01.09.2006 · Diese Woche ist George Clooney gleich zweimal im Fernsehen zu sehen: als Fischer und als Scheidungsanwalt. In Hamburg glühen die Drähte einer Sexhotline heiß, Neve Campbell tanzt sich die Füße wund und Patrick Süskind wird in seiner Ruhe gestört.
Diese Woche ist George Clooney gleich zweimal im Fernsehen zu sehen: als Fischer in Seenot und gelackter Scheidungsanwalt. In Hamburg glühen die Drähte einer Sexhotline heiß, Neve Campbell tanzt sich die Füße wund und Patrick Süskind wird in seiner Ruhe gestört.
Samstag, 2. September
RTL, Katastrophendrama, 20.15 Uhr: Der Sturm
Kapitän Tyne (George Clooney) fährt trotz Wetterwarnung mit seinem Fischkutter raus auf die hohe See. Neben anderen Matrosen mit an Bord: der frisch verliebte Bobby (Mark Wahlberg) und der Einzelgänger Murph (John C. Reilly). Auf dem Rückweg brauen sich drei Wetterfronten, jede von der Stärke eines Hurrikans zusammen und vereinigen sich zu einem „perfekten Sturm“, dem Clooney und seine Mannen entkommen müssen.
Den perfekten Sturm gab es übrigens wirklich. Er suchte im Jahre 1991 die Küste Neuenglands heim. Wolfgang Petersen schuf also seine faszinierende Hochseegeschichte nicht selbst, sondern adaptierte sie vom gleichnamigen Roman „Der Sturm“, welcher über die Katastrophe berichtet.
Sonntag, 3. September
RTL, Komödie, 20.15 Uhr: Ein (un)möglicher Härtefall
Das erste, was man von Miles Massey (George Clooney) sieht, sind seine Zähne. Ein perfektes Gebiß, perfekt gepflegt, das perfekte Sätze ausspuckt. Miles Massey, der, im Auto sitzend, seinen Tagesplan diktiert, weiß, was er sich wert ist. Miles Massey ist Scheidungsanwalt, und er hat noch nie einen Fall verloren. Das erste, was man von Marilyn Rexroth (Catherine Zeta-Jones) sieht, sind ihre Lippen. Tadellos geformte Lippen, ein Kußmund aus dem Bilderbuch. Aber Marilyn hat es nicht mehr nötig, ihren ältlichen Gatten zu küssen, denn ihr Privatdetektiv hat Rex Rexroth mit einer üppigen Blondine in einem Motel in Malibu überrascht und die Szene gleich auf Video festgehalten.
Ein lupenreiner Scheidungsgrund: der Härtefall. Nur dumm, daß Rex sich Massey als Scheidungsanwalt nimmt und Marilyn nicht die erträumten Millionen scheffeln kann. Die Ex-Millionärin schwört dem schönen Juristen Rache - und geht auf Scheidungsfischzug. Und dabei macht sie selbst vor Massey nicht halt.
Montag, 4. September
ZDF, Komödie, 20.15 Uhr: Süperseks
„Süperseks“ zeigt ein Hamburg, wie es klingt und kracht: Der 23jährige Elviz (Denis Moschitto) engagiert ein paar talentierte Türkinnen fürs Telefon-Stöhngeschäft, und bald ist im Schanzenviertel der Teufel los. Torsten Wackers „Süperseks“ ist ein Lach-Anschlag auf die vereinigten jugendlichen Döner- und Popcornfraktionen deutscher Großstädte - und bedient nebenbei, in der freundlichen Veralberung der auch sexuell verklemmten türkischen Familienstrukturen und sogar des Islam, den Modernitätshunger der dritten Einwanderergeneration.
Dienstag, 5. September
ZDF, Tanzdrama, 1.00 Uhr: The Company - Das Ensemble
In gewisser Weise ist „The Company“ der prototypische Robert-Altman-Film. Es geht um den Alltag einer Tanztruppe, des Joffrey-Balletts in Chicago, um Premieren, die vorbereitet, Choreographien, die einstudiert, individuelle Ansprüche, die befriedigt oder verweigert, und Erfahrungen, die miteinander geteilt werden. Es geht um jene Kunst des Gruppenbilds, die niemand besser beherrscht als Robert Altman, um ein Metier, das er seit vierzig Jahren im Kino perfektioniert. Der Chef des Joffrey Balletts heißt Alberto Antonelli, und so, wie Malcolm McDowell ihn spielt, mit Schal und Charme und gezielt eingesetzten cäsarischen Anwandlungen, ist er auch ein Porträt des Regisseurs, eine Hymne auf Altmans Talent, dem Unübersichtlichen eine Form, dem Geformten eine Richtung zu geben.
