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Fernsehserie „Game of Thrones“ : Der König bestimmt, was die Wahrheit ist

  • -Aktualisiert am

Ned Stark (Sean Bean), Lord von Winterfell, hat es im Intrigengeflecht am Hof nicht leicht Bild: dapd

Der amerikanische Sender HBO hat ein Epos produziert, das in phantastische Welten führt, aber realistisch erscheint: „Game of Thrones“ ist ein „Herr der Ringe“ für Fortgeschrittene.

          Die Bilder berauschen: träges Schneetreiben in einem blaustichigen Wald, ein majestätisches Gebirge bei Nacht, Bambuswälder, weitläufige Almen. Doch beinahe jedes dieser hinreißenden Naturbilder ist einem albtraumhaften Eindruck von Brutalität und Zerstörung gegenübergestellt - Spuren grausamer Massaker, Hinrichtungen, Mordanschläge. Die Dinge sind im Umbruch in den sieben Königreichen von Westeros, und niemand kann sich in „Game of Thrones“ in Sicherheit wiegen.

          Billig ist das Ganze nicht gewesen

          Nicht König Robert Baratheon (Mark Addy), der vom gefeierten Rebellionskämpfer zum feisten Bankettlöwen geworden ist; nicht Ned Stark (Sean Bean), Lord von Winterfell, gerade zur „Hand des Königs“ ernannt, der mit Anstand und Integrität im intrigenverseuchten Hof anlangt; nicht Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau), der einst den wahnsinnigen König Aerys tötete und mit seiner Zwillingsschwester Cersei, der Frau Baratheons, eine Inzestbeziehung führt; nicht Königin Cersei (Lena Heady), die keine Intrige scheut, um ihren kindisch-arroganten Sohn Joffrey (Jack Gleeson) auf den Thron zu bugsieren; und nicht Viserys Targaryen (Harry Lloyd), der als ältester Sohn von Aerys ebenfalls den Thron beansprucht und im Exil seine Schwester Daenerys (Emilia Clarke) dem „Barbaren“ Khal Drogo (Jason Momoa) in einer Zweckheirat an die Seite gibt.

          Freilich ist dies bloß eine Handvoll von knapp zwei Dutzend Hauptfiguren, welche die vom amerikanischen Abosender aufwendigst ausgestatteten Adaption von George R.R. Martins vielschichtiger Fantasy-Romanserie „Das Lied von Feuer und Eis“ bevölkern. Fünf Teile der Saga liegen inzwischen vor, zwei weitere sind in Planung, von der Fernsehserie wird schon die zweite Staffel gedreht. Die erste Staffel, so wird in der Branche geschätzt, habe sich HBO fünfzig bis sechzig Millionen Dollar kosten lassen.

          Gelähmt, aber mit übersinnlichen Fähigkeiten

          Der Personalbestand von „Game Of Thrones“ ist von verwirrendem Umfang, aber es lohnt, sich auf dieses verschlungene Epos und die zahlreichen schillernden Charaktere einzulassen. Die Saga der sieben Königreiche und des Kampfes um den Eisernen Thron ist eine dunkle, reife Version von Tolkiens „Herr der Ringe“, in der Menschen und nicht Phantasie-Wesen mit den Versuchungen von Macht und Einfluss ringen.

          Helden sucht man hier vergebens, auch die Integren fallen, und anstatt zu protzen, erinnern sich große Kämpfer schaudernd an ihre ersten Schlachten. „Dass sie sich alle einscheißen, davon singt man nicht!“, klagt Robert Baratheon. Hier werden schon Kinder Opfer der Machtintrigen zwischen Königreichen und Familien, und die Ansprüche halbstarker Jugendlicher sind ernstzunehmende Faktoren beim Geschacher um den Thron. So wird Ned Starks Sohn Bran (Isaac Hempstead-Wright) von Jaime aus dem Fenster gestoßen, weil er in ein Schäferstündchen von Jaime und Cersei platzt. Bran überlebt, ist aber fortan gelähmt und entwickelt in Abwesenheit seiner physischen Kräfte übersinnliche Fähigkeiten.

          Emilia Clarke spielt die zwangsverheiratete Daenerys Targaryen
          Emilia Clarke spielt die zwangsverheiratete Daenerys Targaryen : Bild: fotex

          Und Sansa Starks (Sophie Turner) pubertäre Träumereien von einem Leben als Märchenprinzessin kosten den Sohn des Metzgers das Leben. „Krieg ist leichter als Töchter“, stöhnt Ned Stark, als ein Kinderstreit sich zur Machtprobe zwischen Ned und Cersei ausweitet. Cersei schärft unterdessen ihrem Sohn die Feinheiten des Herrschens ein: „Eines Tages sitzt du auf dem Thron, und dann bestimmst du, was die Wahrheit ist.“

          Auch die, denen es an Status oder Physis mangelt, spielen hier zentrale Rollen. „Wenn du schon ein Krüppel sein musst, dann am besten ein reicher Krüppel“, sagt sich der zwergenwüchsige Tyrion Lannister (Peter Dinklage, für seine Darstellung mit einem Emmy ausgezeichnet), Bruder des inzestuös verbundenen Zwillingspaars. Tyrion zeigt mit scharfem Verstand und kompromisslosem Charakter mehr Größe als die meisten Herrscher, aber auch er ist vor den Konsequenzen des Machtgeschachers nicht gefeit.

          Die Sopranos in Mittelerde

          Über allem menschlichem Zwist erhebt sich die Macht der Natur: „Der Winter naht“, raunt Ned ein ums andere Mal unheilschwanger in eine Welt, in der das Gebot der Ehre und der Loyalität nurmehr Fassade ist. Das ist tatsächlich keine gute Nachricht. Denn die Sommer in den sieben Königreichen können Jahre währen, die Winter Jahrzehnte. „Einst“, erzählt die Amme dem verletzten Bran, der zu Beginn eines neunjährigen Sommers geboren wurde, „kam eine Nacht, die dauerte eine Generation an.“

          Der Drehbuchautor David Benioff fasste das Wesen der Serie im Gespräch mit dem „New York Magazine“ mit einem griffigen Vergleich: „Die ,Sopranos‘ in Mittelerde“. Und in der Tat überzeugt „Game of Thrones“ in seinem mittelalterlichen Gepräge wie einst die zumindest in Amerika erfolgreiche Mafia-Serie. Die dichte Verflechtung ganz jetztzeitigen, generationenübergreifenden politischen Machtgerangels, mittelalterlicher Schwere und einer weiträumigen, magischen und unerbittlichen Natur aus Martins Romanen ins Fernsehen zu übersetzen ist den Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss so gut gelungen, dass eine Handvoll niedlicher Wolfswelpen die weitaus uninteressantesten Geschöpfe dieses Universums sind.

          Deshalb sei der Hinweis erlaubt, dass sie später noch wichtige Rollen spielen werden - denn im Hintergrund der Geschichte geistert die bange Frage, ob die gefürchteten mythischen Wildlinge jenseits der gigantischen Mauer im Norden tatsächlich ausgerottet sind. Und der Winter naht.

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