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FAZ.NET-Fernsehkritik „Sorry Baby, aber das hat wirklich genervt“

15.08.2007 ·  In „Survivor“ setzt Pro Sieben Kandidaten auf einer Insel aus und lässt sie in Minispielchen gegeneinander antreten, bis nur noch einer übrig ist. In der ersten Folge siegten Lästereien, deutsche Gründlichkeit - und Langeweile. Von Peer Schader.

Von Peer Schader
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Ziemlich genau sieben Jahre ist es her, dass Sat.1 einen Haufen alltagsmüder Kandidaten auf eine malaysische Insel verfrachtete, mit Wettkampf-Spielchen triezte und Moderator Holger Speckhahn so tun ließ, als sei das ganze irre spannend anzusehen, weil jede Woche einer herausgewählt werden musste, der dann nicht mehr das Preisgeld gewinnen konnte. „Inselduell“ hieß das damals, und das Aufregendste daran war, dass sich zwischendurch Tierschützer empörten, weil in einer Folge einem unschuldigen Waran mit Stockhieben ein Leid getan wurde.

Sieben Jahre später ist Pro Sieben keinen Schritt weiter: Der Sender hat einen Haufen Kandidaten auf einer Insel im südchinesischen Meer ausgesetzt, triezt sie mit Wettkampf-Spielchen und tut so, als sei das irre spannend anzusehen, weil wöchentlich einer herausgewählt wird. Nur dass es diesmal zwei Teams gibt und nicht Speckhahn als Inselherr den Ton angibt, sondern Neuentdeckung Sascha Kalpuke, der im vergangenen Jahr ein paar Ausgaben der erfolglosen Kabel-1-Gameshow „Spielarena“ moderieren durfte, bei der auch permanent Kandidaten gehen mussten, wenn sie falsche Antworten gaben. Es ist nicht ganz klar, was Pro Sieben dazu bewogen hat, ganz fest daran zu glauben, dass die Zuschauer noch eine weitere Show sehen wollen, in der man sich ständig an Gesichter gewöhnen soll, die dann doch innerhalb kürzester Zeit wieder verschwinden. Als ob es das nicht schon zur Genüge gäbe, bei „Popstars“ und „Germany's Next Topmodel“.

Mama wird's schon richten

„Survivor“, das wie die vorgenannten Shows von Tresor TV produziert wird, könnte so etwas wie eine Erwachsenen-Variante der Castingshows sein - nur flotter, schweißtreibender, spannender. Ist es aber nicht. Stattdessen ist die Fernweh-Reality eine lahme Umsetzung des amerikanischen Erfolgskonzepts, das unter selbem Namen seit sieben Jahren bei CBS läuft. Produzentin Shona Fraser hat gerade im Interview verraten, was das Besondere an der Pro-Sieben-Umsetzung ist: Sie ist deutsch! Die Kandidaten seien deutsch und sie handelten deutsch. Nun ja: Wenn man das daran merkt, dass sich bereits kurz nach der Ankunft am Strand Lästergruppen bilden, die leise über das schimpfen, was die Mitstreiter tun, hätte man vielleicht darauf verzichten können.

Markus aus München muss als erstes eine Bayernflagge hissen, was Hadnet aus Berlin nicht so cool findet. Mental-Coach Arno schlägt vor, erstmal „Meeting zu machen“. Aber in der Ferne bauen schon die ersten an einer Hütte, die am anderen Morgen gleich wieder einstürzen wird. Sonja, einundzwanzig Jahre alt, will lieber Essen besorgen, kümmert sich aber sonst ungern um irgendwas: „Zuhause sagt meine Mutter, was ich tun soll. Und wenn ich's nicht mach', macht sie es.“ Wäre die Mama bloß da - denn in Reichweite gibt es rein gar nichts Essbares, stellt Markus fest: „Mein großes Problem ist, dass die Insel so wenig Nahrung rausfeuert.“

Stangenhängen für die Immunität

Nachdem sich alle ein bisschen häuslich eingerichtet haben, ruft Pro Sieben zum ersten Wettkampf, der „Immunitäts-Challenge“ heißt, weil das Gewinner-Team nachher nicht in den „Inselrat“ berufen wird, um einen aus der eigenen Gruppe - nun ja: rauszufeuern. Das passiert in der Nähe eines Flugzeugwracks, um das ganz geheimnisvoll brennende Fackeln gesteckt sind, von denen eine zum Schluss ausgehen muss, nämlich die des Verlierers, den die anderen herausgewählt haben. So weit, so dramatisch. Nur: ist das nicht alles längst überholt?

Die „Challenge“ der ersten Folge bestand darin, dass die Teammitglieder möglichst lange an einer Stange rumhängen mussten und dabei die Gegenseite übertrumpfen. Mensch, das haben sie vor ein paar Wochen genauso schon bei „Big Brother“ geprobt, und bei „Schlag den Raab“ war das vor einem Dreivierteljahr ungefähr tausend mal spannender, weil man Stefan Raab gerne verlieren gesehen hätte. „Survivor“ aber wirkt - zumindest in der ersten Folge - als seien sie bei Tresor TV ein bisschen müde geworden, aber hätten einfach nicht widerstehen können, als die Produzenten der Mysteryserie „Lost“ in Urlaub gegangen sind und gesagt haben: Unsere Kulissen wären dann mal für eine Weile frei. Von Waranen, die es zu schützen gegeben hätte, war weit und breit keine Spur.

Wer war nochmal Hadnet?

Am Schluss musste die Berlinerin Hadnet gehen, die den anderen ein bisschen zu laut und zu aufdringlich war. Sowas kommt in typisch deutschen Reality-Shows einfach nicht an. „Sorry Baby, du bist ein Supertyp, aber das hat wirklich genervt“, erklärte Kandidatin Barbara ihre Entscheidung. Und schon war Hadnet weg. Von den Geschichten, die Pro Sieben angeblich über seine Kandidaten erzählen will, war bis dahin nichts zu merken. Von Hadnet wusste man zum Schluss bloß, dass sie Radiomoderatorin ist - und das auch nur, weil das einmal per Einblendung über den Bildschirm huschte.

Moderator Kalpuke mimte derweil die männliche Heidi Klum und wiederholte zum Auftakt permanent, dass es am Schluss nur einen Survivor geben kann. Sonst gab es bloß auswendig gelernte Textchen aufzusagen und vorformatierte Fragen an den „Inselrat“ zu stellen, die ein bisschen an das Talent von Marco Schreyl und Tooske Ragas in den Liveshows von „Deutschland sucht den Superstar“ erinnerten. Sorry, Pro Sieben, du bist ein Supersender, aber das hat echt genervt. Holger Speckhahn immerhin kann froh sein, inzwischen als Golflehrer zu arbeiten, wie man mal gelesen hat. Soll ja auch kein schlechter Job sein.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr