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Fernsehen Genscher, Jauch und Engelke wählen den Kanzler

19.02.2009 ·  Mit „Ich kann Kanzler!“ will das ZDF junge Leute wieder stärker für Politik interessieren. Im Sommer treten vier Talente mit ihrer „Idee für Deutschland“ gegeneinander an. Für die Jury, die den „Kanzler für einen Tag“ mit wählt, hat der Sender jetzt eine prominente Besetzung gefunden.

Von Peer Schader
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Dem ZDF ist eine echte Überraschung für sein Sommerprogramm gelungen. Wenn „heute“-Moderator Steffen Seibert am 21. Juni in der Sendung „Ich kann Kanzler!“ die Debattierkünste von vier jungen Polittalenten testet, entscheiden der ehemalige Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher, der Moderator Günther Jauch und die Komikerin Anke Engelke mit, wer am Ende „Kanzler für einen Abend“ wird.

Mit der ungewöhnlichen Sendung will das Zweite junge Leute wieder stärker für Politik interessieren. Talente im Alter von 18 bis 35 Jahren können sich seit Beginn dieser Woche im Internet für eine Teilnahme bewerben (http://anmeldung.kanzler.zdf.de/). Voraussetzungen gibt es so gut wie keine - außer politischem Interesse, der Lust am Diskutieren und einer „Idee für Deutschland“. Das klingt zwar ein bisschen nach Schulwettbewerb, ist allerdings ein schlauer Versuch, ein Publikum anzusprechen, das für den politischen Alltagsbetrieb und seine zahlreichen Querelen nichts mehr übrig hat, aber sehr wohl an Themen und Strukturen der Politik interessiert ist.

Debattierclub statt Castingshow

„Über die klassische politische Berichterstattung lassen sich junge Leute kaum noch erreichen“, sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. „Ich kann Kanzler!“ soll beweisen, dass das keineswegs bedeutet, dass sich die Jüngeren komplett von der Politik abwenden. Brender ist wichtig, dass der Versuch nicht als Castingshow-Kopie verstanden wird - obwohl das Prinzip zunächst daran erinnert. Der ZDF-Chefredakteur sieht „Ich kann Kanzler!“ eher als Debattierclub, bei dem es außerdem Elemente aus TV-Formaten wie „Was nun?“ geben wird: „Es geht um zeitgeschichtliches Wissen, aber genauso um die Fähigkeit, eigene Thesen begründen zu können und sich selbst darzustellen - all das gehört ja auch dazu, um politisch bestehen zu können.“

Mit der Jury-Besetzung verschafft Brender seiner Sendung, die auf dem erfolgreichen kanadischen Format „The Next Great Prime Minister“ basiert, schon mal die größtmögliche Aufmerksamkeit. In Umfragen küren die Deutschen Günther Jauch regelmäßig selbst zum Wunschkandidaten fürs Bundeskanzleramt, Genscher genießt auch unter jüngeren Leuten ein hohes Ansehen, und Engelke sorgt mit Sicherheit dafür, dass aus dem Politclub keine Veranstaltung wird, bei dem sich die Kandidaten bloß Fachvokabeln um die Ohren hauen.

Jauch produziert

Aus allen Bewerbern, die sich im Internet registrieren, werden 40 Kandidaten zu einem zweitägigen Auswahlgespräch eingeladen, vier schaffen es bis in die Sendung. Die Höhepunkte des Auswahlverfahrens sollen in einem eigenen Film zusammengefasst werden; noch steht aber nicht fest, ob es dafür einen separaten Sendetermin gibt. Eine Kurzfassung wird in jedem Fall in der Show im Juni laufen. Produziert wird die ZDF-Variante von Günther Jauchs Firma I&U Entertainment („stern tv“, siehe auch: Das Fernsehblog: Günther Jauch wählt den Bundeskanzler).

Während der Sieger in Kanada mit einer Belohnung von 50.000 kanadischen Dollar nach Hause gehen konnte, fordert das ZDF etwas mehr Bescheidenheit von seinen Bewerbern - schließlich geht es nicht bloß ums Geld. Das „Kanzlergehalt“, das der Gewinner versprochen bekommt, wird voraussichtlich 16.000 Euro betragen, der Betrag soll aber nicht in bar ausgezahlt werden. Stattdessen wolle man vorher mit den Teilnehmern über Projekte reden, für die sich der Gewinn verwenden ließe, erklärt Brender: „Wenn einer sagt, er würde gerne nach Israel reisen, um über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu forschen, soll er das damit können - wie mit einem Stipendium.“

Außerdem schreibt das ZDF ein Praktikum in Berlin, genauer: „im Zentrum der Macht“ aus. Dass man beim „Zentrum der Macht“ bisher nur ans Bundespresseamt gedacht hat, könnte für das ein oder andere politische Talent freilich eine kleine Enttäuschung werden.

„Ich kann Kanzler!“ ist ein mutiger Versuch des ZDF, nicht nur die Politik, sondern auch sein Programm wieder attraktiver für ein jüngeres Publikum zu machen. Nur eines fällt schon jetzt negativ auf: dass man in Mainz glaubt, das ausgerechnet an einem Freitagabend um 21.15 Uhr erreichen zu können, und das auch noch mitten im Sommer. Vielleicht muss man noch mal einen kleinen Hinweis auf den Lerchenberg schicken: Zu dieser Zeit haben viele 18- bis 35-Jährige in der Regel anderes vor.

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