01.09.2011 · „Anne Will“ startet neu am späten Mittwochabend. Zum Thema „Wut im Bauch“ redeten Veronica Ferres, Edmund Stoiber, Sido, Tim Raue und Christian Nürnberger. Eine niveaulose Diskussion voller Klischees.
Von Oliver JungenRichtlinien für Lesermeinungen
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... für dieses schöne Aperçu:
"Geradezu zwingend scheint es seit Jahren zu sein, beim Thema Jugendgewalt Rapper Sido einzuladen, bei dem man nie weiß, ob da nicht Kurt Krömer sitzt, der einen harten Rapper spielt, um ganz naiv immer wieder auf den Unfug der gesamten Diskussion hinzuweisen."
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Habe herzlich gelacht.
Mei, die Vroni war der Schlagobers für diese Runde
Die Vroni wird jetzt wahrscheinlich auch noch öfter als Expertin für Finanzabzocke eingeladen werden, weil sie mit Herrn Maschmeyer liiert ist. Läge ganz auf dem Qualifizierungslevel der gestrigen Sendung. Dann fehlt nur noch Herr Scholl-Latour u.ä., die reihum Mo, Di, Mi, Do bei den Talkshows auflaufen, dann muss man nicht mehr lange fragen, warum Depressionserkrankungen im Lande zunehmen.
Nur einer blickt durch: Der Rapper
Während der ganzen Sendung kam ich mir vor wie vom Wahnsinn umzingelt. Als ich mir zum 4711. mal das sozialdemokratistische Gutmenschengewinsel anhören musste, dass der Londoner Mob sich die Londoner Banker beim Rauben nur zum Vorbild genommen hat, dachte ich: Jeder normale Proll würde diesen in privilegierten Verhältnissen aufgewachsenen und vermutlich deswegen ein schlechtes Gewissen habenden in großbürgerlichen Internaten erzogenen Labertaschen spätestens jetzt einen ganz bestimmten Satz um die Ohren hauen - nämlich den, dass der Mob auf der Straße gar nicht weiß, welcher Banker wann was wo gemacht hat, weil der Mob auf der Straße keine Zeitung liest und bei den Nachrichten umschaltet. Einer hat's dann gesagt: Herr Sido! Danke!
Kleine Relativierung und Korrektur
Habe es mir nochmal in der Mediathek angeguckt. Dolle war es da zwar immer noch nicht, aber so schlimm nun auch wieder nicht. "Nicht so schlimm" ist freilich längst nicht unbedingt gut. Talks dieser Art können ohnehin kaum bis nie zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen kommen. Es handelt sich allenfalls um Diskussionen und Bestandsaufnahmen.
Immerhin ein Talk zu einem wichtigen, aktuellen, interessanten Thema - in dem hin und wieder mal ein interessanter Ansatz oder interessante Position durchschienen. Mehr können solche Talks ohnehin nicht leisten. Eine Ordnung der Diskussion in größere Strukturen und Linien darf man von einer Anne Will schon fast garnicht erwarten. Da wird halt in einem endlosen Redestrom munter immer schön behutsam und korrekt drauf los geplappert, fast ohne irgendwelche erkennbare Richtung und Ziel. Warum es von solchen Talks gleich fünfe am Stück in der Woche, plus die Talkshows am Freitag in den Dritten, plus gelegentliche Samstags-Talks im RBB u.ä. braucht, bleibt nichtsdestotrotz die große Frage und das Geheimnis der ARD. Diese Ressourcen wären für interessante Dokumentationen, Wissenssendungen (z.B. auch zum Thema Psychologie, Schule, Arbeitswelt, Internet u.ä. ) sicher besser verwendet.
Anne Wills Bauchwut ist berechtigt. Da wird sie doch tatsächlich auf einem Sendeplatz entsorgt, auf dem sie keinen allzu großen Schaden anrichten kann, nachdem Jauch ihr den feinen Sonntagabend geklaut hat. Anne-Will-Rache: Der Eingeschlafene-Socken-Mittwoch. Das ist eher ein Fall für den Rechnungshof als einer für seriöse Medienkritik.
