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FAZ.NET-Fernsehkritik „Wetten dass...“ sich Schweiger nicht auszieht?

09.12.2007 ·  Schmatzende Kühe, jugendliche Carrerafahrer und bärtige Kerzenausblaser: Kaum eine Wette hat bei „Wetten dass ...“ funktioniert. Gottschalk ignorierte seine durchaus glamourösen Gäste, ließ sie sitzen, wie bestellt und nicht abgeholt. Matthias Hannemann hat eine Sendung gesehen, die bald einpacken kann.

Von Matthias Hannemann
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Der Zusammenbruch des Stromnetzes hätte den Abend verhindern können. Einfach so. Ruckzuck. Und Aus. Die Wahrheit aber ist, dass nicht einmal diese Wette funktionierte, und da die Weltuntergangslobby ja auf Vieles kommt, nur nicht auf den Einfall, in Ergänzung der Aktion „Licht aus“ den solidarischen Druck auf den Rotknopf der Fernbedienung zu fordern, musste das deutschsprachige Europa auch an Samstag noch einmal eine Sendung erdulden, die früher zu den ganz großen Formaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zählte, ja Format hatte - bis sie zu einer zwanghaften Aneinanderreihung gänzlich unverhüllter, von Spaß, Spannung und Charme befreiter Werbeauftritte verkam.

Jene, die „Wetten dass ...“ einmal zu einem Ereignis machten: die plaudernden Welt-Stars auf dem Sofa, verbergen heute nicht einmal mehr ihr gelangweiltes Lächeln, sagen einfach nur noch brav die nichts sagenden Sätze auf, die das Management oder die Medienwelt von ihnen zur Vermarktung verlangen; schon schweben sie bei erstbester Möglichkeit schon wieder davon. Und jene, die „Wetten dass ...“ einst zum Gespräch in den Tagen nach der Sendung machten: die tollkühnen Wettkandidaten mit ihren aberwitzigen Fähigkeiten, beschäftigen sich zur Vorbereitung ihrer Auftritte längst intensiver mit der Formulierung ihrer minutenlangen Grußadressen als mit der Frage, ob dies denn nun alles so ausgereift und fernsehtauglich, nicht vielmehr peinlich geraten könne.

Im Zeitalter des Internet ist das traditionelle Fernsehen eben zu einem Medium unter vielen geworden, erst recht, wenn es um das Kuriose, das Ungesehene, das Spleenige geht. Der Nimbus ist fort.

„Nie den Respekt vor dieser Sendung verloren“

Zwar beteuert in Interviews immerhin noch Thomas Gottschalk, seit zwanzig Jahren Conferencier der wichtigsten europäischen Unterhaltungsshow, er habe „nie den Respekt vor dieser Sendung verloren“. Doch sogar den treuesten Fans geht das heute anders. Und auch Gottschalk selbst, der früher so leichtfüßig und frech durch derartige Veranstaltungen führte, dass man ihm die Zoten und den Chauvinismus verzieh, zog am Samstag zunehmend ein Gesicht, als lasse er jede Hoffnung auf eine Rückkehr der großen und glanzvollen „Wetten Dass ...“-Tage fahren. Ihm schwant, den Absprung zum richtigen Zeitpunkt verpasst zu haben.

Mit den Köchen Sarah Wiener, Horst Lichter und Johann Lafer versuchte er ein Gespräch gar nicht erst zu führen; das Trio hat ohnehin im Fernsehen schon alles gesagt (und es wird, falls das ZDF auf den Gedanken kommen sollte, Johannes B. Kerner zum Nachfolger Klebers beim „heute journal“ zu bestellen, zweifelsohne auch dort noch eine Kochnische erhalten). Bei Till Schweiger fiel ihm nichts weiter ein, als den Schauspieler ebenso plump wie erfolglos auf einen Striptease zu drängen. Den Kabarettisten Piet Klocke ignorierte er völlig, da Klocke mit seiner Lehrer-Masche erstens bereits vom Saalpublikum mit totenstiller Ignoranz gestraft worden und zweitens bloß der Ersatzmann für die verlässlich abwesende Soul-Sängerin Amy Winehouse war. Und die wirklichen Stars auf dem Sofa, Kylie Minogue, Nicolas Cage, Jerry Seinfield und Renée Zellweger, ließ Gottschalk so desinteressiert dort sitzen, als habe er ihnen bloß eine warme Alternative zur Warterei in einem nahegelegenen Flughafen-Terminal versprochen. Wie bestellt und nicht abgeholt.

Ob er mittlerweile selbst vergessen hat, wie das früher einmal lief: mit dem Wetten, mit dem Spielen, mit dem Bangen um einen Wett-Einsatz, der etwas zählte und überraschte, den alle auf der Bühne Ernst zu nehmen versuchten, irgendwie?

Schmatzen von achtzehn Kühen

Interesse konnte unter diesen Vorzeichen wohl schon im Grundsatz nicht aufkommen - weder für den Landwirt, der das Schmatzen seiner achtzehn Kühe auseinanderzuhalten wusste (Bauern sind im Fernsehen ja wieder hoch im Kurs, der hier will aber keine Frau), noch für den Rentner, der wie benommen auf die verschlossene Unterseite eines Christbaumständers einschlug, um per Luftstoß Kerzen auszublasen, damit aber ebenso wenig Erfolg feiern konnte wie der Student, der per Lauschangriff die Zählkunst eines Geldautomaten zu entlarven versprach; kaum eine der Wetten funktionierte.

Einzig „Bridget Jones“ Renée Zellweger amüsierte sich im Hintergrund wie zum Trotz, fasste die ganze Angelegenheit als billige Farce auf und hüpfte schließlich, da Gottschalk ihr und Jerry Seinfeld zur Abrundung ihres Reklameauftrittes für einen Kinofilm ein „Biene Maja“-Kostüm verordnete, als „Wetteinsatz“, in solch irrsinnig übertriebenen Sprüngen durchs Bild, als könne sie es nicht fassen, in einer ramschigen Parallelwelt wie dieser gelandet zu sein.

Gängige Samstag-Abend-Schema

So gesehen passt „Wetten Dass ...“ natürlich hinein in das gängige Samstag-Abend-Schema dessen, was vom Fernsehen noch übrig geblieben ist - im Ersten quälten sich zeitgleich immerlustige Musikanten über die „Straße der Lieder“, im Privaten bot man hormongespritzte Muskelpakete oder Filme wie „Feuer, Eis und Dosenbier“.

Weder die Gäste noch die Kandidaten unterschieden sich von den drei Dutzend Stadtverordneten aus Graz, die am Ende des Abends in einem Gruppenbild zu sehen waren und darum feilschten, ihre Wette trotz seltsamer Rechenfehler gewonnen zu haben; die Leistung hatte darin bestanden, anwesend zu sein und etwas Schmarn zu kochen.

Sie alle blieben vor allem eines: unverbindlich bis zum Schluss. Mit dieser Einstellung kann wohl eine Sendung, die einst vom Wettgedanken lebte, einpacken.

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