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Fernsehserie „Girls“ : Was Sie noch nie über Sex wissen wollten

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Selbst ist die Frau: Lena Dunham (Zweite von links) schreibt, produziert und spielt in „Girls“ - neben Allison Williams, Jemima Kirke und Sosia Mamet (v. l.) Bild: HBO

Lena Dunham ist sechsundzwanzig. Sie bringt das Lebensgefühl ihrer Generation auf den Punkt. Ein Buch? Nein. Eine Fernsehserie: „Girls“, das Gegenstück zu „Sex and the City“.

          Ich will euch nicht erschrecken, aber ich glaube, ich könnte die Stimme meiner Generation sein“, sagt Hannah Horvath (Lena Dunham) zu ihren Eltern, die sie nach deren Eröffnung, ihrer Tochter zwei Jahre nach dem College keinen Unterhalt mehr zu zahlen, mitten in der Nacht mit einem dürren Buchmanuskript überfällt. Mutter und Vater schauen entgeistert, und Hannahs Auftritt fällt in sich zusammen. „Oder zumindest eine Stimme. Von einer Generation.“

          Wer bin ich? Das ist die bestimmende Frage von „Girls“, der Generationenkomödie von Lena Dunham, die von vier jungen Frauen in New York handelt. Hannah möchte Schriftstellerin werden und weiß nicht, wie. Ihre beste Freundin Marnie (Allison Williams) hat einen schicken Job in einer Galerie und einen festen Freund und ist auch sonst gut aufgehoben - aber total unzufrieden. Shoshanna (Zosia Mamet) dagegen hadert damit, dass sie immer noch Jungfrau ist, und himmelt ihre britische Cousine Jessa (Jemima Kirke) an, eine abgeklärte Weltenbummlerin, die die Dinge aber nur vermeintlich im Griff hat.

          „Du bist auf jeden Fall eine Carrie“

          “Es geht um diese komplizierte Zeit im Leben, in der man nicht mehr Mädchen und noch nicht Frau ist“, sagt Lena Dunham im Gespräch mit dieser Zeitung, „und natürlich steckt im Titel auch ein bisschen Ironie.“ Denn als „Girls“ werden Frauen in den Vereinigten Staaten gern noch bis weit in ihre Dreißiger bezeichnet, ein nicht eben unschuldiges Statement über schon wieder verblasste (oder vielleicht nur vermeintliche) Errungenschaften des amerikanischen Feminismus, den „Girls“ nuanciert aufs Korn nimmt. Als bei Hannah Humane Papillomviren festgestellt werden, die Genitalwarzen verursachen, sagt Jessa: „Alle abenteuerlustigen Frauen haben das.“

          Das letzte Mal, als vier Frauen von ihren Abenteuern in New York berichteten, sahen die Dinge noch anders aus: Da nahmen sich die Damen, was sie wollten, und der Bildschirm funkelte nur so von selbstbestimmtem Glamour. „Sex and the City“ prägte von 1998 bis 2004 die Mode, ein weibliches Lebensgefühl und eine ganze Generation junger Frauen - so auch die Figuren von Lena Dunham. „Du bist auf jeden Fall eine Carrie, mit ein paar Samantha-Aspekten und Charlotte-Haar“, sagt Shoshanna zu Jessa. „Ich bin im Herzen eine Carrie, aber manchmal kommt Samantha zum Vorschein!“

          Die eigenen Bedürfnisse spielen keine Rolle

          Aber dieses Lebensgefühl hat sich drastisch gewandelt. Die Heldinnen von „Girls“ sind nicht unabhängige Frauen in ihren Dreißigern mit faszinierenden Jobs und aufregendem Sexleben, sondern eher unbeholfen, versuchen, cool zu wirken, während sie mit existentiellen Fragen ringen. Sie leben in Brooklyn, nicht in Manhattan, und Hannah gibt auch nicht als Lifestyle-Kolumnistin den Ton an, sondern lässt sich als unbezahlte Praktikantin in einem Verlag ausbeuten. Als sie ihrem Chef klagt, dass sie nicht weiter für lau arbeiten kann, sagt der bloß: „Es tut mir wirklich leid, dich gehen zu sehen, wir haben große Stücke auf dich gehalten.“ Die Generation Praktikum kennt keinen Glamour. „Girls“ sei „Sex and the City“ im grauen Mantel der Heilsarmee, befand der Kritiker der „New York Times“.

