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Fernsehvorschau Sein neuer Freund Frost

15.12.2006 ·  Kann man eine Zeitungskolumne verfilmen? Die ARD hat es versucht: Sie hat aus Axel Hackes Kolumnen „Das Beste aus meinem Leben“ eine Vorabendserie gemacht. Doch der Witz der Vorlage geht verloren.

Von Jörg Thomann
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Journalisten neigen dazu, sich sehr wichtig zu nehmen, noch wichtiger aber nimmt sie das Fernsehen. Nach Ärzten und Polizisten sind sie dessen liebste Helden, müssen dort aber nie Agenturmeldungen umschreiben oder Aktenberge aus dem Archiv abarbeiten. Selbst der Lokaljournalist langweilt sich im Fernsehen nie in der Stadtratssitzung, sondern schafft es mit seinen Artikeln mindestens, den korrupten Bürgermeister zu stürzen.

Als Journalist hat Axel Hacke alle Preise erhalten, die es zu gewinnen gibt. Dem Klischee nach müßte er eine schillernde Figur sein und ein aufregendes Dasein führen. Daß dem nicht so ist, wissen wir durch ihn selbst. „Das Beste aus meinem Leben“ nennt sich die Kolumne, die er für das „SZ-Magazin“ schreibt, und vielleicht nicht das Beste daran, aber doch sehr schön ist, daß dieses „Beste“ so unspektakulär ist. Bei Hacke ist der Alltag, ob im Job oder in der Familie, alltäglich, und das schließt Episoden ein, die - was Hacke nicht verschweigt - frei erfunden sind.

Technik-Idiot und Ordnungsfanatiker

In Hackes Texten erkennen sich viele Leser wieder, sie veredeln ein ganz gewöhnliches Leben mit ungewöhnlich viel Witz und Sprachgefühl. Hacke schreibt über seine Frau, die er Paola nennt, über einen Sohn namens Luis und über die „kleine Sophie“ - in der Familienhierarchie alle über ihm angesiedelt. Er bekennt sich als Technik-Idiot und Ordnungsfanatiker, der absatzlang referiert, wieso eine Zahnpastatube zugeschraubt hingestellt werden muß statt wie von Paola unverschlossen hingelegt. Daß man so etwas gerne liest, liegt an Sätzen wie: „Ich habe bereits über getrennte Tuben nachgedacht.“

Bei der ARD haben sie nun aus der Kolumne eine Serie gemacht. Wie das gehen soll? Hacke selbst wußte es nicht und hat sich nach anfänglicher Mitarbeit aus dem Projekt zurückgezogen. Die Serie „Das Beste aus meinem Leben“, heißt es jetzt, „basiere“ auf der Kolumne, deren Autor sich freundlich von der Serie distanziert: Mit seinen Texten könne man sie „nicht unbedingt vergleichen“. Drei Drehbuchautoren haben für die Kolumnenfamilie Geschichten geschrieben, aus denen sich der eine oder andere O-Ton Hacke heraushören läßt. Der Text des von „Belle, Book & Candle“ eingespielten Titelsongs („Mein Herz kennt deine Seele, ganz egal wo du auch bist“) ist gewiß keiner.

Bosch heißt jetzt Frost

Oliver Mommsen spielt den Journalisten, der nicht Hacke, sondern Max Miller heißt, und auch Hackes „alter Freund Bosch“, sein Kühlschrank und Gesprächspartner, hat eine neue Identität: In letzter Sekunde hat die schleichwerbegeschädigte ARD ihn in „Frost“ umgetauft. In Millers Redaktion herrscht ein schnöseliger Chef mit Halstuch im Hemdkragen, dem junge, schwarzgekleidete Assistenten Begleitschutz geben, und es gibt des Deutschen nicht mächtige, doch blendend aussehende Praktikantinnen aus Skandinavien. Von der Subversivität, die sich hinter Hackes leisem Humor verbirgt, läßt die Serie wenig spüren; der Alltag wird hier, was er in der Kolumne kaum je ist: harmlos. Der Tanzmuffel Miller will seine Frau überraschen, belegt heimlich einen Cha-Cha-Cha-Kurs, trifft dort auf eine Sekretärin und muß dieser fortan Kaffee servieren: Eine extreme Fallhöhe ist dies nicht. Die Figuren sind zwar sympathisch, die Pointen aber zünden selten.

Ob sich andere Kolumnen besser verfilmen ließen? Der alte Fernsehhase Harry Rowohlt könnte in „Pooh's Corner“ selbst auftreten. Der Aufstieg des Zwiebelfischers Bastian Sick von den Katakomben des Archivs auf die Showbühne wirkt wie klassischer Telenovela-Stoff, während Billers „Moralische Geschichten“ aufgrund deftiger Erotik und regelmäßiger Hitler-Auftritte nur was fürs Spätprogramm wären. Und „Post von Wagner“? Da Kinski sich die Rolle entgehen ließ, müßte auch hier der Autor selbst ran. Ein Briefe rezitierender Wagner in der Paris-Bar wäre eine echte Konkurrenz zu „Dittsches“ Imbiß-Litaneien.

Freitags um 18.50 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z., 15.12.2006, Nr. 292 / Seite 46
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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