeitet, 28 Seiten, und es in einer Teilauflage nachgeschickt. Um 23.44 Uhr kam das Ergebnis des Landeswahlleiters, um zehn Minuten vor zwei sind wir fertig gewesen. Wir hatten das Wahlspecial auch auf dem iPad. Ich habe bei der Gelegenheit festgestellt: Diese Magazinredaktion ist hellwach und kann auch den Tageszeitungsspurt.

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