          “,Sex and The City’ war ein New York vor der Rezession, damals erschienen die Möglichkeiten grenzenlos“, sagt Lena Dunham. „Wenn man heute als junge Frau in dieser Stadt lebt, hat man dieses Gefühl nicht mehr.“ Angesichts der fälligen Miete ist es für Hannah ein zweischneidiger Trost, von der Weltenbummlerin Jessa zu hören: „Du bist eine Künstlerin, und deine Stimme verdient gehört zu werden!“ Und den in der Serie dargestellten Sex als reizarm zu bezeichnen wäre geschönt. Stirnrunzelnd unterwirft sich Hannah den Phantasien ihres Liebhabers (“du bist eine elfjährige Crack-Hure“), ihre eigenen Bedürfnisse spielen dabei keine Rolle. Jessas schnelllebige Abenteuer sind Notnummern, und Marnie ist von der angestrengten Einfühlsamkeit ihres Freundes Charlie (Chirstopher Abbott) nur genervt.

          Emanzipation von Modezeitschrift und Internet

          Sex, findet Lena Dunham, werde im Fernsehen gern oberflächlich glorifiziert. „Dabei ist es in Wirklichkeit eine emotionale Herausforderung. Wenn man jung ist und versucht, ein Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln und dazu, anderen zu gefallen, ist es ein Schlachtfeld, auf dem viele dieser Probleme ausgetragen werden. Ich möchte zeigen, dass Sex auch ein Werkzeug beim Versuch ist, sich selbst zu finden, und es wird nicht immer richtig benutzt.“

          Die Paare in „Girls“ finden weder zu echter Intimität noch gesunder Distanz. Man tut, was cool und verwegen und angesagt scheint, auch wenn man sich dabei nicht besonders wohl fühlt. „Girls“ handelt nicht zuletzt von dem Versuch vier junger Frauen, sich in einer von Lebensentwürfen aus Modezeitschriften und dem Internet dominierten Welt zu emanzipieren und ihre eigene Identität zu finden. Lena Dunham schreibt die Serie nicht nur und spielt die Hauptrolle, sie führt auch Regie und produziert „Girls“ gemeinsam mit Judd Apatow, der mit Kinokomödien wie „Jungfrau (40), männlich, sucht . ..“, „Superbad“ und „Bridesmaids“ bekannt geworden ist.

          Authentisch, klug und komisch

          Die Schauspielerinnen von „Girls“ haben allesamt einen familiären Hintergrund aus der Popkultur: Zosia Mamet ist die Tochter des Schriftstellers und Theaterautors David Mamet, Allison Williams Vater ist der Nachrichtensprecher Brian Williams, und Jemima Kirke ist die Tochter des Schlagzeugers der Rockbands Bad Company und Free, Simon Kirke. Lena Dunham, die „Girls“ mit erst vierundzwanzig Jahren schrieb, ist selbst die Tochter eines Künstlers und einer Designerin. Gemeinsam zeichnen sie ein erfrischend offenes Porträt junger Großstadtamerikanerinnen, das natürlich nicht das Bild einer ganzen Generation ist (einige Kritiker warfen Lena Dunham ernsthaft vor, in ihren Figuren die ethnische Vielfalt New Yorks nicht abzubilden). Aber „Girls“ wirkt authentisch, es ist klug und komisch zugleich und nicht nur als Kontrapunkt zu „Sex and the City“ sehenswert.

          Girls läuft von Mittwoch, dem 16. Oktober, um 21.10 Uhr an bei dem zu Turner gehörenden Abosender „Glitz“. Dieser wird bei Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW, Deutsche Telekom und in der Schweiz bei upc cablecom und Teleclub verbreitet.

          Quelle: F.A.Z.

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