Solche Sendungen sind der Beleg dafür, ARD/ZDF nur noch verschlüsselt zu senden
Wer sie sehen will, darf den CI+-Port mit "ner Karte belegen und erst dann die GEZ-Gebühr bezahlen.
Oliver Jungen, der Rezensent, kann einem wirklich leid tun
Wer sich solch einen Schmarrn freiwillig antut, aber noch mehr :-) Das ist ja anscheinend schlimmer als eine Gefängnisstrafe.
Ich guck alle diese Talkerei seit Jahren nicht mehr an. Komisch: hört sich talk-talk-talk-talk-talk nicht genau an wie Hühnengegacker? Das kann doch kein Zufall sein?
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Und dafür denn auch noch Zwangsgebühren!! Da kann man ja (fast) froh sein, dass unser schönes Geld z.B. beim MDR in die Privatschatullen der großen Fernseh-Gewaltigen wandert - so kann es wenigstens auf dem Bildschirm nicht noch mehr Unheil anrichten. . . :- (
leise "servus" zu sagen. Wenn es sein muss, auch "tschüss".
Die Hohepriesterin der politischen Korrektheit hatte uns nichts zu sagen, weil es ihr vor allem wichtig war, dass die Meinung der normalen Leute ausgeblendet wird.
Genug davon.
Warum braucht es denn bei Ihnen technische Störungen, um nicht in die Glotze zu schauen? Ich schalte, wenn ich nicht fernsehen will, einfach ab oder erst gar nicht ein. Im übrigen "lasse ich mir vom Fernsehen nicht vorschreiben wann ich in's Bett gehe" ;-)
...Nachtrag noch zu Veronica Ferres
Die Frau war völlig überflüssig - ausser, dass sie ihren Film propagieren konnte und ich schätze, allein deshalb wurde sie eingeladen. Ansonsten war Ferres ausserordentlich komplex und sehr ernsthaft komplexer und wie Sie schreiben, sowieso von Komplexitäten sichtlich gekomplext - zu denen sie allerdings Nichts zu sagen verstand. Was mir jetzt spontan einfällt ist das Kabinett der Bundesregierung: Welche Minister(Innen) entscheiden über Sachfragen und Probleme mit welcher Qualifikation? Im Vergleich hierzu ist eine exaltierte Frau Ferres immer noch ein intelligenter Wollpullover. (Weil selbstverständlich mit Perwoll gewaschen.)
Von jeder Lehrerin, jedem Lehrer wird erwartet
– und zwar von Schülern, Eltern und Vorgesetzten gleichermaßen –, dass sie/er in der Lage ist, jedwede Gesprächssituation souverän zu beherrschen, Konflikte hegelisch-dialektisch aufzuheben und das Ganze auf eine solche Erkenntnishöhe zu treiben, dass allen Beteiligten vor Begeisterung Hören und Sehen vergeht. Lehrer können das. Und wenn nicht, fliegen ihnen schnell die Brocken um die Ohren. Fragt sich: Warum können die hochbezahlten Fernsehleute das nicht?
...Oliver Jungen. Gebe Ihnen recht, Sie treffen den Nagel dort wo er getroffen sein muss. 2 Fragen interessierten mich allerdings: Ist es möglich, dass Anne Will exakt auf diesem Niveau agieren soll, erstens, und zweitens, wie gross ist denn das Zuschauerpotential für alles das, was Sie, andere Foristen und gleichermassen ich selber vermissten? Wir alle kennen unsere leicht konsumierbaren Talkrunden. Und das grundsätzlich gute Talkmaster wie beispielsweise Plasberg zügig frisiert werden können sobald sie die Hauptbühne betreten ist auch kein Geheimnis. Auch Maischberger, ein weiteres Beispiel, war früher auf ntv um Längen besser. (Einen Michel Friedman schliesse ich hier aus - der war immer bereits auf reine Selbstdarstellung aus.) Ich fürchte, wir werden uns auch zukünftig meistens aufregen und selten begeistert sein, wenn es denn mal zwischendurch wirklich einen Klassentalk gibt. Und denkt man darüber mal nach, dann wird auch eines klar, was sich in allen Bereichen des Lebens jeden Tag offenbart: Eine Klasseleistung ist keineswegs die Normalität.
