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FAZ.NET Frühkritik: Anne Will „Wo ist der demokratische Prozess?“

 ·  Erst waren Eliten verpönt, dann planlos, jetzt abgeschottet. Anne Will versuchte sich an einen schwierigen Begriff. Doch was eine interessante Diskussion hätte werden können, verlor sich in einem Vorgeschmack auf den Wahlkampf.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (40)
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Veronika Pajak
Veronika Pajak (synlab) - 27.05.2013 11:30 Uhr

Die Durchlässigkeit des Systems wird durch den Neid selbst verhindert

stammt man von einer unteren Schicht kann man sicher sein, dass soziale Kontrollmechanismen dieser Schicht verhindern, dass man aufsteigt. Neid-Agressionen und soziale Haltemechanismen verhindern ganz einfach, dass man sich von dieser Schicht entfernt. Irgendwann gibt man dann auf, weil die sozialen Kontakte wichtiger sind als Ehrgeiz, Karriere und Geld.

Kein Wunder also, dass Leute, die Vermögen und Geld haben, sich vor diesem ständigen Neid schützen wollen. Diese ständigen Angriffe sind einfach zu anstrengend.

Man geht den Leuten aus dem Weg, die einen ständig runter ziehen und sucht seines gleichen: Leute, die sich am Leben freuen wollen und an dem, was sie geschaffen haben ohne sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen oder ständig Neid-Angriffe abwehren zu müssen.

In Deutschland kann es jeder zu was bringen und falls nicht, macht das auch nichts, denn ein einfaches Leben kann auch sehr schön sein. Wichtig ist, dass wir alle sozial abgesichert sind.

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Rüdiger Kalupner

die relevante Elite ist in der Systemkrise der Gesellschaft eine 'revolutionäre Gruppe'

Die Systemkrise der Industriestaaten - EU und USA - reduziert die relevante Elite auf jene 'revolutionäre Gruppe', die den Exodus aus der Weiter-So-Herrschaft mit der evolutionssystem-eigenen Systemlösung durchsetzt.

Nach Erkenntnissen der Chaosphysik muß diese Kleinstgruppe nur über die Erkenntnisse der Kleinst-Innovation (= Geniepunkt-Impuls des Systems) verfügen, der in einem konkreten Krisenszenario dann sofort dominomächtig, d.h. heute global dominomächtig wird.

Die Herrschafts-Elite des Ancien Régime kämpft einen Totschweigekampf gegen diese Geniepunkt-Akteure. Es geht allein um Zeitgewinn. Alle Spitzen der Medien, der Parteien, usf. sind sich in einem Art Honecker-Clan gegen die System-Perestroika vereinigt. Da Angela Merkel zur revolutionären Gruppe gehört, d.h. ein Gorbatschowa ist, wird sich dieser Totschweigekampf nicht mehr lange bis zur Medienmauer-Öffnung hinziehen.

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thomas pritzl
thomas pritzl (gaitox) - 24.05.2013 17:29 Uhr

Ernüchternd deutsch

Ich bin in den 70er Jahren zur Schule gegangen, habe in den 80er Jahren studiert. Damals waren Klassen in D durchlässig, derjenige, der Energie besass, konnte "aufsteigen". Die "Eliten" zu dieser Zeit waren zumeist humanistisch gebildet und standen im Austausch mit Personen, die weniger priveligiert waren. Diese Gesellschaft war solidarisch. Das ÖR Rundfunksystem funktionierte und informierte den Bürger anstatt ihm Information vorzugaukeln. Zu dieser Zeit hätte eine Diskussion so nicht stattfinden können. Moderatoren wussten zu polarisieren, was Postitionen erkenntlich werden lässt. Frau Will hätte sich selbst zum Beispiel nehmen können. Wo ist der demokratische Prozess bei den ÖR, wie werden Positionen vergeben und warum blockiert eine Medien-Elite junge vor allem kritische Redakteure beim Aufstieg? Dieses elitäre Abschotten bringt gesellschaftlich nichts. Aber dies ist gerade der Sinn solcher Talkrunden: Schön, dass wir darüber gesprochen haben. Ernüchternd.

