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Montag, 13. Februar 2012
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Fernsehkritik Keine „Gebärmaschinen“ bei „Christiansen“

26.02.2007 ·  „Wer rettet die Familie?“ wollte Sabine Christiansen wissen, doch Bischof Mixa nahm der Debatte früh die Brisanz. Seine Kritik an der Familienpolitik von der Leyens sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, insbesondere sein Wort von den Müttern als „Gebärmaschinen“. Von Tilmann Lahme.

Von Tilmann Lahme
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Nach drei Minuten war alles vorbei. Eigentlich. Schon in seinen Eingangssätzen in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ („Wer rettet die Familie?“) gestern Abend sagte Bischof Walter Mixa, er fühle sich falsch verstanden.

Seine Kritik an der Familienpolitik der Ministerin Ursula von der Leyen („schädlich für Kinder und Familien“) sei aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden, insbesondere sein Wort von den Müttern als „Gebärmaschinen“, das in den vergangenen Tagen für scharfe Kritik gesorgt hatte.

Mixas Missverständnis

„Ich wollte damit ganz eindeutig eintreten für die Frau“, erklärte der Bischof nun im Ersten. Es gehe ihm vor allem darum, Respekt und Anerkennung gegenüber jenen Frauen einzufordern, die sich dafür entschieden, ihre Kinder zumindest in den ersten drei Jahren zu Hause zu erziehen. Man dürfe sie nicht als „Heimchen am Herd“ diffamieren.

Man merkte der Runde, die sich bei Sabine Christiansen versammelt hatte, regelrecht die Enttäuschung darüber an, dass der Hauptgegner der vergangenen Tage, der störrisch von seinen Worten nicht hatte lassen wollen, nun scheinbar einlenkte, alles als ein großes Missverständnis hinstellte. Man vergaß darüber sogar, den Bischof zu fragen, welche unterschwellige Diffamierungskampagne er denn in den Plänen von der Leyens, in den kommenden Jahren für mehr Krippenplätze in Deutschland zu sorgen, erkannt haben wollte.

Stattdessen forderte Mixa rasch noch ein Erziehungsgeld für alleinerziehende Mütter, dass es ihnen ermögliche, in den ersten drei Jahren nach der Geburt zu Hause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Gegen Kinderkrippen sei er nicht, erklärte der Bischof noch, „sonst wäre ich ja von vorgestern.“

Langweilig, uninspiriert und konfliktfrei

Jemand von vorgestern, aus Medienperspektive, durfte in die deutlich abgekühlte Atmosphäre des Berliner Fernsehstudios hinein eigene Erfahrungen zum Thema Kinderbetreuung vortragen. Die frühere Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers, die mit ihren beiden Kindern in Belgien lebt, erklärte, wie selbstverständlich es in anderen europäischen Ländern bei der Kinderbetreuung zugehe.

Eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die ihre Familie mit mehreren Jobs ernährt, sprach von ihren Problemen, eine Unternehmerin und Mutter von ihrem harten, aber erfolgreichen Kampf, beides hinzubekommen, und ein Ehepaar um die siebzig, das schon optisch wie aus den fünfziger Jahren importiert zu sein schien, pries die heile Welt der „bewährten“ Rollenverteilung.

Das war alles so langweilig, uninspiriert und eigentlich sogar konfliktfrei, indem man dem jeweils anderen Lebensentwurf seine Daseinsberechtigung gnädig zugestand, dass man froh sein durfte, dass wenigstens zwei Diskussionsteilnehmer für Zündstoff sorgten: Wolfgang Grupp, Textilunternehmer (Trigema), und die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby.

„Erziehung ist Mutterpflicht“

Grupp übernahm die frei gewordene Stelle des Bischofs Mixa, sprach von den „Mutterpflichten“ und den wunderschönen Zeiten der Kindeserziehung durch die Mutter, von der Modernität seines Vaterbildes (Väter, die Elternzeit nehmen wollen, gebe es bei ihm im Unternehmen grundsätzlich nicht, Erziehung sei eben Mutterpflicht) und von eigener Kindeserziehung.

