18.02.2013 · Wie übersteht ein Mensch Folter, seelische Grausamkeit und Gefangenschaft? Günter Jauch spricht mit Natascha Kampusch, dem Entführungsopfer Johannes Erlemann und dem Journalisten Marcus Hellwig.
Von Hubert SpiegelRichtlinien für Lesermeinungen
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Eine Zumutung, dass Jauch mit seiner Schnute so ein Thema moderieren darf.
Der Fall Kampusch war/ist durch seine "Einzigartigkeit" für die Medien und die Öffentlichkeit
von großen Interesse gewesen. Natascha Kampusch entschied sich,
vermutlich durch entsprechende Beratung, öffentlich über ihren
Fall zu sprechen. Ihr erster Auftritt im Fernsehen soll - ich habe die
Beiträge nicht gesehen - Artikeln zufolge viele beeindruckt haben.
Dagegen entschied sich die von Josef F. missbrauchte und jahrelang
gefangen gehaltene Tochter gegen den Schritt in die Öffentlichkeit.
Es gibt wohl kein Patentrezept, wie die Opfer mit dem erlittenen Leid
gegenüber der Öffentlichkeit umgehen sollen. Manchen hilft es,
anderen schadet es. Wäre ich selbst betroffen, würde ich
nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Schuldzuweisungen an den Moderator, die Medien generell oder an Opfer,
die sich der Öffentlichkeit stellen, finde ich kaum
zielführend. Die Opfer/Täterrollen verlaufen fließend.
Frau Natascha konnte wählen, ob sie ihren Geburtstagabend in einer
Livesendung im Fernsehen verbringen will, oder nicht. Sie konte sich den
Sendern (wer mehr zahlt?) und Interviewpartner aussuchen, die
Vorgehensweise abstimmen.
Ihren Schritt dazu finde ich mutig, vorbildlich gut für die
Bewältigung ihres Traumas in Gefangenschaft und danach. Mit Medien
hat sie Übung und wird weiter dazu lernen.
Die durch und durch medialisierte Gesellschaft (von Unterhaltung,
Kultur, bis Pornos und Krimis) muss es sich gefallen lassen, den Spiegel
vorgehalten zu bekommen und darf nicht vergessen, dass
allgegenwärtig menschliche Verbrechen geschehen und Zivilcourage erforden.
Fragen: (Fehl-)Leistungen der psychologisch/sozialen Rehabilitation? Was
machte den Entführer derart krank und kriminell?
Ein weiterer lesenswerter Artikel zur Sendung..
... findet sich in der Sueddeutschen Zeitung online von heute.
Die Autorin dort spricht mir aus der Seele...
Menschenmissbrauch durch die Medien?
Ich glaube, dass die Natascha K auf schlimmste Art von den Medien
missbraucht wird - auch wenn es Natascha evtl garnicht bewusst ist. Man
muss sich nur einmal vorstellen, man waere als Kind im
"Vor-Twitter, -YouTube Zeitalter" gewaltsam von der
Bildflaeche verschwunden und in eben diesem Zeitalter als junger
Erwachsener wieder aufgetaucht und lauter "besorgte" Menschen
um einen herum wollen einem "nur helfen". Mal ganz abgesehen
von dem gestoerten Reifeprozess durch der Abwesenheit von Schule,
Eltern, Freunde, normalem Leben usw.
Ich wurde Natascha raten, Namen wechseln, ins Ausland gehen um dort,
ohne Druck, sich langsam in die aktuellen Lebensformen zu integrieren,
die ihr zusagen.
Selbst wenn Natascha eine raffinierte Selbstvermarkterin* ist, die,
solange es noch geht, aus ihrer Vergangenheit Kapital schlaegt,
langfristig versaut sie sich selbst ihre Zukunft.
*) = dann wurde sie ein zweites Mal entfuehrt und in die Isolationshaft
eines "Berufs"-Missbrauchsopfers hineingetrieben
"Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten,
die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch
vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen
kann". ( Mt 10,18)
Was Kinderschänder nicht vollenden können, besorgen
empathiefreie, seltsam unreife Moderatoren, "Medienprofis",
abgehalfterte Filmemacher und sensationslüsternes Publikum.
