09.05.2012 · Thomas Gottschalk lud protestierende Schauspielstudenten ein, deren Hochschule eine Bruchbude ist. Alle Welt gönnt ihnen bessere Studienbedingungen, nur nicht das Berliner Parlament.
Von Irene BazingerRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Finde es auch gut, dass der Gottschalk das gemacht hat. Rein pragmatische Überlegungen führen zu einer Verkümmerung der deutschen Kulturlandschaft und das Denken in Effizienzkategorien zu einer immer relexionsärmeren Entschmenschlichung des öffentlichen Raumes. Oder anders gesagt: wenn es nur noch förderungswürdig ist, die Effizienz zu steigern, bleibt der Mensch doch letzten Endes auf der Strecke. Denn dass dem Menschen die wachsende Effizienz auf die Dauer nicht gut tun kann, ist heute sehr fraglich geworden. Und noch anders: was, wenn nicht Schauspiel, ist die Schlüsselkompetenz der Zukunft? - uns wird doch sowieso nur noch alles Mögliche vorgegaukelt und da ist doch eine performante Rhetorik der Kern jeden Erfolges.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.05.2012 12:14 Uhrgut durchdacht
mit guter rhetorik und schauspiel als schluesselkompetenz kann man beim
arbeitsamt bestimmt noch mher rausholen.
wie waere es zu versuchen seine qualitaeten schaffend und lenkend
einzusetzen und nicht nur zu planen jeden so gut es geht ueber den tisch
zu ziehen und luecken in gesetzen zu finden?
Ich soll studieren, haben sie gesagt
aber ganz sicher etwas sinnvolles und nicht schauspiel, kunstgeschichte
oder angewandte soziologie.
frueher hiessen diese berufe noch ehrenamt und heute sind es die
ausbildungswege der modernen karrierefrau, die sich doch noch
umentscheidet hausfrau und mutter zu werden. aber immerhin hat man dann
nen bachelor der nix wert ist!
Widerspruch
Auf der einen Seite fordern sie in anderen Beiträgen qualifizierte
Hochschulabsolventen, damit Deutschland weiterhin ein Land von Genies
bleibt. Andererseits halten sie Schauspielkunst für unsinnig und
überflüssig, obwohl diese Kunst weltweit eine hohe Anerkennung
genießt. Auch die Kunst braucht Hochschulen an denen sich
künstlerisch begabte Menschen entfalten können, die dann wie
Marlene Dietrich Deutschland in der Welt präsentieren.
Sie sollten die Schauspielschüler nicht als gelangweilte und
nutzlose Mitmenschen abstempeln. Viele Studenten die nach einem
Kunststudium nichts daraus machen können, sind dank einem zu
leichten Zugang zur Uni, auf ihren Traum hereingefallen. Gäbe es
durch Studiengebühren eine größere Hürde zu
überwinden, würde der starke Wille die finanziellen Probleme
schon lösen. Wer schon an dem Problem der Geldbeschaffung
scheitert, wird auch später bei der Suche nach dem Traumjob
scheitern und im Minijob Wunderland einen Platz finden. Egal welcher Studiengang!!!
Thomas Gottschalk kenne ich nun schon seit meiner Jugendzeit vom BR.
Wenn er jetzt nach "Wetten,daß.." wieder etwas
entspannter Unterhaltung machen kann, sollte man ihn das tun lassen, -
es muss ja nicht bei jeder Sendung der Deckel vom Quotentopf fliegen und
der Zuschauer am Rande eines Infarktes stehen.
Wenn er auch nicht jeden Tag den Hammer auspackt, - beim richtigen Thema
kommt er schon in Fahrt, - und da lohnt sich auch das Zusehen. Mehr als
bei vielen Sendungen, die von, durch Jugendwahn und Castingshows
hochgespülten Eintagsfliegen, mit maximaler Hektik und zwanghaftem
Charme "moderiert" werden.
Aber die Sendung wurde ja abgesetzt.
"Dann halt nicht, liebe Tante", - ich muss ja nicht fernsehen.
