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Fernsehkritik: „Die Welt des Josef Ackermann“ Er lenkt die Geschicke des Geldes

02.08.2010 ·  Nahaufnahme eines Vorstandsvorsitzenden, überdies des mächtigsten und bestbezahlten des Landes: Der Filmemacher Hubert Seipel porträtiert Josef Ackermann. Dessen Selbstbewusstsein ist enorm. Mitleid kennt er auch. Es will so recht aber nicht trösten.

Von Michael Hanfeld
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Hubert Seipel ist nahe an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank herangekommen. So nah, dass er die Morddrohung gegen Josef Ackermann mitbekommt, als dieser, im Auto durch New York fahrend, davon am Telefon erfährt. Besonders aufgeregt scheint Ackermann nicht zu sein, die Polizei ist informiert, die Termine werden planmäßig wahrgenommen.

An der Wall Street, sagt Hubert Seipel aus dem Off, fühle sich Josef Ackermann besonders wohl, denn hier sei „das Geld das Maß aller Dinge“. In den folgenden 45 Minuten vermittelt uns der Autor den Eindruck, dass für Ackermann und die Bankierskreise, in denen er verkehrt, es tatsächlich nichts anderes gibt. Ihre Welt ist das Geld, ist die Rendite, die bei 25 Prozent liegen muss.

Keiner will ihn kritisieren

Darauf hat Ackermann die Deutsche Bank getrimmt, das sichert ihr einen Platz in der internationalen Liga der Geldinstitute. Dass andere dafür einen unermesslich hohen Preis zahlen, spielt keine Rolle, diejenigen, die ihr Geld im Lotto der Investmentbanker verloren haben, nicht, und auch nicht die Politik.

Hubert Seipel hat Josef Ackermann über Monate hinweg begleitet. Er zeigt ihn uns als jemanden, der von Schulbeginn an der Klassenbeste sein wollte und war und ist. Niemand aus seinen Kreisen will ihn vor der Kamera kritisieren, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper lobt Ackermann vielmehr als den Banker unserer Zeit schlechthin. Aus den Krisen - etwa dem Verfahren zur Zerschlagung von Mannesmann -, ist er scheinbar unbeschadet hervorgegangen.

Sein Selbstvertrauen lehrt das Fürchten

Er strotzt vor Selbstvertrauen, sein Rat ist gefragt in der ganzen Welt, als Lobbyist der Banken reicht ihm in Deutschland niemand das Wasser. Die Politik wiederum sitzt am Katzentisch, das Sagen hat sie nicht. Das habe die Bundeskanzlerin Angela Merkel lernen müssen wie ihre Vorgänger, meint Hubert Seipel: „Sie dachte, sie sei an der Macht, dabei ist sie nur an der Regierung.“

Die Geschicke der Welt lenken die anderen, die, die nur Geld kennen, und das lehrt uns das Fürchten. Hubert Seipel führt das am Beispiel des ewig strahlenden Josef Ackermann vor, ganz en passant. Ein wenig Mitgefühl mit den Armen verspüre man doch, sagt Ackermann, wenn man an ihnen vorbeigehe, sei das Mitleid schon da. Es liegt kein Trost in diesen Worten. Denn Ackermann „geht an keinem Armen mehr vorbei“, sagt Seipel, „er fährt“. Zum nächsten Termin, des Geldes wegen.

Die Welt des Josef Ackermann läuft heute um 21 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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