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Fernsehfilm: „Bankraub für Anfänger“ Weil Geben seliger denn Nehmen ist

 ·  Robin Hood im Bankenviertel: Ein Anlageberater kehrt den Geldkreislauf um und überfällt seine eigene, in windige Geschäfte verstrickte Bank. Eine turbulente Komödie mit starken Dialogen.

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© Daniela Incoronato Hier setzt Kommissar Lamm (Edgar Selge, links) auf eine besondere Komödiantenfolter: Während er beim Verhör eine Flasche Wasser nach der anderen trinkt, bleibt der verdächtige Bankbeamte (Wolfgang Stumph) auf dem Trockenen

Seit Gebrauchtwagenhändler und Journalisten nicht mehr auf der untersten Stufe der Glaubwürdigkeitsskala stehen, sondern Bankberater und eine Etage darunter noch Investmentbanker - wobei für Hedgefondsmanager wahrscheinlich noch der Keller unterkellert werden müsste -, und seit die Staatsschuldenkrise im fliegenden Wechsel die Finanzmarktkrise abgelöst hat, ist Mackie Messer aus der „Dreigroschenoper“ im Ranking der Zitate unaufhörlich gestiegen. „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“, lässt Bertolt Brecht ihn fragen.

Der Anlageberater Jürgen Wolf schließt Brecht noch einmal kurz: Er arbeitet in einer Bank und überfällt eine, praktischerweise die, bei der er angestellt ist. Denn die Bank hat, dank windiger Aktienoptionen, die Leute im Dorf um ihre Ersparnisse gebracht. Jürgen Wolf selbst hat ihnen die Papiere aufgeschwatzt, nun soll er ihnen den „Totalverlust“ erklären und am besten auch gleich noch das neue „Win-win-Konto“ unterjubeln - das nächste Schrottpapier also. Doch da macht er nicht mehr mit. Er überfällt und verteilt um.

Robin Hood und Don Quichotte

Wenn Wolfgang Stumph eine so dankbare Figur wie diesen Jürgen Wolf spielt, den kleinen Angestellten, der zum Robin Hood wird und zum Don Quichotte, der tatsächlich Chancen hat, den Kampf gegen die Geldmühlen zu gewinnen, liegt die Gefahr nahe, dass es ein Film wird, in dem dieser Schauspieler rampensauartig alle an den Rand drängt, so wie in den Stücken, in denen er im ZDF den Kommissar Stubbe gibt. Anfangs sieht es auch in „Bankraub für Anfänger“ danach aus, zumal wenn im Hintergrund so eine Art Gemütlichkeitssoundtrack einsetzt und man schon mit einer neunzigminütigen Schwejkiade rechnet.

Doch glücklicherweise stellt der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt eine Personenbalance her, der auch die Regie von Claudia Garde gerecht wird. Neben diesem Jürgen Wolf gibt es also die von ihm still verehrte Schalterbeamtin Rosalie Westermann (Steffi Kühnert) und den verquer-bärbeißigen Kriminalkommissar Frank Lamm (Edgar Selge), der sich seine Geständnisquote von hundert Prozent nicht von einem „dahergelaufenen Gutmenschen“ wie diesem Wolf kaputtmachen lassen will.

Auch alle anderen Figuren in dieser Komödie sind stark besetzt, kein einziger Schauspieler muss seine Rolle dem Klamauk opfern, nicht der Bauer, der in seinem Traktor exakt die Summe findet, die er bei der Bank verloren hat, nicht der Tankstellenpächter, nicht die in den Rollstuhl gezwungene ehemalige Sportlerin oder der junge Automechaniker, der unter seinem von schiefen Zähnen entstellten Antlitz leidet und - als unschuldiges Werkzeug einer höheren Gewalt - im entscheidenden Moment vergisst, bei einem in der Werkstatt stehenden Fahrzeug die Radschrauben anzuziehen.

Schnelle, starke Dialoge

Der Drehbuchautor Schmidt legt nicht nur das Fundament für echte Spielfreude, sondern setzt auch auf schnelle, starke Dialoge. Zudem legt er den Protagonisten Sätze in den Mund, die jeder Bankkunde heute gern nachbetet: „Wenn man Geld braucht, kriegt man keins. Und wenn man euch welches leiht, ist es weg.“ Der aufrechte Bankräuber setzt schließlich zu einer Generalabrechnung mit einer Finanzbranche an, die den Grundgedanken der sozialen Marktwirtschaft ad absurdum führt.

Dies alles darf Wolfgang Stumph spielen, ohne den dicken Max zu mimen - woran ihn auch die anderen, stark aufspielenden Kollegen hindern. In einer hinreißenden Szene quält der Kommissar den Verdächtigen mit einer ganz speziellen zwölfstündigen Wasserfolter - Selge pichelt beim Verhör eine Flasche nach der anderen leer, Stumph vertrocknet. Am Ende ist ein Verfemter der Held, ein Täter ermittelt, eine Dorfpolizistin mit dem Kommissar verbandelt und die Schalterbeamtin dem Bankräuber zugetan, von dem sie dann auch weiß, wer es ist. Und aus dem Schriftzug der „Bado-Bank“ plumpst das „o“ aufs Trottoir. Was für eine Bank dann übrig bleibt, kann sich jeder denken. Gegen die Gründung einer solchen ist ein Banküberfall wirklich nichts.

Bankraub für Anfänger, um 20.15 Uhr im ZDF

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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