29.02.2008 · Bei Pro Sieben ist wieder die Bikini-Saison eröffnet: Zum dritten Mal sucht Heidi Klum „Germany's Next Topmodel“, diesmal ohne Bruce Darnell, dessen Fehlen sichtlich auffällt. Die perfekt geschmierte Vermarktungsmaschine ist wohl trotzdem nicht mehr aufzuhalten.
Von Peer Schader„Ich hab' mich, glaub' ich, einfach selbst überschätzt“, weint ein Mädchen, setzt sich die warme Mütze auf, greift den Koffer und flieht. Da kann auch Heidi Klum nichts mehr ausrichten. In „Bademoden“ hätte sie noch mal auf den Laufsteg kommen sollen, aber das war dann zuviel, weil vorher schon alle gesagt haben, wie dünn sie ist und dass das nicht so gut sei. 48 Kilo bei 1,72 Meter - was soll man da sonst auch sagen?
Die anderen Mädchen haben ein bisschen getröstet, aber dann gab es Wichtigeres zu tun. „Dass man sich traut und einfach nach vorne denkt“, hat Klum vorher den Anspruch an ihre Casting-Kandidatinnen formuliert, also haben die sich zusammengerissen und getraut, auch wenn manche vor lauter Nachvornedenken dann ziemlich gestolpert sind.
Am Donnerstag hat Pro Sieben wieder die Bikini-Saison eröffnet. 120 junge Frauen sind nach Köln gefahren, um „Germany's Next Topmodel“ zu werden, und sich vor ihrem Idol, der freundlichen Heidi mit dem lustigen Pony-Haarschnitt, auf dem Laufsteg zu beweisen, mal mit mehr und mal mit weniger Stoff über den Rippen. Weil das jetzt schon im dritten Jahr nacheinander so geht, haben sich alle daran gewöhnt.
Hätte Pro Sieben einfach die Auftaktsendung aus dem vergangenen Jahr wiederholt - es hätte vermutlich niemandem groß gestört. Die Probleme, die Nöte und die Sehnsüchte sind wieder dieselben: Die Aufregung! Die Unsicherheit! Und der große Wunsch, so berühmt zu werden wie die zurecht dekorierten Damen auf Titelseiten und in Katalogen! Dazu kullern in absehbaren Abständen die Tränchen.
Ach, wäre Bruce bloß wieder da
Deutschland Frauenverstehsender Nummer eins weiß, was gut für sein Publikum ist. Die Pro-Sieben-Show lebt von dem Versprechen, eine von den vielen Bewerberinnen ganz groß rauszubringen, und dieses Versprechen hält der Sender ja auch, wenn man bedenkt, wie die beiden bisherigen Siegerinnen Lena Gercke und Barbara Meier von Pro Sieben durch Shows und Veranstaltungen geschleift werden, damit sie ja niemand vergisst. Nur gibt es eben jetzt kaum noch neue Geschichten zu erzählen.
Also fällt vor allem auf, was diesmal fehlt: Bruce Darnell zum Beispiel. Im vergangenen Jahr war der Laufstegtrainer noch für die kuschelig-skurrilen Momente bei „Germany's Next Topmodel“ zuständig: „Ohne Tasche keine Competition“, hat er den Mädchen beigebracht, und: „Die Handetasche muss lebendig sein.“
Durchinszenierte Quotenparade ohne Witz
Jetzt hat er sich von der ARD gefangen nehmen lassen. Das ist für keinen der Beteiligten eine gute Entscheidung gewesen. Im Ersten geht Bruce gerade mit seiner „Styling-Show“ unter und bei Pro Sieben, das beleidigt einen Neuen in die Jury beorderte, macht das Model-Casting ohne den Herzbuben endgültig den Eindruck einer schnöde durchinszenierten Quotenparade, der es an Witz fehlt.
Freilich muss man dem Klum-Clan zugute halten, dass er seine Protagonistinnen nicht so übel auflaufen lässt wie die singende Konkurrenz von RTL - neben harschen Aburteilungen gibt es immer wieder tröstende Worte für die nervösen Mädchen, und wenn die Modelmama sagt „Schönes Gesicht - schade, dass du so doof läufst“, ist das schon das Schlimmste, was sich die Kandidatinnen anhören müssen.
