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FAZ.NET-Frühkritik: Jauch Das Leben danach

 ·  Wie übersteht ein Mensch Folter, seelische Grausamkeit und Gefangenschaft? Günter Jauch spricht mit Natascha Kampusch, dem Entführungsopfer Johannes Erlemann und dem Journalisten Marcus Hellwig.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (14)
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Gert Muz
Gert Muz (HerrOber) - 20.02.2013 10:58 Uhr

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Eine Zumutung, dass Jauch mit seiner Schnute so ein Thema moderieren darf.

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Heiner Peters

Der Fall Kampusch war/ist durch seine "Einzigartigkeit" für die Medien und die Öffentlichkeit

von großen Interesse gewesen. Natascha Kampusch entschied sich, vermutlich durch entsprechende Beratung, öffentlich über ihren Fall zu sprechen. Ihr erster Auftritt im Fernsehen soll - ich habe die Beiträge nicht gesehen - Artikeln zufolge viele beeindruckt haben.

Dagegen entschied sich die von Josef F. missbrauchte und jahrelang gefangen gehaltene Tochter gegen den Schritt in die Öffentlichkeit.

Es gibt wohl kein Patentrezept, wie die Opfer mit dem erlittenen Leid gegenüber der Öffentlichkeit umgehen sollen. Manchen hilft es, anderen schadet es. Wäre ich selbst betroffen, würde ich nicht an die Öffentlichkeit gehen.

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Felix Huber
Felix Huber (FelixAH) - 18.02.2013 18:05 Uhr

Gegenseitiger Respekt

Schuldzuweisungen an den Moderator, die Medien generell oder an Opfer, die sich der Öffentlichkeit stellen, finde ich kaum zielführend. Die Opfer/Täterrollen verlaufen fließend. Frau Natascha konnte wählen, ob sie ihren Geburtstagabend in einer Livesendung im Fernsehen verbringen will, oder nicht. Sie konte sich den Sendern (wer mehr zahlt?) und Interviewpartner aussuchen, die Vorgehensweise abstimmen.
Ihren Schritt dazu finde ich mutig, vorbildlich gut für die Bewältigung ihres Traumas in Gefangenschaft und danach. Mit Medien hat sie Übung und wird weiter dazu lernen.
Die durch und durch medialisierte Gesellschaft (von Unterhaltung, Kultur, bis Pornos und Krimis) muss es sich gefallen lassen, den Spiegel vorgehalten zu bekommen und darf nicht vergessen, dass allgegenwärtig menschliche Verbrechen geschehen und Zivilcourage erforden.
Fragen: (Fehl-)Leistungen der psychologisch/sozialen Rehabilitation? Was machte den Entführer derart krank und kriminell?

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Dirk  Lehmann

Ein weiterer lesenswerter Artikel zur Sendung..

... findet sich in der Sueddeutschen Zeitung online von heute.

Die Autorin dort spricht mir aus der Seele...

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Edelbert Hackenberg

Menschenmissbrauch durch die Medien?

Ich glaube, dass die Natascha K auf schlimmste Art von den Medien missbraucht wird - auch wenn es Natascha evtl garnicht bewusst ist. Man muss sich nur einmal vorstellen, man waere als Kind im "Vor-Twitter, -YouTube Zeitalter" gewaltsam von der Bildflaeche verschwunden und in eben diesem Zeitalter als junger Erwachsener wieder aufgetaucht und lauter "besorgte" Menschen um einen herum wollen einem "nur helfen". Mal ganz abgesehen von dem gestoerten Reifeprozess durch der Abwesenheit von Schule, Eltern, Freunde, normalem Leben usw.
Ich wurde Natascha raten, Namen wechseln, ins Ausland gehen um dort, ohne Druck, sich langsam in die aktuellen Lebensformen zu integrieren, die ihr zusagen.
Selbst wenn Natascha eine raffinierte Selbstvermarkterin* ist, die, solange es noch geht, aus ihrer Vergangenheit Kapital schlaegt, langfristig versaut sie sich selbst ihre Zukunft.
*) = dann wurde sie ein zweites Mal entfuehrt und in die Isolationshaft eines "Berufs"-Missbrauchsopfers hineingetrieben

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Maria  Berger

"Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten,

die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann". ( Mt 10,18)

Was Kinderschänder nicht vollenden können, besorgen empathiefreie, seltsam unreife Moderatoren, "Medienprofis", abgehalfterte Filmemacher und sensationslüsternes Publikum.
Ich werde nie die ersten Fotos von Natascha Kampusch vergessen, die sie madonnengleich zeigen, in einer seltsam unberührbaren Unschuld. Soetwas hält der postmoderne Mensch nicht mehr aus, ja er glaubt nicht mehr an eine seelische Jungfräulichkeit.
Um sie zu widerlegen ,würde er einen Internetanschluß in ein dunkles Verließ einbauen lassen und über twitter seine Unsäglichkeiten verbreiten.