Hier, bei der Erläuterung, dass seine Söhne nicht einmal in den Kindergarten hatten gehen dürfen, weil es ihnen zu Hause so viel besser gegangen sei, die beiden dann aber im Alter von zehn und elf Jahren ins Internat nach England geschickt wurden, blitze kurz Gegenpolemik auf. So interessant fand man dann aber die sperrigen Erziehungsansichten des Unternehmers auch wieder nicht, um sie eingehender zu würdigen.

Gestörte Schweden

Gabriele Kuby hingegen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Debatte mit einem wissenschaftlichen Unterbau zu bereichern. So trug sie, unter scharfem Protest, vor, die Ergebnisse aus Hirnforschung und Entwicklungspsychologie belegten eindeutig, dass Kinder in den ersten drei Jahren von der Mutter betreut werden müssten.

Dem Argument, andere europäische Länder, etwa Schweden, zeigten doch, dass es Möglichkeiten gebe, Arbeit und Beruf zu verbinden, begegnete sie mit dem Hinweis auf eine „große Studie“, der zufolge Schweden mit seinem Erziehungssystem „total gescheitert“ sei: Jedes dritte Kind dort sei nachgewiesenermaßen „psychisch gestört“.

Angesichts dieses Debattenniveaus war Nordrhein-Westfalens Familienminister Armin Laschet, der einzige Berufspolitiker in der Runde, sichtlich unterfordert. Klug wies der CDU-Politiker Skurrilitäten wie diese zurück und verteidigte die Politik Ursula von der Leyens, ohne auf die scharfen Auseinandersetzungen zur Familienpolitik innerhalb seiner eigenen Partei näher eingehen zu müssen (nahezu müßig ist hinzuzufügen, dass die Moderatorin entsprechende Nachfragen unterließ).

Kastrierter Kater

Die eigentlich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen oder gleich wieder fallengelassen. Etwa jene, wie man dazu kommt, Familien- und Berufsleben wirklich zu vereinbaren, sprich: den Arbeitsalltag für Eltern junger Kinder flexibler zu gestalten. Oder jene, wie man Vätern oder Müttern in einer sich rasch ändernden Arbeitswelt eine Familienauszeit ermöglichen kann, ohne dass der Wiedereinstieg gefährdet ist.

Vor allem: Wie sollen all die guten, aber kostspieligen Vorschläge zu einer besseren Familienpolitik finanziert werden, wenn etwa die CDU das Ehegattensplitting für sakrosankt erklärt, als stünde im Grundgesetz nicht nur etwas vom „besonderen Schutz“ der Ehe, auch der kinderlosen, sondern ebenso etwas von deren besonderer Alimentierung.

Die Familiendebatte geht weiter, auch ohne „Christiansen“ und selbst ohne den Bischof Mixa, sie gewinnt sogar an Härte und an Eigendynamik. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, der, wenig geschmackvoll, den Bischof indirekt mit einem kastrierten Kater verglich, sorgt hierfür ebenso wie das „Forum Deutscher Katholiken“, das Becks Einlassungen nicht nur zurückwies, sondern sie als Diffamierung „im Stil des 'Stürmers'“ und des „Völkischen Beobachters“ bezeichnet hat.

Seltsamer Konsens

Das Abdriften der Debatte hat etwas Gespenstisches: Hier wird erbost und erbittert gestritten, ungehemmt von Stilempfinden und Takt, dort, etwa bei „Christiansen“, zelebriert man einen seltsamen Konsens, der darin besteht, dass alle die anderen Meinungen irgendwie auch gut und vertretbar finden und nur der eigenen Haltung Würde und Respekt entgegengebracht sehen wollen.

Man ist kurz davor, sich Margarete Schreinemakers als Moderatorin zurückzuwünschen. So verzweifelt aber sollte man auch angesichts dieser Familiendebatte nicht sein, noch nicht.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr 3