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Klaus Müller

Solange Eliten ihre Vermögen anlegen,

vergrößern u. damit dem Markt u. damit dem Konsum entziehen, wrd sich die "Schere" weiter öffnen.
Woher konnem denn die immensen Gewinne, die große Vermögen geschickt angelegt, erzielen? Genau, indirekt aus dem Geldbeutel der sog. NEIDER, denen eben dieses Geld nicht mehr zur Verfügung steht, um es in unsere Wirtschaft hinein zu verkonsumieren u. nicht dem Geldkreislauf zu entziehen.
Kuibicki war so still, weil er der Gegenseite u. sich selbst eingestehen mußte, wie recht diese hat u. er in der falschen Patei Mitglied ist...
Wöhlers Auslassungen bedienten genau das Thema "Abgehobenhet" der Eliten mit eben den Klischees, die den E. vorgeworfen werden. Weshalb sagte ihm das keine/r?

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.05.2013 11:20 Uhr
Peter Gorski

Herr Wöhrl durfte sogar Unwahrheiten verbreiten,

wie dass nach den grünen Steuerplänen jeder ab 4.000€ Monatseinkommen mehr Steuern zu bezahlen hätte!
Ein Steuerfachmann wie Kubicki weiss natürlich sehr genau, dass dies erst ab Einkommen über 5.500€ der Fall wäre und man mit 4.000€ sogar weniger Steuern zu bezahlen hätte!
Es gibt in D. soviele erfolgreiche Unternehmer, die wirklich etwas zu sagen hätten und auch ethisch und gesellschaftl. Bedenken an den momentane Entwicklungen hegen.

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Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 23.05.2013 20:23 Uhr

Der Wertewandel: von „Eliten“ reden, wenn „Geldadel“ und „Neureich“ gemeint ist.

Fast alles wird heute über Geld definiert. Bis Mitte des 20.Jh. gab es noch eine gewisse Deckung zwischen Elite und Geld, einfach, weil gute Erziehung und Bildung eine Frage des Familienvermögens war. Doch die Auflösung hatte bereits nach WK1 eingesetzt, und zwar ziemlich schlagartig mit dem Ende der K&K-Monarchie, als alle bürgerlichen und adeligen Familien, deren Besitzungen außerhalb der österr. Kernlandes (heutiges Österreich) lagen, diese verloren und wirtschaftlich ruiniert vor dem Nichts standen. Doch Bildung und Tradition blieben auch unter den präkeren Verhältnissen erhalten. Sie waren noch immer Eliten – halt ohne Vermögen, na und? Wahre Elite definierte sich nie über Geld! Gleiches passierte in D nach WK2 (Ostgebiete!). Wahre Elite steht wieder auf, auch wenn sie Schlimmstes erleben mußte und „ganz unten“ angekommen war. Als Beispiel sei Marion Gräfin Dönhoff genannt. Was sich heute „Elite“ schimpft, saß bei Anne Will herum und redete über Hoeneß (Ausnahme: Hr. Hartmann).

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 23.05.2013 19:36 Uhr

Gerade in Deutschland ist die Klassendurchlässigkeit nahe Null

Klassengesellschaften sind per definitionem „prekär". „In sich geschlossen“ scheint allenfalls die falsche Ideologie in solchen Gesellschaften. Als ein „notwendiges Phantasma" definierte Karl Marx solche Ideologien. An dieser Stelle über die konkrete Ausgestaltung der Klassen in Deutschland zu reden, würde allerdings den Rahmen der Diskussion hier sprengen. Ich empfehle meinen Blog. Eine aktuelle Klassenanalyse halte ich allerdings für überfällig, wenn auch nicht als notwendige Voraussetzung, um die Existenz von Klassen zu erkennen. Worüber streiten wir denn beim Thema Mindestlohn oder überzogene Managergehälter? Über Klassenprivilegien und Ausbeutung! Die gleich wie auch immer zu beschreibende und hier kritisierte „Elite“ bedingt auf der gegenüberliegenden Seite „Massen“, welche von dieser ausgebeutet werden, gar verarmen. Die Zunahme der Armut ist nicht mehr zu bestreiten, somit die Stabilität von Klassenstrukturen. Gerade in Deutschland ist die Klassendurchlässigkeit nahe Null.