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Dirk  Lehmann

Hier wurde ein 25 jähriger, junger Mensch hemmungslos ausgenutzt...

Die Kampusch wurde offensiv ins Verhör genommen, als ihre trotz langjährig eingespielter oberflächlicher Indifferenz offen sichtbare Schwierigkeiten mit der Situation immer deutlicher wurden und sie bisweilen kaum noch ganze Sätze herausbekam, wurde Jauch immer aggressiver und stellte bald hauptsächlich nur noch Suggestivfragen, die die Kampusch nach kurzem Überlegen, welche Antwort wohl erwünscht sei, mit "JA" oder "Nein" beantwortete.
JEDE Frau hätte das besser hinbekommen, denn sie hätte wenigstens ein MINIMUM an Achtung gehabt und dort den Film-Promotions-Fragenkatalog nicht weiter abgearbeitet.

Jauch hat sich hier demaskiert als sensations-Wolf im Lieblingsschwiegersohn-Pelz mit aufgesetzter Mitgefühls-Maske.

Wie kann man einen so jungen Menschen nur so hemmungslos instrumentalisieren??

Für mich als Zuschauer schien das seitens der Kampusch wie ein "déjà vu" , denn es war ein Rollenspiel mit ähnlicher Machtverteilung, wie sie es jahrelang erdulden musste.

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Josef Mertens
Josef Mertens (Prisko) - 18.02.2013 10:49 Uhr

Sensationsgeil...

...hat denn jemand von Typen wie Jauch, Lanz und Co etwas anderes erwartet? Ich nicht - wäre es nicht der Fall Kampusch, ich erspare mir normalerweise solche "Moderatoren", sie sind eben der Spiegel der Gesellschaft unserer Republik.

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Erika Feustel
Erika Feustel (Erfe) - 18.02.2013 10:43 Uhr

Erbitte Schonung der Allgemeinheit

vor diesem perfiden Herrn Jauch, dem ich per Zwangsgeldrekrutierung eine goldene Nase finanzieren muss.
Das Geld wäre besser in Opferhilfe angelegt.

Wer ein paarmal die Ratesendungen Jauchs angeschaut hat, kann es nicht mehr übersehen: Jauch dirigiert fortwährend mit mokantem Mund seine Gesprächspartner, um sie der Dramaturgie der Sendung anzupassen.
Manchmal hilft er, gefährlich wird es für seine freiwilligen "Opfer", für die es um ein Vermögen oder Blamage geht, wenn er Hilfe vortäuscht, aber Verwirrung stiftet und sie vor einem Millionenpublikum vorführt.
Nicht anders hat er sich gegenüber Frau Kampusch verhalten.

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michael hergen

Friede der gepeinigten Seele

Natürlich gibt es ein Copyright über das eigene Leben. Frau Kampusch hätte auf Filmrechte, Geld und Publicity verzichten können, wenn sie das gewollt hätte. So ist ein Film herausgekommen, der die Sensationslust der Zuschauer befriedigt. Wie der Psychologe auch sagte, ist es ein schmaler Grad, die Opferolle über einen langen Zeitraum auszuhalten, wenn man sich in Talksendungen begibt. Und die Dinge wieder viel (zuviel?) Platz über das Leben gewinnen. Das Leben somit immer kürzer wird. Ein neues Leben ist damit sicher nicht möglich. Und irgendwann sollte auch diese "Trauerarbeit" abgeschlossen sein, damit Frau Kampusch ihren Frieden findet und sich den schönen Dingen des Lebens zuwenden kann.

