22.10.2008 · Bei Comedy Central ist endgültig die Luft raus: Mit minimalem Kostenaufwand, Personalwechseln und mangelndem Mut zur Kreativität ließ sich einfach kein erfolgreiches Programm machen. Ende des Jahres schrumpft der Sender zum Programmfenster beim Kinderkanal Nick.
Von Peer SchaderManchmal läuft es einfach nicht so, wie man sich das als Programmmacher vorgestellt hat: Da gründet man einen schönen Sender, kauft jede Menge Programme ein, will junge Talente fördern und eigene Shows produzieren - und dann schalten die Zuschauer einfach nicht ein. Eine Unverschämtheit, dieses Publikum.
Nicht ganz zwei Jahre nach dem Start ist beim Spartenkanal Comedy Central endgültig die Luft raus. Mit großen Ankündigungen hatte der Medienriese Viacom im Januar 2008 einen deutschen Ableger seines amerikanischen Programms gestartet - aber die Marktanteile waren enttäuschend, das Programm war‘s auch, vor einem Jahr verließ Senderchef Markus Andorfer den Laden (siehe: Wechsel bei Comedy Central und Nick) und vor wenigen Wochen sind heimlich, still und leise fast alle Eigenproduktionen aus dem Programm entsorgt worden. Neue Shows mit deutschen Comedians sind derzeit nicht geplant, stattdessen läuft mehr Auslandsware. Die neue Senderchefin Karola Bayr sagt: „Nächstes Jahr wird es erst einmal keine neue Eigenproduktion geben - es sei denn, wir finden einen Werbepartner, der sich für das Konzept interessiert.“ Lediglich die vor zwei Jahren vom WDR übernommene Sendung „Nightwash“ soll es weiter geben - noch ist der Vertrag dafür nicht unterschrieben.
Erst Kinderprogramm, dann Comedy
Aber es kommt noch dicker: Zum Jahreswechsel schrumpft MTV Networks, zu dem Comedy Central in Deutschland gehört, seinen jüngsten Sender auf Kleinformat. Comedy Central verliert seine Eigenständigkeit, das Programm wird zum Kindersender Nick hinübergezogen, wo es ab 20.15 Uhr das bisherige Abendprogramm ersetzen soll und bis 6 Uhr morgens durchläuft. „Nick ist in der Daytime stark, Comedy Central am Abend - insofern liegt es nahe, die beiden Programme auf einer Plattform zu kombinieren“, sagt Bayr. Was sie nicht sagt, ist: Das ist das Eingeständnis, dass ein 24-Stunden-Comedysender in Deutschland nicht funktioniert.
Der Versuch, endlich einen Kanal fürs erwachsene Publikum zu etablieren, ist für MTV Networks (zu dem MTV, Viva und Nick gehören) gründlich schief gegangen. Dabei war die Idee durchaus eine gute: Ex-Senderchef Andorfer versprach, Platz für Comedy zu schaffen, die auf den großen Sendern keine Chance habe, weil sie zu wenig dem Mainstream entspreche. Junge Talente sollten sich ausprobieren dürfen, eigene Shows bekommen.
Kein Plan für die Zukunft
Nur hat das offenbar nicht gereicht, um genug Leute einschalten zu lassen. Der Sender verärgerte Fans, indem er sämtliche Einkäufe, auch Kultserien aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten, deutsch synchronisierte, anstatt sie wenigstens zusätzlich im Original zu zeigen. Am späten Abend liefen bis Anfang Oktober Call-in-Shows, die das Spätpublikum verschreckten. Und Eigenproduktionen, von denen die meisten eher nicht so witzig waren, wurden innerhalb von zwei Jahren bis zu fünfzehn Mal wiederholt. Stattdessen werden künftig alte Shows der großen Privatsender noch einmal gezeigt, unter anderem „Rent a Pocher“ von Pro Sieben.
„Eigenproduktionen kosten deutlich mehr als Lizenzware, das hat sich aber nicht in entsprechendem Maße auf die Marktanteile ausgewirkt“, sagt Channel-Managerin Bayr, die erst seit Juli an Bord ist, über den jetzigen Strategiewechsel. Musiksender-Chef Elmar Giglinger, der für Andorfer eingesprungen war, hatte vor wenigen Monaten noch ganz anders geklungen, machte aber auch nicht den Eindruck, als brächte er für seine neue Aufgabe besondere Begeisterung auf. Seit Ende Juli ist er bei Comedy Central nicht mehr in der Verantwortung. Und auch die Zusammenarbeit mit Produzent Oliver Mielke („Blondes Gift“), der Anfang 2008 als Berater geholt worden war, dauerte offenbar nicht lange.
Im Sommer war bereits MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann überraschend gegangen, jetzt sitzt der Niederländer Dan Ligtvoet auf ihrem Stuhl - und muss gleich bekannt geben, dass es einen seiner Kanäle bald nicht mehr geben wird.
„Comedy für ein Taschengeld“
Das Personalchaos hat nicht gerade dazu beigetragen, die Künstler, mit denen Comedy Central im Gespräch war, weiter davon zu überzeugen, dass dieser Sender eine echte Alternative zum Einerlei der Großen sein könnte. Comedians, die eigene Shows produzierten, erzählen, dass es vor dem Senderstart zwar eine große Aufbruchstimmung gab - aber schon damals so gut wie kein Geld. Mit lächerlichen Minutenpreisen sollte Comedy entstehen, die beim Publikum mit der von RTL und Sat.1 zu konkurrieren hatte. „Wir können nicht dauerhaft für ein Taschengeld eine ganze Show auf die Beine stellen“, sagt einer, der dabei war. Aber auch: „Ich bedauere, dass das gescheitert ist.“
Einen besonders durchdachten Eindruck macht die neue Programmstrategie nicht. Wer vor vier Wochen bei MTV Networks nachfragte, wohin Comedy Central steuert, wurde vertröstet. Offenbar gab es bis vor kurzem in Berlin keinen Plan, was mit dem Programm geschehen solle.
Jetzt ist beschlossen: Auf der Frequenz des Kindersenders Nick läuft bereits ab 15. Dezember das zweigeteilte Programm. Mit minimalem Kostenaufwand soll ein Prozent Marktanteil am Abend erreicht werden. Die auch bei Erwachsenen erfolgreiche Trickserie „Spongebob“ wird um 19.45 Uhr die letzte Nick-Sendung sein, bevor Comedy Central mit „Family Guy“ und „Futurama“ anschließt. „Damit können wir auf einem ganz anderen Niveau in die Primetime starten, als das bisher der Fall war“, sagt Bayr. Jedenfalls so lange, bis es sich MTV Networks wieder anders überlegt. Und das kann bekanntlich ziemlich schnell gehen.
Nur die Fans verärgert?
Heinz Ebermann (CESA)
- 23.10.2008, 13:31 Uhr