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Tilo Amsberg

Achtung Selbstüberschätzung

Fehlentwicklung seit 1949: Gemeinden, Kreise und Länder verlieren tröpfelweise, aber beständig Einnahmen und Entscheidungsmacht an "den Bund". Jetzt auch an "Bruxelles". Kürzlich war zu lesen, dass eine Untersuchung zu belegen scheint, dass in der Gesellschaft erfolgreiche Menschen dazu neigen, ihre eigene Urteilskraft zu überschätzen (Henne und Ei mal beiseite). Wie eine der vorherigen Kommentatorinnen schon bemerkte: Wir tun uns schwer schon mit Demokratie. In der Schule wurde meiner Generation, baby boomer, alles vorgesetzt, echter Gedankenaustausch vernachlässigt. Das war bequem, die Löhne stiegen, Arbeitslose gab es kaum. Jetzt wird die Rechnung zäh-endlos präsentiert: Regiert von Konfirmanden und Opportunisten, deren Führungsqualitäten im entseeligen Ausführen des Wirtschafts-Kurses ihren Ausdruck finden.

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Otto Meier

Die selbsternannten Eliten haben sich in der Show die Verachtung wieder einmal redlich verdient.

Es ist doch selbstverständlich, daß niemand zu den "Eliten" gezählt werden will, obwohl sie oder er sich selbst durchaus dazu zählt, dann aber ohne Gänsefüßchen. Richtig ist sicherlich, daß funktionale Macht und der Begriff der Elite zusammengehören. Die Frage, ob Elite dann mit oder ohne Gänsefüßchen zu schreiben ist, beantwortet sich ausschließlich aus dem Umgang mit der Macht. Die Art der Erlangung und der Umgang mit der erlangten Macht haben allerdings in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, daß es sich überwiegend nur noch um (selbsternannte) "Eliten" handelt.

Diese "Eliten" sind immer seltener durch eigene Leistung bzw. durch eine den Begriff rechtfertigende Leistung in Machtpositionen gelangt, die sie dann ohne eigene Zweifel zu ihrem eigenen Vorteil genutzt haben. Wasser predigen und Wein trinken, das zeichnet "Eliten" aus. Das zeigt aber auch, daß sie sich vom Rest der Menschheit schon so weit entfernt haben, daß sie selbst nicht mehr verstehen, warum sie "Eliten" sind.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2013 17:25 Uhr
Wolfgang G. Runte

Bravo

Sehr gut, so ist es. Vor allem, wenn sie sich dann noch als Berufspolitiker titulieren. Ich bekomme da regelmäßig einen Lachkrampf ob solcher Selbstüberschätzung.

Bedauerlich nur, daß gerade die Medien (teilweise auch eine FAZ - leider) dieses Spiel nur zu gerne mitspielen.

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Norbert Ennen

Eliten und Stiftungen

Kurz vor Ende der Sendung während des Einspielers zum Thema Stiftungen bin ich richtig zusammengezuckt. Da meinte Frau Will doch tatsächlich, wir sollten uns für das Engagement eines Dietmar Hopp's für seinen Hoffenheimer Dorfclub bedanken. Unglaublich.

