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„Grzimek“ im Ersten : Flucht in die Savanne

So kannten ihn Millionen Fernsehzuschauer: Bernhard Grzimek (Ulrich Tukur) mit possierlichem Tierchen Bild: ARD Degeto/Roland Suso Richter

Die ARD entzaubert an diesem Karfreitag eine Legende: Der Film „Grzimek“ zeigt, was über den weltberühmten Tierschützer Bernhard Grzimek bislang nur wenige wussten: wie er mit Menschen zurechtkam.

          An den weißhaarigen Onkel aus dem Fernsehen erinnern sich viele. Mal räkelte sich ein Gepard auf dem Pult, dann hockte da ein Ochsenfrosch, und Affen gab er häufig Zucker. „Guten Abend, meine lieben Freunde“, sagte der nette ältere Herr, kraulte seine possierlichen Begleiter, um im nächsten Satz auf deren drohende Vernichtung hinzuweisen, die es dringend zu verhindern gelte. Fünfundzwanzig Jahre lang präsentierte der Veterinär Bernhard Grzimek im Ersten Programm „Ein Platz für Tiere“. Mit diesen verstand er sich bestens, dem Tier- und Umweltschutz widmete er sein Leben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Im Umgang mit Menschen hingegen zeigte sich die andere, von der Öffentlichkeit sorgsam abgeschottete Seite des Bernhard Grzimek. Am Abend dieses Karfreitags scheint sie in dem Biopic „Grzimek“ des Regisseurs Roland Suso Richter auf. Knapp drei Stunden nimmt der Film sich für den weltberühmten Tierschützer Zeit und dekonstruiert das Bild des vermeintlich strahlenden Helden. Diesen Grzimek kannte bislang kaum einer.

          Grzimel und seine Frau Hilde (Barbara Auer) wollen den Frankfurter Zoo vor dem Abriss bewahren. Wir wir wissen, gelang es.
          Grzimel und seine Frau Hilde (Barbara Auer) wollen den Frankfurter Zoo vor dem Abriss bewahren. Wir wir wissen, gelang es. : Bild: ARD Degeto/UFA Fiction/Roland Suso Richter

          Wer zum Beispiel hätte gewusst, dass Grzimek nach Kriegsende 1945 in Frankfurt für kurze Zeit Polizeipräsident und rechte Hand des Bürgermeisters war, bevor er den Frankfurter Zoo übernahm? Dass er in der NS-Zeit Mitglied der Partei war, dies aber lebenslang abstritt? Dass er zwei Familien hatte – eine offizielle und eine, bei der er sich jahrelang nicht meldete? Dass er schließlich eine Beziehung zu der Witwe seines bei den Dreharbeiten zu dem Film „Serengeti darf nicht sterben“ 1959 tödlich verunglückten Sohnes Michael einging, diese Erika heiratete und seine Enkel als Vater adoptierte? Dass sich sein lange zuvor adoptierter Sohn Thomas das Leben nahm?

          Ein Doppelleben bis zur Selbstverleugnung

          Im Film wird nichts davon verschwiegen und mehr aufgeblättert als in der 2009 erschienenen Grzimek-Biographie von Claudia Sewig. So sehen wir Ulrich Tukur, der in der Rolle des Bernhard Grzimek eine Glanzleistung abliefert, einen abgründigen Charakter spielen. Einen Mann mit einer Mission, die er fanatisch verfolgt, für die er Menschen einzuspannen, für die er Massen durch seine Bücher, Kino- und Fernsehfilme zu begeistern weiß, bei der ihm einige seiner Nächsten aber verlorengehen. Das ist zuvörderst seine Frau Hilde (Barbara Auer), die Grzimeks Doppelleben bis zur Selbstverleugnung erträgt, das ist sein Sohn Thomas (Jerry Hoffmann), für den der Vater nie Zeit hat, und das ist Michael (Jan Krauter), der Grzimeks Engagement zu seinem eigenen macht und entscheidend zu dem epochalen Film „Serengeti darf nicht sterben“ beiträgt. Für den bringt der Sohn das maximale Opfer, und für den erhält der Vater einen Oscar. Dessen Verbindung zu Michaels Witwe Erika (Katharina Schüttler) wird so innig, dass sie in einer Ehe mündet.

          „Die Verbundenheit und Nähe, welche in meiner Vorstellung Erika und Bernhard schon vor Michaels Tod verbunden hat, hat sich nach dem tragischen Verlust, den beide erleben mussten, vor allem durch das gemeinsame Trauern und ihre gemeinsame Arbeit unter anderem an ,Serengeti darf nicht sterben‘ intensiviert“, sagt die Schauspielerin zu ihrer Rolle. In diesem Bewusstsein geht sie ihr Spiel an.

          Auch große Tiere müssen gepäppelt werden: Grzimek (Ulrich Tukur) und sein Mitarbeiter Gustav Lederer (Christian Redl).
          Auch große Tiere müssen gepäppelt werden: Grzimek (Ulrich Tukur) und sein Mitarbeiter Gustav Lederer (Christian Redl). : Bild: ARD Degeto/UFA Fiction/Roland Suso Richter

          Was für ein schwieriges Unterfangen es war, diese Geschichte zu erzählen, kann man an der Genese des Projekts ablesen. Die Idee dazu hatte schon 1991 die Filmemacherin, Wissenschaftsjournalistin und Biologin Ina Kobloch. Im Jahr 2000 nahm sie das Projekt in Angriff, der renommierte Autor Peter Zingler stieß hinzu, die beiden setzten zu umfangreichen Recherchen an, flogen auf eigene Kosten nach Tansania, hatten nur das Pech, dass ihre damalige Produktionsfirma keinen Sender fand. Das gelang 2007 erst dem Produzenten Nico Hofmann mit seiner Firma Teamworx, die seinerzeit kundtat, dass man einen Zweiteiler über das Leben des Zoologen und Tierfilmers Bernhard Grzimek entwickle. Der Arbeitstitel lautete: „Der Herr der Löwen“.

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