01.09.2006 · Da können Frauen noch etwas lernen: Heute geht „DMAX“ an den Start, der Sender für das unterdrückte Geschlecht. An der Spitze des Programms, das auf Erotik ganz verzichtet, steht eine Frau.
Von Karen KrügerAls im August 1995 das Frauenfernsehen TM3 an den Start ging, lachte ganz Deutschland. Anna Doubek, die Chefredakteurin des Fernsehsenders, versprach Programme mit einem weiblichen Blick. Als der Sender dann aber plötzlich die Rechte für die Champions League erwarb, ging der weibliche Blick ins Leere. TM3, hieß es, war nur als Frauensender gestartet, weil das den besten Kabelplatz versprach.
Sieben Jahre sind vergangen, und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist inzwischen eine Frauenloge. Alles und jedes ist in Zuckerwatte gepackt, verständig, ein bißchen verrückt und vor allem verantwortungsvoll. Männer, die sich eher für Wissenssendungen, Sport und Nachrichtliches interessieren, haben resigniert und die Fernbedienung aus der Hand gegeben. Heute geht der neue, frei empfangbare Fernsehkanal DMAX auf Sendung, hervorgegangen aus Alexander Kluges XXP, der das mit seinem speziell auf Männer zugeschnittenen Programmen ändern will.
Männerbild im Wanken
„Wir verstehen, was Männer wollen, und versuchen, das in den Themen und in der Machart der Programme umzusetzen“, sagt Patrick Hörl, der „Country Manager“ von Discovery Networks Deutschland, das XXP gekauft und daraus DMAX gemacht hat. Den männlichen Zuschauer, der ihm dabei vorschwebt, haben die Marktforscher bei der Konzeption des Senders genauestens analysiert. Einfach sei es nicht gewesen, das deutsche Männerbild zu fassen zu bekommen - glaubt man den Feuilletons und der Fachliteratur, dann gerät die Identität des deutschen Mannes bei all der Diskussion um Begriffe wie „Gendermainstreaming“, „Fehlgeleitete Männlichkeit“ und angesichts des Aufstiegs einer Frau zur Bundeskanzlerin offenbar immer mehr ins Wanken. Mit DMAX könnte künftig nicht mehr allein der Baumarkt eine männliche Ruhezone für all dies sein.
„Die Männer, die wir ansprechen wollen, sind zwischen zwanzig und 39 Jahre alt. Sie waren schon mit vielen Erwartungen konfrontiert und mußten einige Klischees durchlaufen. Sie waren harte Machos, weiche Frauenversteher und sind durch die Metrosexuellen-Welle geschwommen. Diese ganzen Rollenzwänge haben sie gründlich satt.“ Durch beruflichen Erfolg seien die Männer selbstsicher geworden und wollten ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten, sagt Hörl „Das gilt für Freizeit, Beruf und Partnerschaft.“ Alle drei Bereiche deckt der Sender thematisch ab. Die weiblichen Erwartungen an Männer habe man bei der Programmkonfektionierung beiseite geschoben und in Männermanier mal ein bißchen unkompliziert und einfach gedacht.
An der Spitze eine Frau
Der Trailer des Senders verrät, wie man sich das vorzustellen hat - an der Spitze der Programmentscheidungen steht übrigens eine Frau, Katja Hofem-Best, die DMAX von RTL2 abgeworben hat. Die Sendung „Experimente am Limit“ verspricht Lösungen für „unerfüllte Kindheitsträume und Alltagsprobleme“: Kann man eine Waffe unter Wasser abfeuern? Ist es möglich, mit Dynamit zu fischen? „Die Ludolfs - vier Brüder auf dem Schrottplatz“ beobachtet Peter, Manni, Uwe und Günther beim Frittenessen und Herumschrauben an kaputten Autos. Die Anglershow „Fish ,n' Fun“ besticht mit schönen Landschaftsaufnahmen, verrät Tricks beim Fischen und Hochseeangeln und zeigt, wie Mann aus seinem Fang ein leckeres Gericht zaubern kann. Auch die männliche Lust auf Abenteuer wird befriedigt, etwa mit der Dokuserie über Krabbenfischer in den Gewässern Alaskas. „Die Krabbenfischer von Alaska gehen einem echten Knochenjob nach - und riskieren dabei täglich ihr Leben. Doch für den Traum vom großen Geld nehmen die Männer auch meterhohe Wellen und eiskaltes Wasser in Kauf. Fünf Tage lang arbeiten sie am absoluten Limit“, verrät die Programmankündigung.
