Jemand hat eine juristische Dissertation aus Texten anderer Leute zusammengetragen, ohne das kenntlich zu machen. Er bestreitet das aber, wider jede Evidenz. Das ist sein Recht, aber auch sein Risiko, denn am Ende mag zum Plagiat noch das Bestreiten hinzukommen. Doch er hat viel zu verlieren. Er ist Verteidigungsminister und ein politisches Talent, dazu noch in den Umfragen überaus beliebt.
Wen würde man zu einer Fernsehdebatte darüber einladen? Anne Will und ihre Leute scheinen keinen Rechtsprofessor gefunden zu haben, der sich zeigen wollte oder zeigen ließ. Auch keinen Spezialisten für Plagiate, denn so etwas gibt es ja durchaus. Auch keinen anderen Wissenschaftler aus den vielen Kommissionen, die sich mit unmoralischem Verhalten oder Rechtsbrüchen in der Wissenschaft befassen. Nicht einmal einen Internetnutzer hat man offenbar bekommen, denn die bei „Anne Will“ mehrfach genannte Zahl von sechzig Stellen, an denen Karl Theodor zu Guttenberg plagiiert haben soll, war schon vor Sendebeginn im Internet (http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate) auf 270 von 393 Textseiten der Dissertation angewachsen. Man mag den einen oder anderen dieser Befunde anzweifeln, aber die Größenordung ist schon interessant.
Ein promovierter Regisseur und eine skandalerprobte Parteifreundin als Experten
Stattdessen waren da: der Fernsehregisseur Dieter Wedel, weil er auch einmal promoviert worden ist, Monika Hohlmeier (CSU), rücktritts- und skandalerprobt als nicht sehr hochrangige Parteifreundin, Alice Schwarzer, für die keines von beidem gilt, Hans Ulrich Jörges, der wie Frau Schwarzer ja bei vielen Themen dabei ist, weil sich beide eben im Fernsehen gut machen, und Karl Lauterbach (SPD) als einziger, der sich an der Universität auskannte.
Selbst für ihn war es jedoch schwer, die Schwere des Vorgangs deutlich zu machen. Das sei doch nur eine Verfehlung, kein Verbrechen (Wedel). Die Diskussion sei angesichts toter Soldaten unverhältnismäßig (Hohlmeier). Wissenschaftliche Fehler, na gut, aber die habe er ja zugegeben (Hohlmeier). Titel würden nur in Deutschland - und Österreich - so wichtig genommen (Schwarzer). Welcher Mensch mache keine Fehler? (Hohlmeier) Wen habe er denn geschädigt? (Hohlmeier) Guttenberg müsse sich vorkommen wie in einem Pogrom, einer Inquisition (Wedel).
Lauterbach: Guttenberg hat gelogen oder gelogen
Wedel, Hohlmeier und Schwarzer gaben deutlich zu verstehen, dass sie weder die Arbeit gelesen haben, noch zu beurteilen in der Lage sind, wie umfangreich das Plagiat ist, das Guttenberg abstreitet. Allerdings waren sich Wedel und Schwarzer einig, dass noch schlimmer als vielfaches Plagiieren wäre, wenn Guttenberg die ganze Arbeit nicht allein verfasst hätte. Lauterbach war hier ganz trocken: Entweder es war nicht Guttenbergs eigene Arbeit, dann hat er gelogen. Oder er hat selber kopiert, ohne zu zitieren, aber das bewusst, denn unbewusst könne man so viele Plagiate nicht begehen. Guttenberg hat also gelogen oder gelogen.
Bleibt Hohlmeiers wichtige Frage, wen Guttenberg denn durch das, worauf sich seine freizügigen Bekenntnisse beziehen, geschädigt habe. Die paar fehlenden Fußnoten. Auch hier hatte Lauterbach eine Antwort: Wenn Guttenberg damit durchkomme, könne man das Prüfen an Universitäten auch einstellen. Wenn man das nicht so wichtig findet, kann man ja auch weiterhin irgendjemanden darüber reden lassen.
Für wen gelten Gesetze?
Bernd Schneider (BerndS65)
- 21.02.2011, 08:35 Uhr
Aufstand der Wichte
(SteeJans)
- 21.02.2011, 08:54 Uhr
Leider ein klarer FALL
Meg Voigt (MegVoigt)
- 21.02.2011, 08:55 Uhr
sehr zutreffende Kritik!
oliver merx (omx00)
- 21.02.2011, 09:07 Uhr
Die Auswahl der Gäste...
Closed via SSO (shoppe57)
- 21.02.2011, 09:11 Uhr