01.12.2011 · Nachdem nun selbst die CSU den Lügenbaron nicht mehr so schätzt, braucht Guttenberg wohl eine neue Partei. Das Gesicht hat er, doch sein mangelnder Fleiß macht eine Neugründung ganz unwahrscheinlich.
Von Jürgen KaubeMan muss Anne Will und ihre Leute loben. Zur Frage, welche Rolle der Lügenbaron Guttenberg in der deutschen Politik spielen sollte, haben sie eine gute Runde zusammengestellt. Gut, weil widersprüchlich.
Michael Glos (CSU) beispielsweise war einerseits für Guttenberg und merkte auch an, dass dieser von demselben Horst Seehofer (CSU) nach oben gebracht worden sei, der den Lügenbaron jetzt nicht mehr so schätzt. Andererseits verteidigte Glos den „Jongleur“ Guttenberg mit Theatervergleichen – Politik sei ein Schauspiel, Politiker eine Rolle -, die Guttenberg selber, der gern den echtkernigen Vollauthentischen gibt, wohl nicht so gern auf sich angewendet fände.
Oder nehmen wir Hans-Ulrich Jörges vom „Stern“. Der fand Guttenberg einst ziemlich klasse, Anne Will hatte einen peinlich anschaulichen Beleg dafür. „Eigentlich kann der alles werden“, hatte Jörges in eine Kamera gesagt, dabei eine Guttenberg-Fingerpuppe bewegend. Wie albern war das denn? Jetzt hält Jörges Predigten gegen den Lügenbaron. Und wenn sie noch so folgerichtig formuliert sind: Muss er sich wundern, wenn man sie von ihm nicht hören will?
Das wird auch nicht dadurch gut, dass man wie Michael Spreng (einst „Bild“, dann Stoiber-Erzieher, schließlich Rüttgers-Berater) behauptet, einst hätten den Lügenbaron alle gut gefunden. Stimmt nicht. Der Charismatiker fiel manchen von Anfang an auf die Nerven, weil es in diesem Land noch Leute gibt, die von Politik durchaus „graue Anzüge“ erwarten und keine Show.
Auch die Erzählung, die Norbert Bolz – ein Medienwissenschaftler - auftischte, Guttenberg habe vielleicht wissenschaftlich gefehlt, das aber bedeute noch nichts in der Politik, in der Guttenberg ein beispielloses Talent sei, hat einen Haken. Nämlich den, dass niemand anzugeben vermag, was eigentlich die Leistungen diesseits der Fotogenität sind, die Guttenberg vorweisen könnte. Dass er ungern arbeitet, ungern Schwierigkeiten diesseits von Kameras durchkämpft, dass insofern eine neue Parteigründung durch ihn ganz unwahrscheinlich ist, dass ihm auch eine Hinterbank in der CSU kaum behagen würde, wurde zwar notiert. Aber die Frage, ob er außer seiner Beliebtheit noch etwas anderes vorzuweisen hat, blieb ungestellt.
So traf Anne Wills Frage an Norbert Bolz, ob er „dabei“ wäre, wenn Guttenberg eine neue, konservative Partei jenseits der CDU/CSU gründen würde, den Punkt. Der Professor redete sich mit einem anderen Charismatiker, Helmut Schmidt (SPD), heraus, der ihm als Wunschparteivorsitzender seiner Wunschpartei vorschwebe. Doch auch damit lag offen zu tage, was dem Talkshow-Personal zu Politik einfällt: Persönlichkeiten, Zelebritäten.
So gab es im Grunde gar keinen großen Unterschied zwischen Bolz, Glos, Spreng auf der einen Seite und der Bäckersfrau aus dem Kulmbachischen auf der anderen, die „KT“ einfach anhimmelte. Ob positiv, ob negativ, ob reflexiv oder vollnaiv: Politik, so das Fazit dieser lehrreichen Stunde, besteht aus Politikern, die ein gutes Gesicht machen müssen. Politik besteht aus Leuten, die talkshowfähig sind. Insofern war Anne Wills Sendung ein Beitrag zur Demokratie, denn sie nährte das Bedürfnis nach Sachbearbeitern.
@Thomas Mayer "Moralische Maßstäbe"
Horst Delmen (Dr.Delmen)
- 02.12.2011, 08:40 Uhr
Cui bono
Frank Bach (Spindel)
- 02.12.2011, 06:27 Uhr
Titel eingeben
Karl S. Walter (skeptiker01)
- 02.12.2011, 01:24 Uhr
Erstaunlich
gisbert heimes (gisbert4)
- 02.12.2011, 00:21 Uhr
Es ist erheiternd und entlarvend zugleich,
Ernst-Markfried Kraatz (ErnstKraatz)
- 01.12.2011, 19:09 Uhr