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Im Fernsehen: „House of Cards“ : Der Starke ist am mächtigsten zu zweit

Der Kongressabgeordnete (Kevin Spacey) und seine Frau (Robin Wright) sind ein eingespieltes Team: Sie wollen ganz nach oben, koste es, was es wolle Bild: AP Photo/Netflix, Melinda Sue Gordon

„House of Cards“ war eine britische Kultserie, jetzt läuft das ambitionierte amerikanische Pendant. Kevin Spacey gibt einen Politiker, dessen Machtspiele den Staat aus den Angeln heben.

          Ein mit Ketchup beschmierter Zeigefinger fährt über die Zeitung und zieht eine Spur durch das Bild des strahlenden Präsidenten, das am Tag nach dessen Amtseinführung die Titelseite ziert. Die Hand, die diesen Finger lenkt, gehört einem amerikanischen Kongressabgeordneten aus den Südstaaten, der zu allem fähig ist. Die rote Linie deutet es symbolisch an: Er schreckt vor nichts zurück. Das ahnt der Zuschauer längst, denn mit diesem Bild beginnt die zweite Folge der Serie „House of Cards“ über die machiavellistischen Umtriebe des von Oscar-Preisträger Kevin Spacey dargestellten Machtpolitikers Francis Underwood, der sich wie Shakespeares Jago wegen seiner Nichtbeförderung am Präsidenten rächt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Szene aus dem hochkarätig besetzten Remake der gleichnamigen BBC-Serie, in der Ian Richardson als fintenreicher britischer Abgeordneter vor zwanzig Jahren die Zuschauer in seinen dämonischen Bann zog, wie es jetzt Kevin Spacey in der Rolle seines amerikanischen Gegenparts gelingt, schließt nahtlos an die erste Folge an. Diese klingt mit den Reaktionen der bislang wichtigsten Protagonisten auf eine von Underwood mit toxischer Hinterlist lancierte Exklusivgeschichte aus.

          Ein Serienstart ohne Pilotfolge

          Man darf keine Folge verpassen, will man die große Geschichte im Blick behalten. In Deutschland wird die erste Staffel von „House of Cards“ seit Montag, 4. Februar, in den nächsten dreizehn Wochen beim Abosender Sky Atlantic ausgestrahlt. Die 33 Millionen Kunden des amerikanischen Video-on-Demand-Anbieters Netflix in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Irland, Skandinavien und Lateinamerika können die dreizehn Folgen wie einen extrem langen Spielfilm an einem Stück abrufen.

          „House of Cards“ markiert nach Ansicht des Netflix-Geschäftsführers Reed Hastings einen Wendepunkt in der Entwicklung des Internet-Fernsehens. In der Branche ist von einem entscheidenden Manöver im „Krieg um die Wohnzimmer“ die Rede. Und in dem hat Netflix den Einsatz im Wettbewerb mit den traditionellen Sendern erhöht. Das börsennotierte Unternehmen gibt zwar keine Zahlen preis, doch soll es mindestens hundert Millionen Dollar für die ersten beiden der auf sechsundzwanzig Folgen angelegten Staffeln von „House of Cards“ bezahlt haben. Im Gegensatz zu anderen Gesellschaften hat Netflix, das künftig mehr auf Eigenproduktionen dieser Art setzten will, auf eine Pilotfolge verzichtet und sich sofort zu zwei Staffeln verpflichtet. Die weltweiten Fernseh-Vertriebsrechte hat Sony TV erworben.

          Hundertsechzig Drehtage am Stück

          Für David Fincher, den Mitproduzenten der Serie, der in den ersten zwei Folgen auch Regie führt, war es eine Herausforderung, zwei unterschiedliche Zuschauertypen abzuholen - den ungeduldigen Vielseher, der alles nacheinander anschaut, und den, der eine Woche auf die nächste Episode warten muss -, ohne dass der eine sagt, „genug, ich hab’s begriffen“, oder der andere den Faden verliert. Eine derart lang konstruierte Handlung zu entwickeln sei eine neue Erfahrung gewesen, erzählt der Hollywood-Regisseur, der Filme wie „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“ und „Verblendung“ gedreht hat. Im Kino gelte es, die Erzählung in zwei Stunden von A nach B zu führen.

          Bei „House of Cards“ hingegen sei es möglich gewesen, einen komplizierten Stoff in vielen Schleifen anzulegen, was eine tiefgründige und facettenreiche Entwicklung der Charaktere erlaube. Auch Kevin Spacey hat diese Opulenz beflügelt. Noch nie habe er hundertsechzig Tage lang am Stück gedreht, sagt er im Gespräch. Doch habe er sich keine Sekunde gelangweilt. Wie beim besten Theater sei ein Ensemble zusammengewachsen. Für Spacey gleicht die Serie einer „Schachmeisterschaft“. Denn es gehe um Züge, deren Folgen sich erst neun oder zehn Folgen später entfalten. Im Gegensatz zu anderen Seriendarstellern, die in der dritten Staffel plötzlich erfahren, dass ihre Figur Alkoholiker sei, habe er den Vorteil zu wissen, was in den Episoden geschehe, die erst im nächsten Frühjahr gefilmt würden.

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