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FAZ.NET-Frühkritik: Reinhold Beckmann Ansonsten droht der Kollaps

 ·  Reinhold Beckmanns Sendung mit dem Titel „Pflege Deinen Nächsten – das Leid der Betroffenen und die Last der Angehörigen“ begann erst kurz vor Mitternacht. Schade. Die Zuschauer konnten nämlich etwas lernen: Über sich selbst und ihre Eltern.

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Hans-Peter Blume

Anmerkungen

Leider erfahre ich aus dem Artikel nicht, inwiefern es in Schweden leicht ist, alt zu werden.
Wie ist dort das Pflegeproblem gelöst? Die Aussage des japanischen Ministers erinnert mich an die Legende von alten Eskimos, die ins Eis gehen und dort verschwinden, wenn ihre Zeit gekommen ist.
Statt "der Verdienst" müßte es übrigens "das Verdienst" heißen. Ich will annehmen, daß es sich um einen Schreibfehler handelt.

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Hannelore Schäfer

Rollenverständnis?

Nun, wenn ich sehe, dass die Witwenrente gekürzt wird, die Lebensarbeitszeit verlängert wird, dann stellt sich die Frage, ob es nur an einem neuen Rollenverständnis liegt, dass sich Frauen nicht mehr ausschließlich um die Pflege Angehöriger kümmern, sondern ob sie dies nicht einfach deswegen nicht tun, weil in dieser Zeit kein eigenes Einkommen/eigene Rentenansprüche erwirtschaftet werden.

Natürlich will man die Eltern etc. gut versorgt sehen. Wenn aber die Folge dieses Einsatzes die eigene Altersarmut ist (bei Kinderlosen zusätzlich mit dem Gedanken, dass man sich selbst um seine Pflege kümmern oder halt sterben muss), dann überlegt man sich das zweimal, ohne gleich ein eiskaltes, berechnendes Biest zu sein.

Es wird an der Zeit, dass sich die Menschen mit Patientenverfügungen etc. beschäftigen. Liegen diese vor, ist sehr vieles wesentlich leichter zu organisieren. Mal abgesehen davon, dass Kinder nicht zum Zwecke der eigenen Pflege gezeugt werden sollten.

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 01.02.2013 13:09 Uhr

Des Pudels Kern

"Der Verdienst einer Frau Rosenberg ist es, der Gesellschaft deutlich zu machen, dass weibliche Selbstbestimmung Folgen hat."

Und die sind nicht nur auf die Angehörigenpflege zu beschränken. Der Rollenwandel der Frau wirkt sich auf jede andere Rolle und Position in der Gesellschaft aus, was aber -der einseitigen, unkritischen und ideologieverseuchten Debatte sei dank- einfach nicht zur Sprache kommt. Die Rollenerwartungen an Männer sind diffus und widersprüchlich, Aufgaben, die vor der Emanzipation selbstverständlich von Frauen wahrgenommen wurden, verschwinden nicht, aber niemand will sie übernehmen. Ein zweifelhafter Verdienst der Frauenbewegung (der neben vielen positiven Errungenschaften steht) ist es, altruistisches Verhalten abzuwerten. Kindererziehung, Ernährung, Haushalt und Pflege werden entweder delegiert (vom Wochenbett in die Krippe, Restaurant, polnische Putzfrau, Altersheim) oder finden aus Geld- und/oder Lustmangel nicht hinreichend statt. Eine fatale Entwicklung.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.02.2013 20:00 Uhr
Anna Menz
Anna Menz (Anna_Menz) - 01.02.2013 20:00 Uhr

Das ist kein zweifelhafter Verdienst der Frauenbewegung

sondern das Ergebnis der jahrhundertelangen Erwartung, dass dies widerspruchs- und entlohnungslos von Frauen übernommen wird.
Und ja, Sie haben Recht, die Aufgaben will keiner mehr übernehmen. Aber mir erschließt sich jetzt nicht, aus welchem Grund sie meinen, dass nur Frauen altruistisches Verhalten zeigen sollten. Meinen Sie, dass Männer nicht imstande sind altruistisches Verhalten aufzuwerten und Angst um ihren sozialen Status haben?

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Vera Mertens
Vera Mertens (Emmalo) - 01.02.2013 10:44 Uhr

Sozialversicherungsbeiträge - welche Rolle spielen denn soziale Kriterien?

