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FAZ.NET-Fernsehkritik Keine Lehrerinnen im Tauchanzug, bitte!

10.05.2007 ·  „Döner ja - Moschee nein?“ Auch Frank Plasberg war in seiner Talkshow „hart aber fair“ redlich bemüht, dem Pulsschlag in Sachen Integration nachzuspüren. Die Zuschauerbefragung zeigte aber, dass weiter Diskussionsbedarf besteht. Von Matthias Hannemann.

Von Matthias Hannemann
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Die Zusammensetzung der Islamkonferenz in Berlin erschien manchen Beobachtern zuweilen kaum aussagekräftiger als die einer Fernsehtalkshow. Auch Frank Plasberg schien am Mittwochabend zu ahnen, was das heißt. In der jüngsten Ausgabe seiner Talkshow „hart aber fair“ war er redlich bemüht, dem Pulsschlag in Sachen Integration noch einmal nachzuspüren - und stellte doch bloß fest, dass der gegenwärtigen Stand der Dinge kaum zu bezeichnen ist.

Wer darf für wen sprechen? Welche Meinung ist repräsentativ? Das sind die Fragen der Stunde. Doch sie bleiben vorerst ungelöst. Plasberg versuchte es mit einer Analogie: Im Herbst, parallel zur ersten Islamkonferenz, hatte er schon einmal eine Diskussionsrunde zum Thema „Sind wir Toleranz-Trottel?“ geladen.

Rassisten am Telefon

Nun bat er ein auffallend ähnlich zusammengesetzes Podium ins Studio: an die Stelle des konservativen Innenministers aus Brandenburg rückte ein konservativer Innenminister aus Niedersachen (Uwe Schünemann), an jene der Grünen-Politikerin, die weniger Vorurteile verlangte, eine Grünen-Politikerin, die als gebürtige Türkin eine Modernisierung des Islams einforderte (Ekin Deligöz), anstelle eines misstrauischen Publizisten einer, der die Trennung von Staat und Kirche im Blick behielt (Michel Friedmann), und anstelle einer männlichen muslimischen Stimme, immerhin: eine Frau, die Kopftuch und moderate Äußerungen zu kombinieren wusste (Ayten Kilicarslan); dazu der protestantische Direktor eines Instituts für Religionsfreiheit (Thomas Schirrmacher) und eine Oberstaatsanwältin als Expertin für Ausländerkriminalität.

Ginge es allein nach diesem Personal - die Zuschauer der Diskussionsrunde unter dem Titel „Döner ja - Moschee nein?“ hätten fast den Eindruck erhalten können, als könne sich die ganze Frage, gemeinsam verfolgt, demnächst schlichtweg in Harmonie und Vernunft auflösen. Ging es aber nicht. Denn zwar zeigten sich alle Gäste, wie oft bei Plasberg, diszipliniert und zuweilen gar selbstkritisch.

Komplexe Fragen, kaum Antworten

Am Zuschauertelefon freilich hagelte es noch während der Sendung rassistische und nationalistische Anrufe, die der Sender glücklicherweise von Redakteuren zusammenfassen ließ, eingesammelte Straßeninterviews zum Thema Moscheebau oder Kopftuch waren unverändert reflexhaft und distanziert („Ich könnte mir“, sagte eine Passantin, „doch auch nicht vorstellen, dass meine Kinder von einer Lehrerin im Tauchanzug unterrichtet werden“), und obwohl die Frage nach Terrorgefahr und Fundamentalismus stets im Raume stand: zu packen bekam sie diese Runde nicht.

Wie aussagekräftig also ist der Eindruck, den eine solche Fernsehshow hinterlässt? Gut möglich, dass Frank Plasberg am Donnerstagmorgen denkt: Auch nicht weniger oder mehr als eine große und in der Sache sehr komplexe Konferenz.

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