12.01.2008 · Das ging ja schneller als gedacht. Sabine Christiansen ist wieder da, mit einer Vorschau auf 2008, die eigentlich bloß ein Schausitzen mit Prominenten war, bei dem es sich beruhigt wegdösen ließ. Immerhin weiß man jetzt: Das neue Jahr wird dem alten vermutlich ziemlich ähnlich sein.
Von Peer SchaderDie ARD verzichtet traditionell auf einen großen Rückblick zum Jahresende. Kein Pilawa und kein Beckmann stehen im Dezember da und leiern noch einmal herunter, was die Redaktion vorher aus dem Archiv gekramt hat. Das überlässt man schön Kerner und Jauch. Ganz zufrieden mit diesem selbst auferlegten Verzicht war man beim Ersten aber offenbar doch nicht. Also hat die ARD jetzt auch einen Jahresrückblick. Er ist bloß mit ziemlicher Verspätung gelaufen, gut verkleidet gewesen und aus Versehen von Sabine Christiansen moderiert worden.
Ein halbes Jahr nach deren Abschied von der Talkquälerei ist sie also wieder da, die ehemalige Grande Dame des ARD-Sonntagabends. „Mein 2008“ hat sie ihre Sendung getauft, die ein Ausblick auf das werden sollte, was uns dieses Jahr erwartet. Aber mit Verlaub: Dass es 2008 immer noch ums Klima, um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und um Sportereignisse gehen wird, lässt sich nun wirklich nicht als Überraschung feiern.
Da kann man wenig gegen sagen
Ohnehin war das, worüber Christiansen an diesem Abend mit ihren Gästen in ungewohnt luftiger Studiokulisse redete, bloß Nebensache. Eigentlich ging es um ein großes Schausitzen: Soviel Prominenz hatten all die Kollegen, die kürzlich aufs vergangene Jahr zurück schauten, alle zusammen nicht in ihren Shows. Die wirklich Wichtigen haben sich für Christiansen aufgespart: Modeschöpfer Wolfgang Joop erzählte weltexklusiv, dass er sich anstatt mit dem Auto lieber mit dem Fahrrad fortbewege. Daimler-Chef Dieter Zetzsche durfte für das Engagement seines Konzerns werben, CO₂-sparende Autos zu bauen. Und Karlheinz Böhm, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, erzählte ein weiteres Mal über sein Engagement in Äthiopien und sagte: „Ich habe dort das gefunden, was man Heimat nennt.“
Schön. Da kann man wenig gegen sagen. Und Christiansen hat es auch gar nicht erst versucht, sondern sich vornehm zurückgehalten, wie man das von ihr gewohnt ist. Nur, dass es diesmal tatsächlich keine kritischen Fragen zu stellen gab. Es war ja eine große Runde von Freunden, die sie sich ins Erste eingeladen hatte.
Mit einer Vorausschau auf das, was 2008 bringen könnte, hatte „Mein 2008“ allerdings soviel gemein wie die parallel auf RTL gestartete Dschungelshow mit einer Naturdokumentation.
„Es wird Hochzeiten geben!“
Zu Beginn übte sich Wetterexperte Jörg Kachelmann in der Voraussage des Jahreswetters und kam zu dem Schluss, dass es die kältesten zwölf Monate seit dem Jahr 2000 werden würden, obwohl es doch nach einem „übernormal temperierten Frühling“ aussehe. Am Ende bewies „Bunte“-Chefin Patricia Riekel, wie sehr sie sich in der Promiszene auskennt, um zu prognostizieren: „Es wird überraschende Trennungen, Hochzeiten und Babys geben.“ Na sowas.
Womöglich ist es löblich, dass die ARD ehemalige Moderatorinnen nicht einfach so fallen lässt, bloß weil sie sich vom Wochengeschäft verabschiedet haben. Aber ob es wirklich notwendig war, dass gar kein Redakteur mehr drauf geschaut hat als Christiansen mit dem Vorschlag durchrauschte, eine Sendung zu machen, die kein erkennbares Konzept besitzt? Es hätte ihr bei der Aufzeichnung doch wenigstens einer zuwinken können und unbemerkt ins Ohr flüstern: „Frau Christiansen, wir haben nur 90 Minuten Sendezeit - und nicht fünf Stunden.“ Dann hätten die armen Cutter die Show im Schneideraum nachher nicht so fies zusammenschustern müssen. Das ist nämlich wirklich unangenehm aufgefallen.
Furchtbar gestellt, furchtbar peinlich
Ohne richtige Übergänge, ohne Gesprächsverläufe und manchmal auch ohne Sinn sind da Gäste aneinander geklebt worden, manche redeten einfach drauf los, ohne an ihre Vorredner anzuknüpfen, andere brachten gerade mal einen Satz heraus in diesem Flickenteppich aus Kamerabildern. Hauptsache, jeder war mal im Bild.
Ein trauriger Höhepunkt aber war Christiansens „Interview“ mit der Bundeskanzlerin. Angela Merkel erklärte in ihrem Singsang-Neujahrsansprachenton, sie freue sich auf die Europameisterschaft, im neuen Jahr müsse es noch mehr Arbeitsplätze geben und dass man das Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfe in Deutschland. Also wie immer. Alles sah so furchtbar gestellt und aneinander geschnipselt aus, dass es richtig peinlich war.
Damit niemand behaupten kann, an dieser Stelle wären wichtige Prominente mit ihren Wortbeiträgen unterschlagen worden, sei erwähnt, dass außerdem Barbara Becker, Nina Hoss, Michael Bully Herbig, Waldemar Hartmann, Moritz Bleibtreu, Helmut Markwort, Franziska van Almsick, Oliver Bierhoff, Geraldine Chaplin, Matthias Schweighöfer - hallo, lesen Sie noch mit? -, Marcell Jansen, Mika Häkkinen, der chinesische Staatszirkus und der luxemburgische Premier Jean Claude Juncker zu Gast waren. Letzterer antwortete auf die Frage Christiansens, was er sich im neuen Jahr wünsche: „weniger lange Sitzungen, mehr Ergebnisse“. Ganz ehrlich: von der ARD wünschen wir uns das auch. Sehnlichst.