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Ekke Hoffmann

Zu einseitige Begriffsdefinition von "Elite"

Mir war die Diskussion durch die strake Beschränkung des Begriffs "Elite" auf Reichtum (Geld) und funktionaler Macht viel zu flach. Dadurch gab es wieder die typisch deutschen Neid-Debatten, vorallem wenn Ideologen in der Runde sitzen. Für mich geören die Menschen zur Elite eines Volkes, die Verantwortung für andere übernehmen und tragen, die diese Verantwortung und ihren Einfluss (Macht) zum Wohle der Gemeinschaft ausüben und die durch ihre Handlungen, Lebensweise und Haltung (Charakter) Vorbildwirkung auf viele Menschen ausüben. Zu behaupten, dass solche Eliten den Kontakt zur Basis verloren hätten, zeigt m. E., dass die ideologisch geprägten Teilnehmer von einem falschen Elite-Begriff ausgingen und Frau Will anscheinend überfordert war, die entstehende Neiddebatte zu verhindern.

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Uwe Kaufmann
Uwe Kaufmann (moonland) - 23.05.2013 12:32 Uhr

Definiere das Wort "Eliten" ...

Verpönt, planlos, abgeschottet? Sind etwa jene inkompetenten Seilschaften gemeint, die sich gern in Unternehmensmanagement und Politik festsetzen? Die sich gemäß "Peter-Prinzip" gegenseitig die lukrativen Pöstchen zuschanzen? Diese den kompetenteren Arbeitnehmern unterhalb der Managerkaste gut bekannten, im Job völlig überforderten Nullnummern ohne echte Führungskompetenz, ohne Weitblick und ohne jede Ahnung bzgl. ihres Jobs?
Sind es die vielen BWL-Hohlbirnen, die von den Unis kommen und die z. B. die dt. Rechtschreibung nicht einmal ansatzweise beherrschen (E-Mails und Geschäftsbriefe voller Schreibfehler)? Vom Job verstehen solche "Eliten" ebenso wenig wie von den Grundregeln der Menschenführung und der sozialen Verantwortung.
Oder halten sich Politiker selbst für "Eliten" ...? Ha ha ha ha!
Oder sind die Steuerflüchtlinge mit den operierten, glattgezogenen Fratzen damit gemeint, die uns täglich im TV auf Jachten/in Villen vorgeführt werden? Verhärmt,verlebt, amoralisch, großkotzig.

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2013 17:57 Uhr
Wolfgang G. Runte

@Kratel

Sorry, aber wahrscheinlich gehören Sie zu der von Herrn Kaufmann definierten Gruppe. Denn das Wort NIX gibt es für mich in der deutschen Sprache nicht. Selbst wenn es ein Duden als umgangssprachlich darstellt. Da neuerdings auch Wikipedia bzw. Wikitionary - in der deutschen Ausgabe - unverblümt nur noch vom Duden abschreibt, wird es dort genauso wie im Duden zitiert. Allerdings hat der Duden für mich infolge unüberlegter Wortübernahmen, wie zB das public viewing (auf Deutsch müßte man es "Publik Viehwing" schreiben), seine Autorität verloren.

Tja, da kann man wohl NICHTS machen.

Elite sein ist eben nicht einfach und ich zähle mich auch nicht dazu.

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Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 23.05.2013 21:09 Uhr

Hr. Hartmann - ein realitätsferner Theorethiker?

Von der ganzen „Leider-nein-Elite“ bei Anne Will erschien er mir der einzige mit tragender und glaubwürdiger Argumentation. Ihre Annahme bzgl. Roma und Sinti würde er allerdings zurückweisen, denke ich. Ich kenne Hr. Hartmann nicht, gebe nur meinen Eindruck anhand der gestrigen Runde wieder.

Ansonsten kann ich Ihren Ausführungen nur beipflichten.

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Michael Kratel

Tja,

da kann man wohl nix machen. Dann werden sie wohl zukünftig ohne einen Begriff "Elite" wandeln müssen.

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Uwe Kaufmann
Uwe Kaufmann (moonland) - 23.05.2013 14:25 Uhr

Ja? Wo denn?

