18.02.2013 · Stefan Raab hat im deutschen Fernsehen schon mehrere angestaubte Formate aufgemöbelt. Nun soll er das Fernsehduell zur Bundestagswahl moderieren. Worauf hat man sich denn da einzustellen?
Von Marcus JauerRichtlinien für Lesermeinungen
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Die letzten guten Sendungen mit ECHTEN Diskussionen gab es in den 80er Jahren...
Einige kann man zumindest in Bruchstücken auf youtube noch sehen.
Es waren die sogenannten "Elefanten-Runden", in denen die
jeweiligen Spitzenpolitiker ALLER Parteien saßen. Und zwar
zusammen mit 2 Professionellen POLITIK-Fernsehjournalisten , die nicht
" moderierten" , sondern die Diskussion bisweilen knallhart
leiteten und nicht Gänseblümchen-Fernsehjournalismus betreiben mussten.
Die Reduzierung der Elefantenrunden mit Repräsentatnten von ALLEN
Parteien auf 2 Personen, die Das Kanzleramt anstreben, ist skandalös.
Denn sie schliesst wesentliche Alternative Parteien komplett aus.
Es werden aber PARTEIEN mit der Zweitstimme gewählt - aus guten,
historisch bestens bekannten Gründen eben NICHT Personen.
Wir müssen dringend wieder zurück - weg vom inszenierten
Schmierentheater und zurück zu harten Diskussionen. Nie war das
wichtiger als momentan !
Einfach nur schlechter Geschmack
Wer als Ausländer dieses Land betrachtet, das sich mit Phrasen wie "Land der Ideen" zu verkaufen sucht, kann nicht mehr begreifen, an welchem Tiefpunkt diese Republik angekommen ist. Ein Volk von Oportunisten, Mittelmaß und bis hinauf in die Politikkaste korruptem Verhaltens. Dieses Land hat nicht anderes verdient wie ein Mitkommentator feststellt, als Polit-Zirkus und Pseudo-Demokratie. Schade, dass diese Situationsbeschreibung den Horizont der Bürger dieses Landes, die sich selbst meist für ausgesprochen gebildet halten, bei weitem übersteigt. Schlechter Geschmack hat ein Markenzeichen: Made in Germany.
Und was machen die jeweiligen Politker mit dem vielen Geld ,das sie gewinnen ? Das eigene Girokonto ausgleichen ?!
Schrecklich, statt Auseinandersetzungen mit dringenden Sachthemen zu
behandeln (€-Desaster, Verschuldung, Enteignung durch
Retttungsschirme / EZB-Notenpresse...), betrachten die deutschen
Parteien, ihre Protagonisten und die Medien (wie hier im Beitrag) die
Bürger als Zuschauer in einem Zirkus. Die Zuschauer lassen es
bereitwillig mit sich machen, applaudieren den Clowns, der
Zirkusdirektorin und fragen sich nicht warum sie in diesen Zirkus
geraten sind (und dafür sogar bezahlt haben = hohe
Steuern/Abgaben). Mit dem Zirkusprogramm sind sie immer zufrieden (es
gibt nur ein).
Manchmal werfen die Clowns aus der Manege billige Bonbons den Zuschauern
zu. Einige flinke Zuschauer können diese sogar fangen und finden
dann den Zirkus toll (analog dem Elterngeld, Solarsubventionenn...).
Brot und Spiele in reinster Form.
Die Sendung war aus meiner Sicht gegeben dem Format gelungen.
Im Vergleich zu anderen Moderatoren lies Raab nicht locker.
Ein prominentes Beispiel wäre gewesen als die
Grünen-Politikerin implizierte, dass alle Parteien Chauvinisten hätten.
Zitat Raab: "Und die Grünen?" "Naja.."
"Also gibts nun welche? "Also...eigentlich.." "Was
nun?" "Nein es gibt keine", mit einem Gesicht, dass
Lüge förmlich schreit.
Sollte Raab noch die Eigenarten verlieren niveaulose Witze zu reissen,
wäre er viel besser geeignet als jemand der 90 Minuten
Sprechblasengemurmel zulässt.
Und die Autowerbung sollte auch nicht sein, jedoch immerhin besser als
der Rest der Talksendungen.
