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FAZ.NET-Fernsehkritik Vom Döner-Gag zur Kirchturmhöhe

09.11.2007 ·  Mit seiner „Woche der Integration“ übt sich das ZDF in Toleranz und verlangt seinem Publikum ganz erhebliche Transferleistungen ab: Von der Rateshow „Kaya Yanar testet Deutschland“ zu Maybrit Illners anschließender Problemrunde war es am Donnerstagabend ein verhältnismäßig großer Schritt. Von Peer Schader.

Von Peer Schader
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Themenwochen stehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen derzeit hoch im Kurs. Die ARD hat gerade Talk-Redaktionen und Dokumentarfilmer dazu verpflichtet, den Zuschauern ihres Films über den Contergan-Skandal einen informativen Rahmen zu bieten. Das ZDF widmet sich derweil ganz seiner „Woche der Integration“ und wirbt dafür mit dem schönen Spruch: „Für alle, die kein Brett vor dem Kopf haben.“ Das ist lobenswert. Es muss ja, wie am Donnerstagabend im Zweiten, nicht unbedingt immer der Erkenntnisgewinn im Vordergrund stehen.

Während Maybrit Illner sich zu später Stunde mit gewohnter Routine der Problemdiskussion widmete, um mit ihren Gästen zu besprechen, ob der Islam trotz der vielen Vorurteile und Ängste nach Deutschland passe, war Ex-Sat.1-Komiker Kaya Yanar mit seiner Rateshow „Kaya Yanar testet Deutschland“ für den unterhaltsamen Teil des Abends zuständig. Damit verlangte das ZDF seinem Publikum schon mal eine ganz erhebliche Transferleistung ab. Denn von Yanars Döner-Gags zur Frage, ob Moscheen höher sein dürfen als Kirchen, war es dann doch ein verhältnismäßig großer Schritt. Aber: ach, was soll's - wenn denn die Botschaft angekommen ist.

„Was guckst du“ in Überlänge

„Es ist Integrationswoche im Zweiten, vielleicht haben Sie das daran erkannt, dass die Mainzelmännchen plötzlich Antonio, Hakan, Luigi, Olek und Bolek heißen“, ulkte Yanar und mühte sich mit schiefem Wortspiel, das integrative Potenzial seines Arbeitgebers zu erklären: „Z wie Tsatsiki, D wie Döner, F wie Froschschenkel - ZDF.“ Und obwohl es ein heiteres Spielchen war, dass sich das Zweite da ausgedacht hat, um Vorurteile aus aller Herren Länder einmal gegenzuprüfen, ist es nachher doch bloß eine dieser Shows geworden, wie es sie gerade zuhauf gibt und in denen Promis Wissensfragen beantworten, Rechtschreibregeln erklären oder eben unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten erraten müssen.

Jetzt wissen wir also, dass „Döner“ übersetzt „drehbar“ heißt, dass die Italiener Freitag, den 17., als Unglückstag sehen und alle Ausländer zusammen in Deutschland jährlich 50 Milliarden Euro Steuern und Sozialabgaben zahlen - nicht gerade Fakten, mit denen es sich auf der nächsten Party protzen lässt.

Dass der Abend dann dennoch recht erträglich war, ist Kaya Yanar zu verdanken, der für ZDF-Verhältnisse relativ heitere Einspieler mitbrachte, in denen er sich als türkischer Einwanderer Yildirim selbst mit den Eigenarten der Deutschen konfrontierte - eine seiner Paraderollen. Besonders aufwändig dürfte es allerdings nicht gewesen sein, seine ehemalige Sat.1-Show „Was guckst du“, in der er bereits mit Klischees unterschiedlicher Nationalitäten spielte, auf anderthalb Stunden auszuweiten und zwischendurch Sky Dumont, Mirja Boes und Ranga Yogeshwar ein paar Fragen zu stellen. „Hattest du mal was mit einem Südländer?“, erkundigte sich Yanar bei RTL-Comedyfrau Boes. Und die antwortete: „Ja, ich hab auch meinen Teil zur Integration beigetragen.“

Außerdem hat ja auch noch Johann Lafer mit seinem tunesischen Kollegen Rafik Tlatli, der ihm ein bisschen ähnlich sieht, ein leckeres Multikulti-Essen gezaubert - zur selben Zeit übrigens, zu der auf Vox Lafer in der „Kocharena“ zu sehen war. Der Mann hat eben eine allumfassende Präsenz. Oder das deutsche Fernsehen zu wenige Protagonisten.

Beinahe eine Konsens-Runde

Deutlich problemorientierter ging es danach bei „Maybrit Illner“ zu: „Ich werde im Sommer immer noch gefragt, ob ich nach Hause in die Heimat fahre“, ärgerte sich die deutsche Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates und stellte fest: Das mit der Integration ist längst noch nicht so selbstverständlich, wie man immer glauben mag. „Wir müssen Geduld miteinander haben“, forderte der Augsburger Bischof Walter Mixa, der sich in vorsichtiger Wortwahl und Toleranz übte, um nicht den nächsten Skandal zu provozieren. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole van Beust kritisierte die falsche Intergrationspolitik vergangener Jahrzehnte. No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa gab zu bedenken: „Wir gehen wieder einen Schritt zurück“ - wenn wir uns im Umgang mit Muslimen nur von unseren Ängsten leiten lassen, die von den Medien durch die ewige Präsenz des Terrors herauf beschworen werden, der sich für seine Gewalttaten auf den Islam beruft.

Zu einem herausragenden Ergebnis kam Illners Runde natürlich nicht - wie auch? Kinder aus muslimischen Familien sollten frühzeitig Deutsch lernen. Die Politik muss darauf achten, dass sich in den Städten keine Bezirke etablieren, in denen Muslime sich abschotten ohne den Austausch zu proben. Die Deutschen müssen auch mal Bereitschaft zeigen, sich auf andere Kulturen einzulassen. Und das mit der Höhe von Kirchtürmen und Minaretten ist eigentlich gar kein Problem, wenn man sich zivilisiert austauscht. Stimmt ja alles. Vielleicht muss man sowas bloß alle paar Wochen im Fernsehen sagen, damit es niemand vergisst.

Dabei hatte sich Illners Diskussion eigentlich schon vor ihrem Beginn erübrigt. Denn Kaya Yanar brachte es bereits ganz treffend auf den Punkt: „Integration funktioniert nur, wenn alle mitmachen.“ Am ZDF soll es schon mal nicht gelegen haben.

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