Sollen die Eliten diese ominösen "high potentials“, die Hochbegabten und Stars von sogenannten "Eliteuniversitäten" sein? Unis mit teils seltsamen Vorstellungen von der Bewertung gefakter Doktorarbeiten á la zu Guttenberg und wie sie alle heißen?
Echte "high potetials" verlassen doch in weiten Teilen das Land, ein Deutschland, dass Ihnen keine echten Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Diese Leute werden zu Eliten in USA, Kanada etc..
Wenn ein realitätsferner Theoretiker wie Herr Hartmann Eliten als jene Gruppe von Menschen, die in der Lage sind, „gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen“ benennt, so heißt das lediglich, dass auch die derzeit mit Bussen in die deutschen Sozialsysteme einwandernden Sinti und Roma vom Balkan "Eliten" nach seiner Definition sind. Sie beeinflussen die gesellschaftliche Entwicklung enorm!
Wie Sie sehen, lieber Herr Kratel, theoretisches Geseiere und Wahlkampf ohne Bezug zur Realität führen nicht weiter.
Meine Frage bleibt deshalb offen.

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Michael Kratel

Hm,...

... die Antwort finden sie doch im Artikel.

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Gunnar Schurich

Eliten vs Exzellenzen; Vorurteile vs Wirklichkeit

Genau 10 Minuten und diese Fernsehkritik brauchte ich, um mir das Anschauen der Wiederholung der Anne Will Sendung zu ersparen. Verpönt zu sein und sich als Gruppe ab zu schotten; nicht zu bestimmten Gruppen zugehörig sein zu wollen, aber alles und jeden irgendwie zu Gruppen dazu zu ordnen und der Beginn der Fernsehsendung, die Existenz von Gruppen, zu denen man selber nicht gehören möchte, sehr genau beschreiben zu können, aber die eigene Gruppe nicht, enthält den eigentlichen sozialen Sprengstoff. Denn so wird Wirklichkeit verwischt und nicht mehr erkannt. Zu erkennen gilt es aber, uns Nützendes von Unnützem und gar Schädlichem zu unterscheiden und ein zu stufen. Soll - Kann - Muss - Darf oder andere Nützlichkeits- oder Leistungstaxonomien brauchen wir. Und wir brauchen endlich wieder das Bewusstsein dafür, dass dann immer irgendetwas an der Spitze steht, heraus ragt: die Exzellenz. Sie fest zu stellen ist nötig!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2013 16:03 Uhr
Rüdiger Kalupner

Exzellenz muß in der Systemkrise die Machtfrage an die Positionsinhaber stellen.

Die aktuelle Wirklichkeit ist 'Systemkrise/Endphase einer Epoche', die als Epoche der KAPITALSTOCK-Maximierung erkannt ist. Folgen wird eine 'Wirtschafts- und Kulturverfassung, die die menschlichen Fähigkeiten maximieren wird, wie es die Vertreter des Deutschen Idealismus visionierten und von Goethe als Herrschaft des HUMANUM in den 'Wanderjahren' dargestellt hat.

Exzellenz besteht in dieser Wirklichkeit nur dort, wo Menschen die Machtfrage an das Ancien Régime stellen und Epochenwechsel-Projekt schultern - also als 'revolutionäre Gruppe', die bei Hölderlin, Hegel, Goethe, Schelling ansetzt, und den Deutschen ORDOliberalismus weiterentwickelt und realisiert. Alles Große ist bekanntlich genial einfach. Wo gibt es in D diese Exzellenz? Goethe 'Das Wahre wäre leicht zu finden, doch eben das genügt euch nicht'. Ich sehe nur Angela Merkel mit Thomas de Maiziére und Kurt Biedenkopf in dieser Gruppe.