Ich werde nie die ersten Fotos von Natascha Kampusch vergessen, die sie
madonnengleich zeigen, in einer seltsam unberührbaren Unschuld.
Soetwas hält der postmoderne Mensch nicht mehr aus, ja er glaubt
nicht mehr an eine seelische Jungfräulichkeit.
Um sie zu widerlegen ,würde er einen Internetanschluß in ein
dunkles Verließ einbauen lassen und über twitter seine
Unsäglichkeiten verbreiten.
Hier wurde ein 25 jähriger, junger Mensch hemmungslos ausgenutzt...
Die Kampusch wurde offensiv ins Verhör genommen, als ihre trotz
langjährig eingespielter oberflächlicher Indifferenz offen
sichtbare Schwierigkeiten mit der Situation immer deutlicher wurden und
sie bisweilen kaum noch ganze Sätze herausbekam, wurde Jauch immer
aggressiver und stellte bald hauptsächlich nur noch
Suggestivfragen, die die Kampusch nach kurzem Überlegen, welche
Antwort wohl erwünscht sei, mit "JA" oder
"Nein" beantwortete.
JEDE Frau hätte das besser hinbekommen, denn sie hätte
wenigstens ein MINIMUM an Achtung gehabt und dort den
Film-Promotions-Fragenkatalog nicht weiter abgearbeitet.
Jauch hat sich hier demaskiert als sensations-Wolf im
Lieblingsschwiegersohn-Pelz mit aufgesetzter Mitgefühls-Maske.
Wie kann man einen so jungen Menschen nur so hemmungslos instrumentalisieren??
Für mich als Zuschauer schien das seitens der Kampusch wie ein
"déjà vu" , denn es war ein Rollenspiel mit
ähnlicher Machtverteilung, wie sie es jahrelang erdulden musste.
...hat denn jemand von Typen wie Jauch, Lanz und Co etwas anderes
erwartet? Ich nicht - wäre es nicht der Fall Kampusch, ich erspare
mir normalerweise solche "Moderatoren", sie sind eben der
Spiegel der Gesellschaft unserer Republik.
Erbitte Schonung der Allgemeinheit
vor diesem perfiden Herrn Jauch, dem ich per Zwangsgeldrekrutierung eine
goldene Nase finanzieren muss.
Das Geld wäre besser in Opferhilfe angelegt.
Wer ein paarmal die Ratesendungen Jauchs angeschaut hat, kann es nicht
mehr übersehen: Jauch dirigiert fortwährend mit mokantem Mund
seine Gesprächspartner, um sie der Dramaturgie der Sendung anzupassen.
Manchmal hilft er, gefährlich wird es für seine freiwilligen
"Opfer", für die es um ein Vermögen oder Blamage
geht, wenn er Hilfe vortäuscht, aber Verwirrung stiftet und sie vor
einem Millionenpublikum vorführt.
Nicht anders hat er sich gegenüber Frau Kampusch verhalten.
Natürlich gibt es ein Copyright über das eigene Leben. Frau Kampusch hätte auf Filmrechte, Geld und Publicity verzichten können, wenn sie das gewollt hätte. So ist ein Film herausgekommen, der die Sensationslust der Zuschauer befriedigt. Wie der Psychologe auch sagte, ist es ein schmaler Grad, die Opferolle über einen langen Zeitraum auszuhalten, wenn man sich in Talksendungen begibt. Und die Dinge wieder viel (zuviel?) Platz über das Leben gewinnen. Das Leben somit immer kürzer wird. Ein neues Leben ist damit sicher nicht möglich. Und irgendwann sollte auch diese "Trauerarbeit" abgeschlossen sein, damit Frau Kampusch ihren Frieden findet und sich den schönen Dingen des Lebens zuwenden kann.
muss gelüftet werden nach solch traumatischen Erlebnissen, die im
menschlichen Beziehungskontext stattfinden. Wenn die Decke des
Schweigens liegen bleibt, haben die "Geister des Geschehens"
Macht und treiben fortwährend ihr Unwesen im Verborgenen.
.