Ohne mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu sein, stellt sich
für einen Außenstehenden dennoch die Frage, ob so eine
Schauspielschule, wie im Beitrag beschrieben, unbedingt auf einem
"Filetgrundstück, in bester Innenstadtlage Berlins"
entstehen muß.
.
Die Berücksichtigung auch wirtschaftlicher Aspekte zur Verwertung
von Grundstücken in öffentlicher Hand sollte eigentlich
selbstverständlich sein.
Warum sollte man zuerst an die Wissenschaftsstudenten denken?
Schauspielstudenten sind die Basis unserer Gesellschaft. Dafür
muß Geld da sein.
Wozu brauche wir Infrastrukturmassnahmen?
Die Opfernhäuser müssen renoviert werden, die Elbphilharmonie
ist für Hamburg das entscheidende wirtschaftliche Thema.
Die Schauspielschüler werden in der Zukunft meistens Taxifahrer
oder ALG-II-Empfänger sein, scheint also eine lohnende Investition
zu sein.
Alle Welt, die nicht weiter denkt, gönnt ihnen bessere
Studienbedingungen und sozial unterentwickelte Menschen wie ich, fragen
sich, "wozu brauchen wir Schauspielstudenten?"
Keine Studiengebühren - kein Geld!
Es ist Schade, das Frau Bazinger und Herr Gottschalk vergessen, warum
Berlin und viele andere Städte kein Geld für die Sanierung von
Universitäten und Hochschulen haben. Würde man wie in Bayern
die Studiengebühren erheben, könnte man auch solche tollen
Theater- und Schauspielschulen finanzieren.
Stattdessen wird auf die soziale Ader gedrückt, um auf eine soziale
Ungerechtigkeit hinzuweisen, was aber nicht zur Verbesserung der
Situation beiträgt. Es zeigt eher die "Geiz ist Geil"
Mentalität, in der man pro Jahr keine 1000,-€ für seine
Uni-Ausbildung ausgeben will, aber später im Job die 45.000,-€
Jahresgehalt einfordert. Dies ist aus meiner Sicht soziale Ungerechtigkeit.
Staat=>Gemeinschaft
@ Stolze:
Sie haben vergessen das der Staat keine Person ist, sondern wir der
Staat sind. Das ein gebildeter Mensch mehr an die Gemeinschaft
"Staat" abgibt, hat mit der Solidarität zu tun. Wer dank
Intelligenz und Studium mehr hat, gibt durch mehr Abgaben etwas an die
Schwächeren, die wiederum weniger der Gemeinschaft zuführen
müssen, weil sie sonst garnichts mehr hätten. Schaffen Sie das
ab, schaffen Sie die BRD ab. Und somit können Sie Ihre kostenlose
Uni vergessen, weil sich jeder selbst der nächste ist!
Und jetzt bringen Sie das mal in Einklang, damit weder der
Schwächere, noch der Stärkere das System ausnutzt!!!
Beweis!
Schauen Sie mal nach Bayern! Dort gibt es Studiengebühren und die
Unis werden dennoch von nationalen und internationalen Studenten genutzt
und sind oft überfüllt. Das ist so, weil dank der Gelder die
Unis auf dem höchsten Bildungsstandart gehalten werden können.
Und Bayern gehört außerdem zu den Ländern mit den
höchsten Lebenshaltungskosten, dennoch schläft kein Student
auf der Straße! Sie können es alle irgendwie finanzieren,
wenn sie es denn wollen!!!
Jetzt schauen Sie mal in die Bundesländer mit hoher Verschuldung
und ohne Studiengebühren (Berlin/NRW/...). Da mangelt es ohne Ende
am Geld, um den Bildungsstandart zu halten. Da ist diese
Schauspielschule keine Ausnahme.
Die hochqualifizierten Leute verlieren wir, wenn wir die Hochschulen
Gebührenfrei lassen und somit den Bildungsstandart aus
Kostengründen nicht halten können.
