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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fernsehkritik: „Aspekte“ Kopfstand im Narrenkäfig

 ·  Der Medienkünstler Christian Jankowski nimmt das Kulturmagazin „Aspekte“ in die Hand und stellt es buchstäblich auf den Kopf - zum Leidwesen seiner Moderatoren. Man hätte an diesem Abend besser nicht die Frage nach dem Wesen der Kunst stellen sollen.

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Christian Jankowski ist bekannt für seine Analysen, unter anderem des Medien- und Kunstgeschäfts. Mit seinem Werk verbindet man die Entlarvung von Missständen mit drastischem Humor. So hat er zum Beispiel eine Auktion mit Werken namhafter Künstler abgehalten, allerdings im Stil eines privaten TV-Verkaufssenders. In einem zermürbenden Video hat er gezeigt, was der Kunsthype in Miami wirklich war: ein überdrehtes, dekadentes Saufgelage.

Die Erwartungen waren also hoch, als angekündigt wurde, dass der Medienkünstler die ZDF-Sendung „Aspekte“am 13. November gestalten würde. Er wolle inhaltlich alles auf den Kopf stellen, ließ Jankowski verlautbaren, merkte dann aber anscheinend, dass er nur ein formales Detail würde ändern müssen, um die Abgründe offenzulegen. Sein Eingriff: Jankowski stellte die Moderatoren im buchstäblichen Sinn auf den Kopf - das war's schon. Den Rest besorgten sie selbst. Luzia Braun und Wolfgang Herles wurden in einen Gurt gesetzt und umgedreht. Was sie dann vor der Kamera sagten - tun konnten sie nicht mehr viel - blieb ihnen überlassen. Viel Blut im Gehirn und zu Tale stehende Haare sind eine verhängnisvolle Mischung, wenn die Kamera läuft. Ein Experiment? Das Moderieren war ein anstrengendes Spektakel, auch für den Betrachter der armen kopfstehenden Geschöpfe, dem sich die Frage, was eigentlich Kunst ist, in diesem Zusammenhang wohl kaum aufgedrängt hätte, wäre sie nicht das unglücklich gewählte Motto der Sendung gewesen.

Es flieht die Kunst, es wächst der Zweifel

Die Moderatoren selbst wirkten völlig ratlos und schienen in keiner Weise vorbereitet. Luzia Braun erging sich in Allgemeinplätzen: Früher habe in der Kunst das Schönheitsprinzip gegolten, danach konnte die Kunst eindeutig beurteilt werden. Kunst sei damals eben noch von Können gekommen. Sie war sich sicher: Botticelli ist Kunst. Nicht nur das, auch Avantgarde sei er gewesen, fügte der Kurator der am Freitag angelaufenen Frankfurter Botticelli-Ausstellung hinzu. Aber ist Christian Jankowski Avantgarde?

Man durfte diese Frage nicht Wolfgang Herles stellen, der zunehmend genervt wirkte, als würde er nach dieser Erfahrung endgültig an der zeitgenössischen Kunst verzweifeln. Während seine Augen anschwollen, fand Luzia Braun plötzlichen Gefallen daran, die eigene Sendung für kunstwürdig zu befinden und sich bald als kopfstehendes Museumsobjekt zu imaginieren. Ob dies zu ihrem eigenen Vorteil wäre? Ihre Halsadern wurden jedenfalls rot und dick, nur das überschminkte Gesicht blieb wohlgefärbt.

Je länger die Sendung andauerte, desto mehr wuchs der Zweifel. Luzia Braun griff noch einmal zum Prinzip Hoffnung: „Er will ja irritieren.“ In ihrer Frage „Glaubst Du eigentlich an diese Aktion?“ steckte dann schon das Verdikt über diese Sendung, und vielleicht schwang in diesen Worten auch die späte Erkenntnis mit: Christian Jankowski hält uns zum Narren.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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