Auch gestern zeigte Frau Will was sie kann. Zu mehr reicht es einfach nicht.
Nur dumm das ich diese Zumutung auch noch bezahlen muß.
Kalter Kaffee am Mittwochabend
Frau Will hat in ihrer typisch journalistischen Halbbildung selbst nichts beizutragen
und läßt nicht ausreden, die Gäste sind ebenfalls kaum dafür qualifiziert - wie soll dabei etwas Vernünftiges herauskommen?
Danke für dieses Kritik Herr Jungen. Sie schreiben sehr erfrischend. Wenn ich so etwas lese, dann bin ich doch immer wieder froh, dass ich keinen Fernseher besitze.
Groucho Marx war sehr vorausschauend
"I find television very educating. Every time somebody turns on the set, I go into the other room and read a book."
Als Journalist muß man sich das wohl ansehen, mein Beileid. Obwohl, ein Anfang wäre es, wenn in der FAZ Stoibers Motto "nicht mal ignorieren" angewendet würde.
Ich schaue mir diese Talkshows schon lange nicht mehr an. Bei Will ist nichts mehr zu erwarten. Auch von Jauch erwarte ich nichts. Der Urtalker dieser Politshows war Böhme und der war durch Spiegelinterviews geschult, weswegen er gut war. Christiansen dann? Keine Ahnung.
Will startete am Sonntag mit dem selbst formulierten Anspruch, gesellschaftliche Themen zu setzen (gut, was das soll das sein ... lassen wir das mal); sie verarbeitet aber auch nur Wochenereignisse nach James Bond-Manier "geschüttelt, nicht gerührt".
Somit danke für die Info, daß ich nichts verpaßt habe. Ich habe stattdessen Musik über Internetradio aus Glasgow gehört und dazu einen Scotch getrunken und nachgedacht.
Sláinte
"Die Moderatorin ist viel wütender als es den Anschein macht, und daher lässt sie nun, um sich fürchterlich am Sender zu rächen, jede Woche Edmund Stoiber die Welt erklären".
Ich frage mich immer häufiger, was aus der Anne Will geworden ist, die in den Tagesthemen ihre Interviewpartner nicht in Frieden lies, bis diese zumindest um die wahren Hintergründe herumgeredet hatten; die sich hartnäckig nicht mit Floskeln zufrieden gab und unsere Fernsehlandschaft allabendlich bereicherte. Wo ist sie hin und was haben sie mit ihr gemacht?
Aber macht nix. Ich kenne keine andere "Moderatorin", die mit so einem treffsicheren Talent einem gebrieften Gast in's Wort fällt, wenn dieser sich gerade anschickt den vielleicht einzig interessanten Satz der Sendung zu sagen, eben weil er vorher nicht abgesprochen war. Aber davor hat Will wie alle anderen panische Angst: ein nicht zu kalkulierender Gast. Da hole ich mir doch lieber einen aus der üblichen Kandidatenpalette in die Runde.
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Unvergessen auch eine Will-Sendung, in der es irgendwie um Umwelt ging und der Stargast des Abends ihre lesbische Lebensgefährtin Miriam Meckel war. Diese riet im Angesicht der Klimaerwärmung dazu auf, doch nicht jedes Jahr nach Malle zu fliegen, sondern den Urlaub auch mal zu hause zu verbringen, während sie drei Mal die Woche zwischen der Schweiz - wo sie ihren Lehrstuhl inne hat - und Berlin hin und her jettet, um sich mit ihrem Schätzchen zu treffen. Danke, genau so geht's.