Eine Witwe mittleren Alters, berufstätig mit mittlerem Einkommen, schulpflichtige Kinder, pflegebedürftige Eltern, kümmert sich in ihrer spärlichen Freizeit um ihre Familie. Sie zahlt hohe Krankenversicherungsbeiträge, zusätzlich auch noch für ihre Kinder, wenn die Halbwaisenrente über einem niedrig bemessenen Freibetrag liegt. In der Pflegeversicherung erhält sie eine minimale Vergünstigung - eine Regelung, die der Intervention der Verfassungsrichter bedurfte. Zum Vergleich: Lebenspartner von gut verdienenden GKV-Mitgliedern ohne Verpflichtungen gegenüber betreuungsbedürftigen Angehörigen sind beitragsfrei, sofern sie gegenüber der GKV angeben, kein eigenes Einkommen zu haben (was in den meisten Fällen nicht mal überprüft wird). Solidarität lässt sich in diesem System nur schwer erkennen - da hilft auch das viele Schönreden nicht.

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Max Kofod
Max Kofod (kofod) - 01.02.2013 10:32 Uhr

Die Situation heute ist anders

Der Artikel liegt nach meiner Meinung daneben. Klar, vielleicht hat sich das Rollenverhalten verändert und Töchter/Schwiegertöchter sind nicht mehr so bereitwillige Pflegekräfte. Der Hauptpunkt scheint mir aber dass unser "Gesundheitssystem" Leben erhält ohne Abwägung der Belastung für die Angehörigen/Gesellschaft. Im gewissen Sinne produziert das Gesundeitssystem Pflegefälle. Extrem überspitzt könnte man es so sehen, die Aktiven der Bevölkerung finanzieren das Gesundheitssystem und erhalten dafür Pflegefälle zurück. Ich glaube wir werden unausweichlich genau die gleichen Schlußfolgerungen anstelle wie der zitiete japanische Politiker.

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K. Peter Luecke

Die Pflege und Betreuung muss umfaassend neutral staatlich geregelt sein !

Denn es wäre eine Katastrophe, wenn damit die Kinder belastet würden. Die haben wahrlich Anderes zu tun! Als Pflegebedürftiger könnte ich das gar nicht verantworten. Pflege/Betreuung gehört in die Hand von Profis, die dafür Zeit haben und dafür bezahlt werden - denen man als Pflegebedürftiger im Zweifel auch schon mal die Meinung sagen kann und denen gegenüber man auch Anforderungen stellen darf. Im familiären Umfeld kommt stark erschwerend hinzu, dass die (Pflege)beziehungen von Verpflichtungsgefühlen unf wechselseitigem schlechten Gewissen geprägt sind. Das ist für beide Seiten kontraproduktiv - und hat Folgen! Ich spreche hier aus 40 bis 50 Jahren direkter und indirekter Erfahrung. Leider hat die Politik (wieder mal) es versäumt, dafür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen beschäftigt man sich lieber mit billiardenschwerden Euro-Rettungsschirmen ... für selbst inszenierte Fehlentwicklungen.

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Martin Schmidt
Martin Schmidt (amsbisc) - 01.02.2013 09:32 Uhr

Apropos Tabu

Warum wird die Aussage des japanischen Finanzministers als Folge einer fehlgeleiteten Diskussion dargestellt?
Zumindest mit seinem ersten zitierten Satz stimme ich voll überein.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.02.2013 10:22 Uhr
Günther Werlau

Sterben dürfen, wenn man es möchte

Kann nicht fast jeder sterben, wenn er es möchte? Man muss schon sehr eingeschränkt sein (Lähmung ab Halswirbel o.ä.) wenn das nicht möglich sein soll.

Das Problem ist doch ein anderes: Entscheidet Effizenzdruck darüber, ob ein Mensch leben darf oder sterben muss? Über den sanften Druck, das (unnütze/ineffiiziente) Leben doch bitte schön enden zu lassen ist schon in den 70ern diskutiert worden ("soylent green"). Allerdings war das Entsetzen über solche Gedanken damals wahrscheinlich größer als heute. Die Frage ist doch: Wollen wir vorher entscheiden, ob wir in eine solche Richtung gehen (und ggf. gegensteuern, wenn man es nicht will) oder wollen wir uns durch die normative Kraft des Faktischen durch eine passive Haltung dahin treiben lassen. Im zweiten Fall könnte man zumindest sagen: "Unsere Welt ist so kalt geworden, aber man kann ja nichts machen, wenn man als Kind seine Eltern zum Abschuss frei gibt."

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01.02.2013, 07:26 Uhr

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