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 23.05.2013 11:42 Uhr

Kampf gegen eine Elite schlechthin

Marxisten gehen davon aus, dass jeder Klassenkampf ein politischer Kampf ist. Der Kampf zweier Systeme. Und dieser Kampf wird in allen Epochen der Geschichte über lange Zeit verdeckt geführt. So kann es auch kommen, dass man diesen Kampf als Nebenwiderspruch verkennt. Ökonomische Kämpfe der Lohnarbeiter können unter bestimmten Umständen sich zu Klassenkämpfen entwickeln, sind dies aber nicht aus sich heraus. Denn genau dafür bedarf es des Marxismus, jener Wissenschaft, welche den Klassenkampf schließlich auf den Begriff brachte. Auch eine solche Talkshow kann als Klassenkampf verstanden werden. Als Kampf zweier Systeme. Auf der einen Seite befindet sich jene „Elite“, die ihre Klassenprivilegien verteidigt, auf der anderen Seite stehen die Massen, welche sich Stück für Stück jenes Bewusstsein erkämpfen, das notwendig ist, um einen solchen Klassenkampf überhaupt erfolgreich zu führen. Nämlich als Kampf um die Abschaffung der Klassengesellschaft, als Kampf gegen eine „Elite" schlechthin.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 23.05.2013 13:51 Uhr
Michael Kratel

Gab es denn...

... mal "eine einigermaßen zusammenhängende, kulturell homogene "Gesellschaft" in Deutschland"?

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Uwe Kaufmann
Uwe Kaufmann (moonland) - 23.05.2013 13:40 Uhr

Klassengesellschaft ...? Welche der 180 "Gesellschaften" in Deutschland meinen Sie?

Aus welchem Zeitalter sind Sie entsprungen, Herr Binsack? Schon einmal bemerkt, das eine einigermaßen zusammenhängende, kulturell homogene "Gesellschaft" in Deutschland an sich nicht mehr existiert? Wie jedes Grüppchen nur noch an sich denkt? Von den 15 Millionen Menschen aus 180 oder mehr Fremdstaaten, die sich in Deutschlands Städten in enorm wachsender Zahl konzentrieren und eigene Parallelgesellschaften bilden, gespeist aus deren Heimatländern und fernab vom spießigen, grünen Beamten-Establishment und seiner gutmenschelnden Gartenzwergromantik, ganz zu schweigen!
Sie kommen dem DITIP-Mullah aus Anatolien und 5 Mio. Muslimen in Deutschland mit dem "Bewusstsein für Klassenkampf" aus der Steinzeit der deutschen Industrialisierung im 19. Jhrd.? Sie kommen den herumgeschubsten Zeit- und Lohndumping-Arbeitern mit kruden Theorien, den von Steuern belasteten, aber trotzdem durch ökon. Weitsicht erfolgreichen Mittelständlern der Industrie mit "Klassenprivilegien"?
Wo leben Sie denn?

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 23.05.2013 12:43 Uhr

Da haben Sie aber alle Hände voll zu tun,

wenn Sie Hartmanns Elitedefinition einer Gruppe von Menschen, die in der Lage sind, gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen, zu Grunde legen. Sie müssten neben Politikern auch Großunternehmen, Kulturschaffende, einflussreiche Medien, Spitzenforschung, Kirchen, Gewerkschaften, Lobbygruppen, ohne das Adverb "maßgeblich" auch alle Arbeitgeber, Familien, Wissenschaft, Justiz, Kunst, Musik, Medien und den Besitz selbst abschaffen. Das Ergebnis wäre die totale Anarchie im schlechtesten Sinne. Was glauben Sie wohl, wie schnell sich in einem solchen System neue Eliten bilden würden?

Charmant an dieser Idee finde ich, dass das linksgrüne Milieu sich unter diesen Umständen nicht mehr zu Anwälten der Unterdrückten und scheinbar Unterdrückten stilisieren könnte, sondern sich als Inbegriff der Elite verstehen müsste. Das könnte einigen ziemliche Probleme in der Selbstwahrnehmung bereiten. ;)

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 23.05.2013 11:02 Uhr

Eine sehr gute Frühkritik, die bis auf einen Punkt alles anspricht, was gestern fehlte.

Was aber auch einmal mehr deutlich wurde, war der fundamentale Denkfehler der Linken. Fakt: Die Eliten rekrutieren sich vorwiegend aus sich selbst heraus. Annahme: Alle Menschen haben die Möglichkeit, "nach ganz oben" zu kommen. Lösung: Wir müssen mehr Geld in die Förderung sozial schwacher oder scheinbar sonst irgendwie benachteiligter Gruppen schicken.