Dementsprechend unspektakulär geriet auch der Start. Mussten die Mädchen im Vorjahr gleich mal im Bikini durch ein vollbesetztes Fußballstadion marschieren, blieb denen, die das erste Casting überstanden, diesmal eine Modenschau in Barcelona, um ihren Mut zu beweisen. Das mag aufregend gewesen sein für alle, die dabei waren - als Zuschauer aber hat man das jetzt schon tausendmal gesehen und mag sich auch nicht mehr so recht über zu große Schuhe, rutschende Kleider oder das immer wieder kehrende Lampenfieber aufregen. Bis es im Pro-Sieben-Girlscamp wieder spannend wird, dürften noch so einige Wochen vergehen.
Selbstverständlich ist darauf geachtet worden, dass auch diesmal wieder Mädchen dabei sind, die sich besonders in den Vordergrund stellen lassen: Gina-Lisa aus Frankfurt zum Beispiel, die mal Miss Frankfurt 2005 war, sonnenbanksüchtig sein muss und so breit hessisch babbelt, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, Mark Medlock hätte seine Schwester zum Casting geschickt. Und die 21-jährige Sarah, die von sich selbst sagt, sie sei als Kind so hässlich gewesen, die aber dann ganz schön abgespeckt hat und es jetzt allen zeigen will.
„Ich hab sie alle durchgecastet“
Dazwischen quietscht Heidi Klum wie auf Autopilot ihr süßliches „Hallooo“. Und auch Bruce-Darnell-Ersatz Rolf Scheider kann nicht mehr viel rausreißen. Der Pariser Casting-Director hat zwar ebenfalls einen lustigen Akzent, er ist fast genauso alt wie sein Vorgänger und scheinbar auch ein ganz, ganz Lieber, der Mut machen kann und über seine bisherige Zusammenarbeit mit den vielen Branchenstars sagt: „Ich glaub, ich hab sie alle durchgecastet.“ Aber vom Hocker reißt einen das nicht.
Und trotzdem: Pro Sieben kann gar nicht anders. Für den Sender ist „Germany's Next Topmodel“ längst das, was „Deutschland sucht den Superstar“ für RTL geworden ist: ein scheinbar beliebig oft wiederholbarer Erfolg, bei dem sich bloß die Gesichter ändern, die in das starre Konzept passen müssen.
Noch dazu ist im dritten Jahr die Vermarktungsmaschine endgültig perfektioniert worden: Präsentiert wird die Show vom Automobilkonzern VW, der sich Klum und deren Gatten Seal praktischerweise als Werbestars geschnappt hat, und zig mal während des Castings eingeblendet wird.
Seal steuert außerdem den Titelsong „Amazing“ zur Staffel bei, vorher wirbt Vorjahressiegerin Barbara Meier in einer „Spot-Premiere“ für C&A, das auch dem nächsten „Topmodel“ eine Kampagne verspricht, und nachher darf Make-Up-Artist Boris Entrup im Auftrag der Kosmetikfirma Maybelline Jade wieder per Dauerwerbesendung Schminktipps geben, die Pro Sieben wie im vergangenen Jahr entgegen allen Vorschriften bloß als „Promotion“ kennzeichnet. Das alles ist nun wirklich kein „Drama, Baby“. Aber vielleicht ist genau das auch das Problem.
Germany´s next Zickenalarm
St. Koch (Pensacola)
- 29.02.2008, 09:12 Uhr
Wieso gibts sowas?
P. Engel (bat2.111)
- 29.02.2008, 09:28 Uhr
Fuß Größe 43 tritt High Heel Gr. 41
A. Malliki (a.malliki)
- 29.02.2008, 09:29 Uhr
Na bitte, geht doch!
Jens Matuschek (miyuki2)
- 29.02.2008, 10:53 Uhr
Das "immer wieder kehrende" Lampenfieber ...
Stephan Theiss (stephantheiss)
- 29.02.2008, 13:47 Uhr