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FAZ.NET-Frühkritik : Braucht die Beschneidungs-Debatte ein Update?

  • -Aktualisiert am

Taugt Urtlus Geschichte einer Beschneidung, wie sie in Deutschland selbst gerade nicht typisch ist, wo sehr oft Ärzte den Eingriff unter klinischen Bedingungen durchführen, nun als Argument gegen Beschneidungen, in die Eltern einwilligen? Bild: dpa

Nun hat auch das ZDF mit seinem Talkformat „log in“ die Beschneidungsdebatte entdeckt. Neue Argumente gab es nicht, aber einen bitteren Betroffenenbericht und angestrengt lockere Einspielfilmchen.

          Ali Utlus Beschneidung war für ihn kein Fest. Er war sieben Jahre alt. Ihm wurde weder gesagt, was auf ihn zukommt, noch wurde er gefragt. Als er und sein Bruder sich wehren wollten wurden sie gewaltsam festgehalten, ein Onkel führte schließlich den blutigen Schnitt aus, Anästhesie gab es keine. Der muslimische FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören hat seine eigene Beschneidung mit sechs Jahren dagegen als positives Erlebnis in Erinnerung. Die Schmerzen verschwanden schnell und er gehörte nun dazu. Auch wenn die Beschneidung verboten werden würde, so Törens bemerkenswerte Erklärung, würde er seine Söhne beschneiden lassen. Taugt Utlus Geschichte einer Beschneidung, wie sie in Deutschland selbst gerade nicht typisch ist, wo sehr oft Ärzte den Eingriff unter klinischen Bedingungen durchführen, nun als Argument gegen Beschneidungen, in die Eltern einwilligen? Oder belegt Törens nicht weiter ausgeführte, aber positiv verlaufene Geschichte, dass Beschneidungen grundsätzlich unproblematisch sind?

          Am Abend vor der Debatte des Ethikrates zum Thema ging es auf ZDF.info in „login“ um „Beschneidung: Religionsfreiheit oder Kindeswohl?“. Für eine Talkshow, die für sich selbst als „coolste Talkshow im deutschen Fernsehen“ wirbt, war das Thema mäßig originell gewählt, dafür aber tendenziös formuliert – immerhin war es ja das erklärte Anliegen zweier Studiogäste, des etwas betulich wirkenden FDP-Politikers Tören als auch des gelassen und eloquent auftretenden Mainzer Rabbiners Julian-Chaim Soussan, zu erläutern, dass in der Frage der Beschneidung von Jungs Kindeswohl und Religionsfreiheit gerade nicht gegeneinander stehen. In ihren Augen haben nämlich auch Kinder ein Recht darauf, Teil einer religiösen Gemeinschaft zu sein.

          Dem hielt der Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung und von Moderator Wolf-Christian Ulrich als „Chefatheist Deutschlands“ anmoderiert entgegen, dass Kinder auch ein Recht auf Religionsfreiheit hätten, das auch die Freiheit beinhalte, einen anderen Weg zu gehen als die Eltern. An diesem Punkt wäre es hilfreich gewesen, zu klären, was unter Kindeswohl verstanden wird und warum es in der Debatte über die Beschneidung der Vorhaut von Jungs so schwierig ist, festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen der in die Kritik geratene Eingriff das Kindswohl gefährdet.

          Aber gedanklich tiefer zu schürfen ist das Anliegen von “login“ nicht, das sich in seiner Selbstdarstellung im Internet auch mit dem Selbstverständnis für sich wirbt: „Deine Show für deine Meinung.“

          Am Abend vor der Debatte des Ethikrates zum Thema ging es auf ZDF.info in „login“ um „Beschneidung: Religionsfreiheit oder Kindeswohl?“

          In der Sendung unterbrach die Online-Moderatorin an mehr oder weniger passenden Stellen die Ausführungen der stehend an zwei Tresen plazierten Redner mit Versatzstücken aus Mails oder Kommentaren: „Wie ist denn die Meinung von Kevin dazu?“ Erhellend waren die so eingeführten Meinungsbrocken nicht, als Moderationsinstrument waren sie dagegen sehr geeignet, längere Ausführungen der Diskutanten zu beenden. Und für das Marketing der betont jugendlich daherkommenden Sendung ist es möglicherweise auch recht wirkungsvoll behaupten zu können: „Bei login stellt ihr die Fragen – und die Gäste antworten in der Sendung.“

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