Zunächst ist die Annahme falsch. Nicht nur die Intelligenz wird in einem nach wie vor unklaren Verhältnis zur Sozialisation vererbt, auch Dinge wie Frustrationstoleranz oder Ehrgeiz. Das einzige, worauf man als Staat sehr begrenzten Einfluss hat, ist die Sozialisation. Es mögen 10 - 20% sein, die man unter idealen Bedingungen an diesen Faktoren verändern kann.

Auch die Lösung ist falsch. Nicht nur, dass man Gymnasien und Universitäten mit kaum geeigneten Personen flutet und das Niveau herunterschraubt, um sie zu Abschlüssen zu bringen, auch die zentrale, unflexible Mittelverschwendung hat bisher keine positive Veränderung bewirkt.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 23.05.2013 21:52 Uhr
Hans Winter
Hans Winter (Tell590) - 23.05.2013 21:52 Uhr

@J.Cavelage – Wie erfrischend: Sie stellen den „American Dream“ in Frage!

Indem Sie die Möglichkeit in Abrede stellen und als falsch bezeichnen, alle Menschen hätten die Möglichkeit „nach ganz oben“ zu kommen, erteilen Sie nicht nur dem Schlagwort „vom Tellerwäscher zum Millionär“ eine Abfuhr. Nein, Sie stellen darüber hinaus den „American Dream“ in die Linke Ecke. Hochinteressant! Nun muß eine Entscheidung getroffen werden. Entweder sind die USA eine verkappte Sozi/Kommunistenbande, oder der US-Kapitalismus hat seit 200 Jahren Hunderte Millionen Menschen einer glatten Lüge nachjagen lassen – ähnlich wie der Esel, der der Rübe nachläuft, die ihm der Kutscher vor die Nase hält.

Also – was jetzt?

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Horst Lauersen

Genetische Elite

Das ist Vulgärgenetik der billigsten Sorte. Der Reichtum weniger speist sich also aus der genetischen Überlegenheit der "Elite". Das hatten wir in Duetschland doch schon einmal durchdekliniert. Gefühlte Herrenmenschen.

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Werner Busch

Da hat Herr Hartmann sich verplappert

Diese Eliten interessierten sich nicht mehr für die Lebenswelt jenes Bürgers, der in früheren Zeiten „Otto Normalverbraucher“ genannt worden ist. Genauso ist es.

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Lieschen Müller

Es fehlen Vorbilder!

Für mich fehlen die richtigen Vorbilder und auf allen Ebenen. Die Politik muss es vormachen, muss zeigen wie man verantwortungsbewusst mit Geld umgeht, Projekte richtig plant und durchführt, wie man sich nach seiner Decke streckt, um Budgetüberschreitungen zu vermeiden. Die Kirche muss zeigen wie man Sünden/Fehler bereinigt und daraus lernt, allem vorausgesetzt das Rechtssystem lässt eine zweite Chance zu. Und die Eltern sollten mal das beherzigen, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Oft lehren sie Kindern Recht von Unrecht zu unterscheiden, werfen aber selbst alle Vorsätze über Board, ziehen andere über den Tisch, missachten Privatspheren/Briefgeheimnisse oder Bereichern sich an fremdem Eigentum. Es ist ein Gemeinschaftswerk diese Gesellschaft. So wie der Herr, so sein Gescherr - heißt die jeweiligen Chefs müssen als gutes Beispiel vorangehen, den Ton setzen für den Rest der Mannschaft.