Die Moderationen seien auf die Ausdrucksweise abgestimmt, mit der sich Männer untereinander verständigten. Was heißt das? Schweigen. „Wir haben einfach gemerkt, daß es für Männer heutzutage sehr wichtig ist, in ihrer Peergroup verstanden zu werden“, sagt Hörl. Und wo ordnet der DMAX-Mann sich selbst ein? „Ich schraube lieber nicht an meinem Auto herum“, sagt er. „Ich muß gestehen, daß ich neulich noch nicht einmal den Einlaßstutzen für das Motoröl an meinem Auto gefunden habe. Fischen gehe ich dagegen gern.“
Erotik lieber aus dem Netz
Lange habe man überlegt, wie DMAX mit dem Thema Erotik umgehen solle, und sich dann dagegen entschieden, es zu einem festen Programmpunkt zu machen. „Natürlich sind Männer an Erotik und Sex interessiert. Aber bloß weil es in Deutschland schon fast eine Tradition ist, daß neue, frei empfangbare Fernsehsender ihr Programm mit Soft-Sex anreichern, müssen wir das nicht auch machen. Wir wollen ein qualitativ hochwertiges Programm. Mit Erotiksendungen rutscht man schnell in die Schmuddelecke ab“, sagt Hörl. Außerdem hätten Studien ergeben, daß Männer ihrem Bedürfnis nach Erotik vor allem im Internet nachgingen.
Das männliche Bedürfnis nach schönen Frauen werde bei DMAX durch Moderatorinnen wie zum Beispiel Sabine Schmitz befriedigt. Außerdem habe man auch Sendungen im Programm, die sich mit dem Zusammenleben von Männern und Frauen beschäftigen. Allerdings fehlt bei DMAX auch der Sport, angeblich weil es den woanders zuhauf schon gibt, aber wohl auch, weil man erst einmal für sehr viel Geld an die Senderechte kommen müßte.
Aus einer männlichen Perspektive
„DMAX ist ein Befreiungsschlag für die Männer. Es geht darum, nicht mehr bestimmten Klischees entsprechen zu müssen“, sagt Hörl und treibt damit die Spirale männlicher Rollentypen doch nur um eine weitere Stufe höher: Der DMAX-Mann weiß, daß Frauen recht haben, hat aber beschlossen, sich nicht darum zu kümmern. Er will Ballerspiele spielen dürfen und Autorennen fahren, ohne daß daraus ein ideologisches Irgendwas gebastelt wird. Er steht zu Fitness genauso wie zu seinem Hang zur ungesunden Lebensweise. Er trifft sich lieber mit seinen Kumpels als mit der hübschen Nachbarin aus dem dritten Stock.
Patrick Hörl fände es schön, wenn auch Frauen den Sender einschalten. „Wir wollen die Welt aus einer männlichen Perspektive erklären“, sagt er. „Das heißt nicht, daß DMAX etwas gegen Frauen hat. Ich denke, daß Frauen sogar einiges über Männer lernen können, wenn sie sich unser Programm ansehen.“ Daß bei Frauen große Verwirrung herrscht, was für ein Wesen da zu Hause auf dem Sofa sitzt oder in der Garage am Auto schraubt, verraten die Buchtitel in den Regalen der weiblichen Ratgeberliteratur. „Warum Frauen nie verstehen wollen, was Männer wirklich meinen“ heißt es da oder „Wann Männer weinen“ und „Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen“. Doch Lösungen für derlei Beziehungswirrnisse werden Frauen wohl auch nicht bei DMAX finden. Denn für Männer stellen sich manche Fragen einfach nicht.