Vorschlag für den Titel der Raab-Sendung
Wie wär es mit:
"Deutschland sucht den Populisten-Star"
oder
"Phrasendrescher-Contest"
im Dritten Programm, wo ja auch so abgrundtief niveaulose sendungen wie
"Nachmieter gesucht" seit ewig laufen, könnte man noch
eine öff-rechtliche Konkurrenzsendung aufmachen:
" Demagogen - verzweifelt gesucht!"
Die Show "Deutschland sucht den Populisten-Star"...
...läuft ja immer im Abstand von vier Jahren - allerdings mit rückläufiger Quote.
DANKE für diesen souverän pointierten Artikel, der vielen -
wie auch mir - aus dem herzen spricht !
Allerdings muss ich Sie in einem einzigen Punkt korrigieren:
Soweit ich weiß, werden die Moderatoren zwar von den sendern
ausgesucht und vorgeschlagen, benötigen jedoch bereits seit langem
dem Placet der Matadoren im TV-Zirkus.
Ebenso werden seit mindestens 20 Jahren von den Wahlkampfteams die
Themen, ihre jeweilige Antwortdauer, Regeln für die
Gesprächspartner und minutiöse Inszenierung bis hin zur
Höhe des (verborgenen) Podests für kleinere Teilnehmer, Seite
der Position, Lichtdesign, Farben des Studios und
selbstverständlich auch disziplinierende regeln für die
Moderatoren vorgegeben.
wer ernsthaft glaubt, bei dem Schmierentheater würden noch ehrliche
Überzeugungen oder spontane Dialoge entstehen, dem ist nicht zu helfen.
Siehe Bundestag, bis in die 80er JAhre noch Ort ernsthaften Ringens um
politische Argumente und (ja, das gab es mal) PARTEIPROGRAMME.. jetzt
wird dort abgenickt
Sie beschreiben meines Erachtens ein Phänomän an dem unser
Land krankelt.
Sie sahen diese Show nicht ( sie war unterhaltsam und entlarvend, nur
witziger als das öffentlich-rechtliche Pendant), beurteilen von außen.
Was aber viel wichtiger für mich ist:
Auf der einen Seite behaupten Sie, Sie mögen den Moderator nicht
weil er schlechten Stil verfolgt, auf der anderen Seite gefällt
Ihnen dieser Artikel obwohl er unterschwellig mit einem sehr
ähnlichen Mittel arbeitet: der Abwertung!
Unserem Land mangelt es an Entscheidungswillen und
Durchhaltevermögen, das sind Hebel an denen wir ziehen sollten!
Es lebe der Boulevard... trotz EURO-Krise, EU-Korruption, Artensterben, Ekelfleisch und Kriegen.
Kinder, geht's und gut. Und jetzt bloß nicht über den
Tellerrand schauen oder tiefer in die Materie reindenken. Leisten wir
uns den Luxus die Bundestagswahl noch beliebiger und klamaukiger zu machen.
Oberflächlichkeit und Niveauverlust sind die neuen
Maßstäbe.
Machen wir es typisch deutsch, wenn etwas nicht so passt oder Publikum
und Presse zu langweilig ist, dann gestalten wir es ja nicht
niveuvoller, sondern verkehren es in's Gegenteil. Da moderiert dann eben
der Herr der Wok-WM den politischen Wettstreit um das Kanzleramt. Die
Hauptsache wir haben unseren Spaß... here we are now, entertain us.
Damit gewinnen wir keinen Schönheitspreis, wir kurbeln auch nicht
die Wettbewerbsfähigkeit an, wir gewinnen auch keine Inhalte oder
Sachthemen - das erledigen eh die Medien -, aber wir, Publikum und
Presse, kommen auf unsere Kosten.
Jammern über die Realität können wir dann wieder
hinterher, so machen wir es doch immer und es hat uns nie geschadet...
Habe die Sendung zwar nicht gesehen, weil ich Raab vermeide (er macht
Scherze gerne auf Kosten anderer, sehr stillos das). Aber ich habe
herzlich über den Kommentar lachen müssen. Schön
geschrieben, sehr unterhaltsam, man erhält eine sehr plastische
Vorstellung dessen, was da gelaufen ist.
BESTEN DANK AN DEN AUTOR!
....ob er wohl diese Politiker-Fragen beantwortet bekommt?