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Peter Gorski

Ich will in keiner *Almosengesellschaft* leben...Stiftungen, ja bitte, aber....

erst nach einem vernünftigen Steueraufkommen für eine gerechtere Gesellschaft!
Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen zu privaten Milliardenvermögen kommen und Stiftungen und andere Wohltaten Sozial-und Kulturpolitik ersetzen!
Wenn dann teils so schlichte Gemüter wie Herr Wöhrl zu entscheiden haben, wer oder was förderungswürdig ist, wenn immer mehr Menschen durch Erbschaft statt Leistung in den Zirkel der Eliten aufsteigen, dann kann ich das nicht als Entwicklung zum Guten im Sinne einer demokratischen Gesellschaft sehen!
Die Verweigerungshaltung der Eliten findet aber gerade in unseren Politikern den höchsten Ausschlag!
Herr Kubicki von der FDP war in dieser Sendung doch ein treffliches Beispiel.
Seltsam ruhig im Interessenkonflikt zwischen Parteiklientel, den Klienten seiner Steuerkanzlei und politischen Aufgabenstellungen!
Da braucht es keine linken oder grünen ideologischen Grundhaltungen,
der gesunde Menschenverstand kann das Problem klar erkennen:
Besitzstandswahrung!

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Max Herr

Eine sehr interessante Sendung?!

Wöhrl schien auch Intensivbesucher des Kirchentags gewesen zu sein. Mindestens 10 mal sprach er von "ganz offen gestehe ich, um mal ehrlich zu sein" etc. so dass sogar die Kirchenfrau angesteckt wurde um auch "ganz ehrlich zu sagen" dass sie gerne höhere Steuern zahlen wolle. Klaus Wiesehügel stellte die Frage, ob er denn aussehe wie ein Grüner. Immerhin war das einigermaßen originell. Im großen und ganzen waren da aber Leute zusammen, die zu müde waren um echte Gedanken einzubringen. Und so leierte man alles runter, was man seit Jahren runterleiert. Immerhin für mich ein Lernprozess: Ich möchte nie Unternehmer sein mit 500 Millionen im Hintergrund. Dann doch lieber Arbeiter am Band oder Mitarbeiter bei der Müllabfuhr. Das sollte man Herrn Wöhrl mal kurzzeitig verordnen. Ich wette, der flieht nach einer Stunde Anwesenheit mit seinem Privatjet in die Karibik zur Erholung!

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Klaus Letis

Viele der "Eliten" sind nur der äußeren Form nach Elitär

Das gilt auch für die roten und grünen Barone.

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Max Herr

Eine sehr interessante Sendung?!

Wenn man schon über Eliten redet, warum lädt man sie den dann nicht ein? Obwohl mein Eindruck war, dass da gestern schon die Leute gesessen haben incl. Anne Will die diese Elite sind, alles mehrfache Millionäre. Aber die taten so, als wenn die "wahre" Elite sich irgendwo versteckt hält wie ein scheues Reh. Trotzdem erfuhr man noch bemerkenswertes. Das z.B. ein Unternehmer mit 500 Millionen nicht reich ist, sondern Verluste einfährt, dass die Spaltung der Gesellschaft von unten nach oben ausgeführt wird, im Klartext: Die Proletarier grenzen die Elite aus. Weiterhin drohte Unternehmer Wöhrl, dass mancher Unternehmer ab 50 keinen Bock mehr hat und auch gerne auf Hart4 umsteigen wolle und was ein Superunternehmer alles so leisten müsse. Dann fragt man sich doch, welcher Hartz4- oder Normalangestellte dich derart braungebrannt und entspannt in Talgshows aufhalten kann um dort nichtssagende Statements abzugeben. Wörl spulte Sätze runter die so frisch waren wie ein gebrauchter Kaugummi.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2013 07:38 Uhr
Klaus Müller

Allles mehrfache Millionäre?

Wie es ein Soziologie Wissenschaftler zum Millionär bringen soll ist mir schleierhaft. Gleiches gilt für Fau Überschär.
Wöhrl dagegen traue ich zu, so gereizt wie er sich äußerte, mehr Vermögen zu besitzen als die komplette Runde inkl. Studiozuschauern zusammen. Jedenfalls verhielt er sich so!

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23.05.2013, 06:48 Uhr

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