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Fernsehserie „CSI Vegas“ Menschen zählen plötzlich etwas

 ·  Seit dreizehn Jahren wird in Las Vegas vor Publikum gestorben. Das ermüdet eigentlich. Doch den Fernsehmachern ist das gelungen, womit sie schon damals überzeugt haben: eine Überraschung.

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Man könnte sagen, mit „CSI“ hatte es alles begonnen. Kurz vor der Jahrtausendwende hatte Jerry Bruckheimer die Idee, Kino im Fernsehen zu machen, jede Woche neu. Im Sommer 2000 setzte er sie um. Es wurde nicht mehr in Husch-Husch-Manier produziert, sondern man machte sich Gedanken über Szenen und Bilder, welche Kameras man für sie bräuchte, über die Stimmungen und welche Musiker sie erzeugen könnten. Autoren wurden plötzlich die Stars und Regisseure der Reihe nach ausgetauscht. Alles war neu, für alle.

Dreizehn Jahre später ist die Fernsehlandschaft umgekrempelt. CSI ist noch dabei und egal, wann es passierte, dass man das Interesse an der Serie eigentlich verlor, sie war plötzlich überall. In Amerika gibt es seit langem keine Stunde mehr am Tag, in der nicht auf einem der unzähligen Sender eine der inzwischen 700 Episoden läuft. Erkannt hat man sie immer sofort. Das Tatort-Labor-Setting ist bis heute etwas Besonderes. Einer der Protagonisten war immer gerade im Bild. Und selbst leicht abgelenkt konnte man CSI immer schon am Sound erkennen, nie zu hektisch, aber auch nie still, immer passend zum Licht. „CSI New York“ schimmert überwiegend metropolenblau. „CSI Miami“ glänzt wie ein beginnender Sonnenuntergang. Und „CSI Las Vegas“ ist seit Beginn spektakelbund, aber nie hell.

Ein neuer Superermittler in Las Vegas

Wer an diesem Dienstag Abend RTL sah, entweder zufällig oder aufgrund der Werbung, mit der RTL neue „CSI“-Folgen ankündigte, dem konnte heimelig werden. Überraschungen gab es trotzdem. Die Serie heißt nun nur noch „CSI Vegas“ und hat einen neuen Superermittler. Der hieß schon länger nicht mehr Gil Grissom (William Petersen) und zum Glück nicht mehr Raymond Langston (Laurence Fishburne). Der neue ist eigentlich gar kein Superermittler. Die Rolle eines einschüchternd Professionellen würde Ted Danson, der D.B. Russell spielt, gar nicht stehen.

Bekannt ist er, obwohl es schon lange her ist, noch immer am ehesten für seine Rolle des Dr. John Becker, aus einer Comedysendung, die von dem Geheimnis umhüllt ist, dass sie ständig nur im Nachtprogramm zu sehen war. Wer „Becker“ trotzdem kennt, ist vorbelastet, was aber gut passt, weil Ted Danson schon damals jemanden spielte, der die einfachen Spielregeln des Sozialen sofort durchschaute und allen Anwesenden flapsig offenbarte, um sich dann zu wundern, warum er im Umgang mit anderen als unerträglich gilt.

Keinem im Team gelang die Karriere

Ein bisschen dieses John Beckers steckt auch in D.B. Russell. Es wirkt so, als würde er sich zusammenreißen, um nur hin und wieder darauf aufmerksam zu machen, dass man ihm mit Floskeln, kleinen Notlügen und sonstigen Schummeleien nicht kommen darf. Für „CSI“ bedeutet dass erfrischend neues Potential. Denn Menschen zählen plötzlich etwas. Russell unterhält sich mit mutmaßlichen Tätern, um etwas zu erfahren, und nicht, weil ihm daran gelegen ist, Erkenntnisse von Mikroskopien und Handbücherlektüren zu verifizieren.

Man könnte auch sagen, endlich kommt etwas Bewegung in das soziale Gefüge der Ermittlertruppe. Die Charaktere waren von Anfang an so in ihren Rollen festgezurrt, dass es nicht verwundert, dass keiner von ihnen erfolgreich den Karriereschritt schaffte, selbst der nächste Teamführer zu werden. Also kommt einer von außen, mit dem sie und die Zuschauer nun zurechtkommen müssen, das weckt mehr Vorfreude als Befürchtungen.

Umso witziger, dass Russell ständig dabei ist, mit seiner Frau zu telefonieren. Kurze Versammlungen des Teams am Tatort, die er zwecks Austauschs einberuft, seine Mannschaft aber ziemlich nerven, nennt er „Familienrat“. Er ist, lässt sich vorläufig, aber in gewisser Hinsicht schon abschließend sagen, ein Anti-Grissom, von dem wir schon bei seinem ersten Auftritt erfahren, dass er einen Sohn hat, mit dem er zum Basketball geht. Dass ein Oktopus (mögliche Tatwaffe in der ersten Folge) drei Herzen habe, ist ihm dagegen herzlich egal.

RTL hängt eineinhalb Jahre hinterher

Im Fernsehen kommen also neue „CSI“-Folgen, die niemanden erschrecken, aber doch ein bisschen überraschen. Nur sollte man nicht fragen, warum RTL jetzt „neue Folgen“ bewirbt, die tatsächlich schon vor eineinhalb Jahren in Amerika liefen. In Deutschland zeigte RTL die Geschichten des Las-Vegas-Teams von Anfang an mit großem Zeitversatz, sagt Claus Richter von RTL. Man habe den Verzug nie aufgeholt und auch wenig Interesse daran gehabt, da „CSI“ eine Serie sei, die im Fernsehen einfach gut funktioniere.

Damit, dass „CSI“ nicht zu den Serien gehört, die man sofort nach ihrer Ausstrahlung in Amerika auch hierzulande sehen möchte, hat Richter in der Tat recht. „CSI“ gehört heute zu den soliden Klassikern, auf deren Legende sich eben noch ein wenig Einfluss nehmen lässt. Im Grunde gilt heute schon, was in zehn Jahren erst recht gilt: Die Folgen plätschern dahin, man kann sich von ihnen gut unterhalten lassen und würde andernfalls kaum etwas verpassen.

CSI Vegas läuft dienstags um 21.10 Uhr bei RTL.

Quelle: F.A.Z.
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