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Birgit Annette Scholz

Die Decke des Schweigens ....

muss gelüftet werden nach solch traumatischen Erlebnissen, die im menschlichen Beziehungskontext stattfinden. Wenn die Decke des Schweigens liegen bleibt, haben die "Geister des Geschehens" Macht und treiben fortwährend ihr Unwesen im Verborgenen.
.
Wann und in welcher Form das geschieht, ist jedoch ausschließlich Sache des Opfers. Das hat in der Tat nichts mit Exhibitionismus zu tun, sondern ist Teil der Aufarbeitung eines widerwärtigen Geschehens, welches sich nachhaltig und oft unauslöschlich in das Körpergedächtnis einbrennt. Wenn unsensible Menschen dies nicht verstehen und in roher Weise kommentieren, sagt das eine Menge aus über den emotionalen Zustand dieser Zeitgenossen, die selbst vermutlich in irgendeiner Weise traumatisiert worden sind.
.
Mich hat das Interview mit Natascha Kampusch berührt. Mich hat ihre offensichtlich hohe Fähigkeit zur Resilienz beeindruckt und ich wünsche ihr feinfühlige Menschen, mit denen sie lernt, zu vertrauen.

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Dirk  Lehmann

Jauch menschelt zwar oberflächlich, aber zu tiefer Empathie scheint er nicht fähig zu sein...

er führte die bewundernswert gefasst bleibende Kampusch immer unter dem Vorwand der Anteilnahme wie im Zirkus wieder vor, anstatt sie selber zu Wort kommen zu lassen.

Die Kampusch hat dabei - wie sie es bei ihrem früheren Peiniger gelernt hat - einen indifferenten bis freundlichen Gesichtsausdruck aufgesetzt, aber wer in Gesichtern lesen kann, sah das für Sekundenbruchteile aufblitzende Entsetzen über die inhaltlich brutale Vorgehensweise Jauchs. Für die Quote ist er zu allem bereit.

Nicht nur dazu, in skandalöser Art die Frau VOR MILLIONENPUBLIKUM mit ihren regelmäßigen Vergewaltigungen in Form einer solchen Szene zu konfrontieren, nicht nur mit den Kommentaren perverser Psychotiker im Internet, sondern auch noch zu der wohl dämlichsten Frage, die ein Mensch stellen kann:
Ungefähr so: "Liegt ihr Unvermögen, anderen Menschen zu vertrauen, darin, daß Sie acht JAhre Niemanden Hatten, dem Sie vertrauen konnten?"
Die Sendung zeigte, daß man auch Moderatoren nicht vertrauen sollte..


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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.02.2013 10:27 Uhr
Dirk  Lehmann

Die sensationsgeilheit der Sendung konnte man auch darin erkennen...

... daß mal wieder KEIN EINZIGES WORT zur Problematik des Opferschutzes und der Opferhilfe in unserer Gesellschaft fiel.

Denn dort liegt immer noch vieles im Argen, wie man indirekt den Kommentaren der 3 betrofenen entnehmen konnte. Herr Erlemann wies ja darauf hin, daß er nie professionelle Hilfe bekam und erst JAhre später quasi autodidaktisch mit einer ansatzweisen verarbeitung begann. Folge: ER träumt noch heute jede Nacht von den traumatischen Ereigneissen.

Doch diese Steilvorlagen für eine SERIÖSE Diskussion abseits der sensationslüsterenen DArstellung der Sendung ignorierte Jauch "Souverän" und zeigte lieber skandaöserweise den Filmausschnitt und ließ sich dann auch noch freundlich bestätigen, daß die Kampusch exakt gegen solch eine erneute emotionale Vergewaltigung angekämpft hat.PERVERS!

Die Kampusch war auch wohl eher von den Filmproduzenten dazu genötigt worden, durch ihren Auftritt den Film zu promoten - hat Jauch da als Investor möglicherweise finanzielle Interessen ???

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Angelika M. Schäfer

Natascha Kampusch

Wer Natascha Kampusch in der Sendung gesehen hat, konnte ihr Leiden erkennen.

Nicht nur der Einspieler, sondern die Tatsache, dass über ihre Kindheitsgefangenschaft ein Film gedreht wurde ist empörend! Es ist geradezu ein Skandal, wenn ihre Bitte die peinigenden Vorgänge öffentlich nicht ( mehr) zu thematisieren, für das Drehbuch einfach keine Rolle spielte. Nein, es wurde einer jugendlichen Darstellerin zugemutet die Szenen des kindlichen Missbrauchs zu spielen.
Wie taktlos, wir gefühllos, wir sinnlos, wie moralfrei ist unsere Gesellschaft?

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18.02.2013, 08:25 Uhr

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