..."hadder denn da wat, un wenn ja, wat hadder da
hadder da watt glatt, oder hadder da wat haar da
hadder da wat, wat sonst keiner hat
oder hadder dat auf dat, dat wadder da hat"
auf ein anderes Niveau wird es (auch) dieses Format leider nicht
schaffen.
...hatte doch einen sehr lehrreichen Aha-Effekt. Nämlich den, wie man es nicht machen sollte. Beim Begrüßen der schon anwesenden Damen mit Handschlag sollte man die andere Hand nicht in der Hosentasche lassen, Herr Olli Schulz. Der Rest der Sendung war uninteressant.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.02.2013 13:25 UhrGutes Benehmen...
...ist veraltet, konservativ und rückwärtsgewandt.
Wäre dem nicht so, hielte man auch die Regel ein, den
Gesprächspartner ausreden zu lassen.
Ich finde die Sendung großartig. Schon allein die Zusammensetzung ist genial: 4 telegene, jugendliche Phrasenmaschinen werfen mit Parolen um sich, die natürlich nie die Komplexität der Sache erfassen, aber beim Wählerplebs gut ankommen. Populismus ist also nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Um das ganze auf die Spitze zu treiben, gibt es ein Preisgeld, das am Ende -natürlich- die hübscheste Kandidatin mit nach Hause nimmt. Politische Diskussion als oberflächlich-debiler Wettlauf. Eben genau wie bei WillPlasbergJauchMaischbergerIllner, nur eben ganz unverblümt durch Werbung und Productplacement finanziert. Besonders gut gefallen hat mir die Einladung von Olli Schulz als Betroffenen, Wutbürger und "Quotenmann" (umgekehrt wird in ARD und ZDF gerne, sofern es keine geeignete Expertin gibt, einfach trotzdem eine Frau eingeladen, um nicht in "patriarchale Muster" bzw. die Steinzeit zurück zu fallen) in einer Person. Weiter so.
....die Sendung rundum gelungen. Wichtige Themen, wie die Frauenquote,
wurden klar und deutlich angesprochen und es wurde unterhaltsam,
respektvoll und lösungsorientiert MITeinander geredet. Und
daß "First-Class"-Politiker nicht in diese Sendung
kommen, weil das Publikum abstimmen darf, sagt etwas darüber aus,
wie diese Herrschaften (auch Damenschaften (??)) über freie
Meinungsäußerung denken.
Alles ist ständig im Wandel, und man sollte sich überlegen, ob
auch die Präsentation von politischen Inhalten immer noch so
geschehen muss, wie vor 10 oder 20 Jahren.
MfG
FT
Das Deppenfernsehen auf dem Vormarsch
Über Stefan Raab muss man nicht viel sagen, verkörpert er doch das Deppenfernsehen, in dem es hauptsächlich um seichte Gags und Quote geht. Sollte er aber tatsächlich das sog. Fernsehduell Merkel-Steinbrück moderieren, dann kann man auch Dolly Buster zur Regierungssprecherin machen. Ist doch lustig ....
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.02.2013 09:43 UhrGenau das ist der Grund,
wieso Politikverdrossenheit vorhanden ist. Man mag über Raab
halten, was man will. Aber wirklich verstehen tun ihn die wenigsten
Zuschauer und lachen lieber über den vordergründigen Witz.
Das interessante ist doch, dass er unsere Politiker so sehr entlarvt mit
dieser Sendung. Keine Redefertigkeit, keine Inhalte, nur vorgedrucktes
Blablabla.
Steinbrück hätte mir echt imponiert, hätte er sich dem
Kanzlerduell mit Raab entzogen. Vielleicht wäre es unklug, aber es
wäre mal eine Meinung gegen die mediale Omnipräsenz. Da wird
übersehen, dass mit Raab als Moderator möglicherweise beie
Kanzlerkandidaten verlieren.
Ein Blick über den Teich hilft enorm. Sowohl Obama als auch Romney
sind begnadete Redner und der Wahlkampf ist "ehrlicher", da er
schmutziger ist und den "wahren" Charakter der Aspiranten
offenbart. Er ist natürlich millionenschwer, aber dafür gibt
es dort keine staatliche Parteienfinanzierung. Muss man es so machen?
Nein, aber ein bißchen mehr Rückgrat darf es sein.