Wann und in welcher Form das geschieht, ist jedoch ausschließlich
Sache des Opfers. Das hat in der Tat nichts mit Exhibitionismus zu tun,
sondern ist Teil der Aufarbeitung eines widerwärtigen Geschehens,
welches sich nachhaltig und oft unauslöschlich in das
Körpergedächtnis einbrennt. Wenn unsensible Menschen dies
nicht verstehen und in roher Weise kommentieren, sagt das eine Menge aus
über den emotionalen Zustand dieser Zeitgenossen, die selbst
vermutlich in irgendeiner Weise traumatisiert worden sind.
.
Mich hat das Interview mit Natascha Kampusch berührt. Mich hat ihre
offensichtlich hohe Fähigkeit zur Resilienz beeindruckt und ich
wünsche ihr feinfühlige Menschen, mit denen sie lernt, zu
vertrauen.
Jauch menschelt zwar oberflächlich, aber zu tiefer Empathie scheint er nicht fähig zu sein...
er führte die bewundernswert gefasst bleibende Kampusch immer unter
dem Vorwand der Anteilnahme wie im Zirkus wieder vor, anstatt sie selber
zu Wort kommen zu lassen.
Die Kampusch hat dabei - wie sie es bei ihrem früheren Peiniger
gelernt hat - einen indifferenten bis freundlichen Gesichtsausdruck
aufgesetzt, aber wer in Gesichtern lesen kann, sah das für
Sekundenbruchteile aufblitzende Entsetzen über die inhaltlich
brutale Vorgehensweise Jauchs. Für die Quote ist er zu allem
bereit.
Nicht nur dazu, in skandalöser Art die Frau VOR MILLIONENPUBLIKUM
mit ihren regelmäßigen Vergewaltigungen in Form einer solchen
Szene zu konfrontieren, nicht nur mit den Kommentaren perverser
Psychotiker im Internet, sondern auch noch zu der wohl dämlichsten
Frage, die ein Mensch stellen kann:
Ungefähr so: "Liegt ihr Unvermögen, anderen Menschen zu
vertrauen, darin, daß Sie acht JAhre Niemanden Hatten, dem Sie
vertrauen konnten?"
Die Sendung zeigte, daß man auch Moderatoren nicht vertrauen sollte..
Die sensationsgeilheit der Sendung konnte man auch darin erkennen...
... daß mal wieder KEIN EINZIGES WORT zur Problematik des
Opferschutzes und der Opferhilfe in unserer Gesellschaft fiel.
Denn dort liegt immer noch vieles im Argen, wie man indirekt den
Kommentaren der 3 betrofenen entnehmen konnte. Herr Erlemann wies ja
darauf hin, daß er nie professionelle Hilfe bekam und erst JAhre
später quasi autodidaktisch mit einer ansatzweisen verarbeitung
begann. Folge: ER träumt noch heute jede Nacht von den
traumatischen Ereigneissen.
Doch diese Steilvorlagen für eine SERIÖSE Diskussion abseits
der sensationslüsterenen DArstellung der Sendung ignorierte Jauch
"Souverän" und zeigte lieber skandaöserweise den
Filmausschnitt und ließ sich dann auch noch freundlich
bestätigen, daß die Kampusch exakt gegen solch eine erneute
emotionale Vergewaltigung angekämpft hat.PERVERS!
Die Kampusch war auch wohl eher von den Filmproduzenten dazu
genötigt worden, durch ihren Auftritt den Film zu promoten - hat
Jauch da als Investor möglicherweise finanzielle Interessen ???
Wer Natascha Kampusch in der Sendung gesehen hat, konnte ihr Leiden erkennen.
Nicht nur der Einspieler, sondern die Tatsache, dass über ihre
Kindheitsgefangenschaft ein Film gedreht wurde ist empörend! Es
ist geradezu ein Skandal, wenn ihre Bitte die peinigenden Vorgänge
öffentlich nicht ( mehr) zu thematisieren, für das Drehbuch
einfach keine Rolle spielte. Nein, es wurde einer jugendlichen
Darstellerin zugemutet die Szenen des kindlichen Missbrauchs zu spielen.
Wie taktlos, wir gefühllos, wir sinnlos, wie moralfrei ist unsere
Gesellschaft?