Aber dieses Prototypische ist zugleich die große Schwäche des Films. Neve Campbell, die in „The Company“ die Tänzerin Ry spielt, hat auch das Drehbuch geschrieben, und eigentlich sollte der Film vor allem Rys Geschichte erzählen, aber dann hat Altman beim Drehen offenbar die Lust an seinem Plot verloren und lieber dem Joffrey-Ensemble beim Tanzen zugeschaut.
Mittwoch, 6. September
HR, Kriegsdrama, 22.15 Uhr: The Big Red One - The Reconstruction
„The Big Red One“, das erste Infanterieregiment, zieht von Nordafrika nach Sizilien, landet am D-Day in der Normandie, kommt nach Deutschland und in die Tschechoslowakei, wo die Soldaten ein Todeslager befreien. Ein lakonischer Off-Kommentar begleitet den Sergeanten (Lee Marvin) und seine vier Männer, die man „die vier Reiter der Apokalypse“ nennt, weil sie wie durch ein Wunder überleben. Es ist ein langer Film über das Sterben, der in dem Satz kulminiert, der einzige Ruhm, den man im Krieg gewinnen könne, sei das Überleben. Wie eine Klammer fassen den Film zwei Szenen ein. Anfangs ersticht der Sergeant im Ersten Weltkrieg vier Stunden nach Kriegsende noch einen Deutschen, weil er nicht weiß, daß alles vorbei ist; die Szene wiederholt sich 1945, doch dieses Mal ist der Deutsche nicht tot, und der Sergeant sagt: „Du bleibst am Leben, und wenn ich dich dafür erschießen muß.“
Donnerstag, 7. September
BR, Porträt, 23.00 Uhr: Millionenauto & Weltflüchtling
Patrick Süskind lebt zurückgezogen. Als sein Roman „Das Parfüm“ erschien, versprach er, in zwanzig Jahren ein Interview zu geben - bis dahin hätte die Welt ihn ohnehin vergessen. Das war 1985. Heute ist „das Parfüm“ ein Weltbestseller und mehr im Gespräch denn je, da demnächst die Verfilmung von Tom Tykwer in die Kinos kommt. Und Patrick Süskind lebt weiterhin zurückgezogen und gibt auch keine Interviews. Julia Benkert versuchte sich mit „Millionenauto & Weltflüchtling“ an einem filmischen Phantombild. Gerade bei Freunden des Schriftstellers stieß sie auf heftigen Widerstand, da sie die Anonymität Süskinds wahren wollten. Dennoch gelingt ihr eine Annährung an das Leben des Autors.
Freitag, 8. September
WDR, Drama, 23.05 Uhr: Delphinsommer
Es geht um die Geschichte der jungen Nathalie Wagner (Anna Maria Mühe), die einer seltsamen Sekte angehört, die sich „Kirche des Herrn“ nennt. Sie legt die Botschaft Christi in einer ebenso starren wie verqueren Interpretation aus, die vor allem darauf angelegt ist, den Mitgliedern ihren eigenen Willen ab- und die bedingungslose Unterordnung unter die Chefs der Gemeinde anzugewöhnen. Zu diesen Chefs gehört Nathalies „Vater“ Gregor Wagner (Samuel Finzi), der die Gemeinschaft als Anwalt juristisch vertritt, dabei vor allem gegen äußere Einflüsse abschottet.
Diese drängen auf die zunächst bieder-brave Nathalie an ihrer neuen Schule in Berlin ein. Ihre türkische Mitschülerin Yildiz (Claire Oelkers) und Gabriel (Tino Mewes) kümmern sich geradezu rührend um sie und ziehen sie nach und nach aus jenem Kokon ihrer Sekte, der nur scheinbar aus liebevoller Zuwendung und Fürsorge gewoben ist. In Wahrheit regieren in der „Kirche des Herrn“ subtiler Terror und nackte Gewalt, ausgeübt durch die eigene Familie und die übrigen Mitglieder der Gemeinde. Erst als ihre aufrührerisch-selbstbewußte Freundin Sibille (Sophie Rogall) keinen anderen Ausweg als den Selbstmord sieht, um der Tyrannei zu entfliehen, findet Nathalie die Kraft zur Auflehnung. Auch sie wird nun Opfer der Gewalt und fände kein Entrinnen, wenn nicht ihre Mutter (Birge Schade) im entscheidenden Moment endlich den Mut fände, dem unheimlichen Schrecken, den ihr Mann so kühl und leise in scheinbar seelsorgerischer Absicht ausübt, Einhalt zu gebieten.