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Fernsehen : Ein Schiff wird sinken

  • -Aktualisiert am

Bootsmann in Seenot: Klaus J. Behrendt Bild: ddp/NDR/Marion von der Mehden

Der Untergang der „Pamir“ war die größte deutsche Schiffskatastrophe in der Nachkriegszeit. Nur sechs Besatzungsmitglieder überlebten. Ein Fernsehfilm zeigt nun das Drama in hochkarätiger Besetzung.

          Am 21. September 1957 melden Radio und „Tagesschau“ die mit Gerste aus Buenos Aires beladene Viermastbark „Pamir“ als verschollen. Südwestlich der Azoren ist das mehr als hundert Meter lange Paradeschiff der deutschen Handelsmarine, dessen Hauptmast von Deck aus schwindelerregende 55 Meter in die Höhe ragt, in den Hurrikan „Carrie“ gefahren. An Bord befinden sich 86 Mann Besatzung, darunter 45 Kadetten zwischen sechzehn und achtzehn Jahren auf ihrer ersten Ausbildungsfahrt. Unter normalen Umständen dürfte der Wirbelsturm den Offiziersanwärtern zwar eine ungemütliche Fahrt beschert, ihr robustes Schiff aber nicht zum Kentern gebracht haben. Aber das Schiff bleibt vermißt. Zur Rettung der Besatzung wird die größte internationale Suchaktion gestartet, die die Schiffahrt bislang gesehen hat.

          Auch in anderer Hinsicht setzt die Suche nach der „Pamir“ Maßstäbe. Die ersten Meldungen bilden den Auftakt zu einer Tage währenden Berichterstattung rund um die Uhr, wie sie heute bei jeder Katastrophe exerziert wird, zu diesem Zeitpunkt aber sehr ungewöhnlich ist. Die Fülle der Berichte bezeugt die Anteilnahme der Menschen. Drei Jahre nach dem „Wunder von Bern“ bangen die Deutschen, vom Fieber des wirtschaftlichen Aufschwungs ergriffen, um die „Pamir“ - um den Windjammer, der als Sinnbild für friedliche deutsche Weltbegegnung begriffen wurde. Auf dieses Schiff und seine Seeleute sollte man stolz sein dürfen. Seefahrerromantik und Politik trafen sich im Fall des Schulschiffs und seiner Schwester, der „Passat“, in einem anschaulichen Symbol.

          Die Schwäche unseres Gedächtnisses

          Nach Tagen wurde ein stark beschädigtes Rettungsboot mit fünf Überlebenden gefunden, einen weiteren Tag später ein zweites mit einem einzigen. Achtzig Menschen waren mit der „Pamir“ untergegangen. Der Untergang verdichtete sich bald, so berichten Zeitzeugen, zu allseitiger Trauer über das gefühlte Ende des westdeutschen Neuanfangs als außenpolitisch zivilisierte Nation. Zu denken gibt dabei die Kürze unseres kollektiven, eben immer individuellen Gedächtnisses. Wer von den Jüngeren hat schon vom Untergang der „Pamir“ gehört? Und wer von den Älteren hat keine lebhaften Erinnerungen daran?

          Deutsches Paradeschiff: die „Pamir”

          Bei manchen Stoffen fragt man sich, warum sie nicht schon längst fürs Fernsehen fiktional aufbereitet worden sind, gerade weil das zeitgeschichtliche Genre seit Jahren Konjunktur hat und weil verfilmte Schiffsreisen sowohl in ihrer Serienunterhaltungsform - siehe „Traumschiff“ - als auch in Katastrophengestalt - siehe James Camerons Kino-„Titanic“ - immer das Zeug zu Publikumsrennern haben. Die Entstehung des Zweiteilers „Der Untergang der Pamir“ allerdings macht deutlich, daß auch das vermeintlich risikoscheue Fernsehgeschäft gelegentlich erst durch mehr als eine Prise Abenteuerfreude und (Männer-)Freundschaft belebt werden muß, um ein solches Projekt zu stemmen.

          Eine Fülle von Figuren

          Fast klingt es wie eine Mär: Am Anfang waren lediglich ein Autor und ein befreundeter Schauspieler mit einer Idee, die im Januar 2004 beim neuen Chef der dem NDR eng verbundenen „Polyphon“-Produktionsgesellschaft vorstellig wurden. Der Autor war Fritz Müller-Scherz, der Schauspieler Klaus J. Behrendt und die Idee ein epischer Fernsehfilm über den Untergang der „Pamir“, der sich die Freiheit nimmt, eine Fülle sorgfältig ausgemalter und knapp angedeuteter Figuren menschlich zu exponieren, die es alle so nie gab, aber durchaus hätte geben können. Matthias Esche, damals für die „Polyphon“ verantwortlich und seit Januar 2005 Nachfolger von Thilo Kleine bei der Bavaria, war, so erinnert er sich im Gespräch, schnell überzeugt. „Ich wußte, daß das funktionieren kann.“ Besonders, sagt Esche, mit Behrendt in der Rolle eines gebrochenen Helden.

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