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FAZ.NET-Frühkritik: Hart aber fair Entscheidet die D-Mark-Partei die Wahl?

 ·  Frank Plasbergs Talkrunde streitet über die neue eurokritische Partei AfD. Deren Chef Bernd Lucke nutzt die Fernsehbühne recht geschickt. Wem die AfD Stimmanteile wegnehmen könnte, wurde aber leider nicht besprochen.

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36 Prozent der Bürger bejahen laut Umfrage den Satz „Deutschland braucht den Euro nicht“ – den Leitsatz der neuen eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD). 37 Prozent fänden es gut, wenn eine solche Partei im Bundestag säße. Diese beiden Ergebnisse einer neuen Infratest-Umfrage präsentierte Frank Plasberg in seiner Talksendung mit dem Titel „Den Euro einfach abwählen – entscheidet die D-Mark-Partei die Wahl?“. Das „klingt wie eine Revolution“, meinte Plasberg über die neue Alternative. Deren Gründer Bernd Lucke erhielt viel Redezeit und nutzte sie recht geschickt.

Hart und spannend war die Sendung, weil sie neben ökonomischen auch politische Bruchlinien aufzeigte, zugleich aber auch fair: Denn die Vertreter der etablierten Parteien verzichteten weitgehend darauf, den Wirtschaftsprofessor und Euro-Rebellen Lucke als Europafeind zu diffamieren. Stattdessen versuchten sie es mit Argumenten. Nur Michel Friedman konnte sein Temperament schwer zügeln.

„Alternativlos als Vorschlaghammer“

Vor genau drei Jahre ist die Eurokrise offen ausgebrochen. Bis dahin hieß es laut Maastrichter Vertrag, dass kein Land im Euroraum für die Schulden anderer haften müsse. Dieses Versprechen ist gebrochen worden. Inzwischen gibt es dauerhafte Krisenfonds und große Risikoposten. Eine ganz große Koalition von CDU/CSU und FDP sowie SPD und Grünen hat im Bundestag stets für diese Eurorettungspolitik gestimmt. Eine wirkliche parlamentarische Alternative gab es für bürgerliche Wähler nicht, obwohl laut Umfragen Teile der Bevölkerung gegenüber den Rettungspaketen sehr skeptisch eingestellt sind.

Das ändert sich nun mit der AfD. Erstaunlich ist, wie sich der politische Diskurs, zumindest in solchen Talkshows, schon jetzt gewandelt hat. Das Wort „alternativlos“ über die Rettungspolitik – Plasberg nennt es den „Vorschlaghammer im politischen Werkzeugkasten der Kanzlerin“ – will keiner mehr in den Mund nehmen.

Auch Lucke will keinen abrupten Euro-Ausstieg

Lucke beklagte, dass in der Vergangenheit alle Diskussionen im Keim erstickt worden seien. Er versuchte klarzumachen, dass er keineswegs einen abrupten Ausstieg Deutschlands aus dem Euro oder zwingend eine Rückkehr zur D-Mark propagiere, wohl aber den Ausstieg der Südländer, die mit dem Euro ökonomisch nicht zurecht kämen. Wolfgang Bosbach, der in der CDU wegen seiner Kritik an der Euro-Rettungspolitik regelrecht gemobbt wurde, saß lächelnd neben ihm und nickte ihm freundlich zu. Er warnte vor Frust in der Bevölkerung, wenn kritische Stimmen mundtot gemacht werden. 

Als Bosbach und Lucke dann von Plasberg an einen gesonderten Tisch gebeten wurden, wo sie über ihre guten und schlechten CDU-Erfahrungen plauderten, rückten sie erstaunlich nahe zusammen – räumlich und politisch. Bosbach verneinte zwar, dass er jemals zur AfD übertreten werde, doch die inhaltlichen Schnittmengen sind groß. Er lächelte auch, als ihm Lucke sagte, er werde als eurokritisches „Feigenblatt“ der Merkel-CDU missbraucht und sei eine „tragische“ Figur. Über die neue Konkurrenz von Lucke, die der CDU wichtige Stimmen wegnehmen dürfte, sagte der rotbackige Rheinländer kein schlechtes Wort. Es sei falsch, die AfD zu beschimpfen oder sie zu diskriminieren.

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