Nach der Sommerpause gehört es sich, dass ein Ministerpräsident vor die Presse tritt, um in groben Zügen mitzuteilen, was von seiner Regierung in den kommenden Monaten zu erwarten sei. Hannelore Kraft hat das am Donnerstag getan. Die Sozialdemokratin sagte ein bisschen was zum Haushalt, ziemlich viel zum aktuellen Lieblings-Profilierungsthema der Sozialdemokraten, dem Steuerabkommen mit der Schweiz, manches zu Fragen wie der Energiewende.
Und weil die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin eine Meisterin der menschelnden Selbstinszenierung ist, vergaß sie auch nicht, über ihren Urlaub zu plaudern. Wie stets im Sommer war Frau Kraft mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einer Sportschule des Landessportbunds im Sauerland. Dieses Jahr hat Frau Kraft dort sogar das Sportabzeichen gemacht, wofür sie ziemlich viel habe trainieren müssen, wie sie zugab.
Abends wird die K-Frage geklärt
Ganz zum Schluss der Pressekonferenz vergaß die Ministerpräsidentin schließlich auch nicht darauf hinzuweisen, dass sie am Abend in der ARD bei Beckmann sei. Dort werde die K-Frage geklärt, sagte die Sozialdemokratin. Aber das war natürlich nur ein Späßchen, weil in die Sendung ja drei Ministerpräsidenten eingeladen sein würden, deren Namen mit K beginnt: Winfried Kretschmann (Grüne) aus Baden-Württemberg, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) aus dem Saarland und eben Frau Kraft, die zwar aus dem Urlaub mit neuem Haarschnitt zurückgekehrt ist, mit dem sie zumindest von Weitem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verblüffend ähnlich sieht, der aber freilich überhaupt nichts daran ändert, dass Frau Kraft nicht nach Berlin will. Jedenfalls sagte Frau Kraft das am Donnerstag in Düsseldorf. Und am Abend sagt sie es dann auch bei Reinhold Beckmann im Studio, weil manche Fragen ja immer und immer wieder gestellt werden müssen.
Und weil das so ist, bleiben andere Fragen dafür ungestellt. Jene etwa, was Frau Kraft zur Kandidatin qualifizieren würde. Während die Beckmann-Redaktion einen Einspielfilm zur Bilanz der ersten Monate der Regierung Kretschmann vorbereitet hat, unterbleibt eine Analyse der Kraft-Politik. Und als der baden-württembergische Ministerpräsident über die Notwendigkeit spricht, mehr als zwei Milliarden Euro im Haushalt des Ländle einzusparen und dafür unter anderem auch Lehrerstellen abzubauen, lässt Beckmann die Chance, bei Frau Kraft nachzuhaken, einfach liegen. Dabei müsste das extrem verschuldete Nordrhein-Westfalen, um die Kriterien der Schuldenbremse einhalten zu können, auch ziemlich viel sparen.
Wie Kretschmann aus Versehen bei den Grünen landet
Doch die Regierung Kraft hat sich nur ein bescheidenes Ziel gesetzt: eine Milliarde Euro soll strukturell gespart werden – bis 2017. Über das Saarland, das manche finanzpolitisch betrachtet für eine griechische Insel mitten in Deutschland halten, wird sowieso geschwiegen. Dafür soll Frau Kramp-Karrenbauer lustigerweise die Frage beantworten, wie realistisch es ist, dass die Griechen jemals ihre Schulden zurückzahlen.
Unausgegoren ist auch die Idee der Beckmann-Redaktion, die drei Politiker von Kabarettisten charakterisieren zu lassen. Bei Frau Kraft übernimmt Jürgen Becker das auf eine so lobhudelnde Weise, dass sich jede weitere Nacherzählung erübrigt. Zur saarländischen Ministerpräsidentin ist den Beckmännern nichts Besseres eingefallen, als einfach einen Ausschnitt aus Frau Kramp-Karrenbauers jüngstem Fastnachts-Auftritt zu zeigen. Im landkreisgroßen Saarland steigt die Chefin als Putzfrau Gretel selbst in die Bütt. Wirklich witzig ist nur der Kabarettist Riechling: Als Kretschmann verkleidet erklärt er, wie Kretschmann quasi aus Versehen statt bei der CDU bei den Grünen landete. Das ist nicht nur witzig, sondern wahr, weil Kretschmann ja tatsächlich seinem Vor-Vorgänger Erwin Teufel (CDU) ähnelt und man also ins Grübeln darüber kommt, ob man wie Teufel und Kretschmann sein muss, um in Baden-Württemberg Ministerpräsident sein zu können und in Nordrhein-Westfalen eben wie Rau oder Frau Kraft.
Jedenfalls ist der Abend bei Beckmann in weiten Teilen der Abend des Grünen Kretschmann. Er präsentiert sich als Mann mit Ecken und mit Kanten, mit Tiefgang und Humor. Vom Spaß an der Politik aber will Kretschmann trotzdem lieber nicht sprechen. Politik mache keinen Spaß, sondern Sinn. Das dauernde Gerede vom Spaß gehe ihm auf den Zeiger, sagt der baden-württembergische Ministerpräsident. Und das ist ja doch ein ziemlich gewagtes Wort in einer Unterhaltungssendung.
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