Und Deutschland verliert nur Hightech-Erfindungen wie das MP3 Format,
das Fax, ... weil die Politik oft nicht mutig genug ist.
wenn es nur so einfach waere
an bafoeg oder kredite der kfw zu kommen...
und wem nutzt es wirklich, dass leute studieren? nicht nur der einzelnen
person sonderm dem kompletten staart, der durch diese gebildete person
ein hoeheres steuereinkommen hat. ebenso wird die firma durch
tatkraeftige arbeiter mit genialen ideen gestaerkt. GENAU das hat
deutschland jahrelang stark gemacht, aber jetzt erscheint es uns ja
wichtiger wie die anderen laender zu sein und unseren wissenvorsprung aufzugeben.
30%
@ Stolze
Und alle anderen Arbeitnehmer ohne Studium zahlen wohl keine 30% und
mehr von Ihrem Gehalt an die Allgemeinheit???
Sie sollten über Ihren Anspruch nachdenken. Dank Bafoeg und
Krediten der KFW kann man super sein Studium finanzieren, ohne das man
danach in die Privatinsolvenz fällt. Mann muss sich während
der Unizeit einschränken und es dauert ein paar Jahre bis das
Bafoeg und der Kredit abgearbeitet sind, aber das Gehalt was dann bis
zur Rente gezahlt wird, übertrifft das von Arbeitnehmern ohne
Studium bei weitem. Und diesen Vorteil sollte man durch
Studiengebühren ausgleichen, denn allein der Student zieht einen
Nutzen aus dem Studium und sollte daher an den Unikosten stärker
beteiligt werden als Leute ohne Diplom/Bachelor/Master!!!
Ein Nebeneffekt wäre, das man sich zweimal überlegt, ob man
riskante Studiengänge wirklich wahrnimmt!!! Dann haben sie auch Ihr
persönliches Problem mit den erfolglosen Künstlern gelöst!!!
es ist vollkommen richtig
dass das studium fuer niemanden kostenfrei moeglich ist. aber fuer viele
ist es leider nicht zu finanzieren, da verdammt viele aus der bafoeg
regelung fallen und noch weniger sich einen kredit leisten koennen. es
kommt noch dazu, dass ich als student nur 365€ im monat verdienen
darf ohne gleich 75€ an die krankenkasse ueberweisen zu muessen.
ich will damit auch nur anmerken, dass die moeglichkeiten sich ein
studium zu finazieren bei 1000€ studiengebuehren (ist gleich 1/8
des steuerfreibetrags) sehr gering sind! die kosten an sich waeren ja
nichts schlimmes, aber waehrend dem studium sind sie kaum entrichtbar,
da ja auchnoch das diplom mit der vielen freizeit abgeschafft wurde und
die gleiche vorlesungen jetzt in 2 jahren weniger absolviert werden muessen.
"gerechtigkeit"
also wirklich gerecht waere es, wenn die studenten, die spaeter knapp
30% ihres gehaltes an die gemeinschaft abgeben nicht auch noch waehrend
dem studium abgezockt werden wuerden. mit den verdienstregelungen und
studiengebuehren komme ich auf ganze 250euro im monat ohne moeglichkeit
auf bafoeg und die wohnung ist dann auch noch nicht gezahlt! also soll
ich jetzt schulden aufbauen um spaeter noch mehr geld auszugeben? da ist
es absolut verstaendlich, dass die studenten von "richtigen"
studiengaengen nach dem abschluss alle ins ausland abwandern. ich seh es
auf jeden fall nicht ein waehrend dem studium (teilweise 45
stundenwoche) 2 jobs zu machen um nach dem studium abgehalfterte
kuenstler auf selbstfindungsreise zu finanzieren.
aber vielleicht werde ich ja auch einfach kuenstler und drohe: sorry, in
den letzten 4 jahren wollte niemand was von mir hoeren, also gebt
einfach ihr mir jetzt geld oder ich bilde noch mehr meiner sorte an der
uni aus!
Fazit
Ich vergaß mein Fazit!
Die Studenten sind also selbst Schuld, wenn sie in heruntergekommenen
Unigebäuden studieren müssen. Wer keine Studiengebühren
zahlen will, der muss sich nicht wundern, wenn für seinen
kostenintensiven Studiengang kein Geld da ist.
Und auf politischer Seite sind diejenigen Schuld, die noch daran
glauben, das eine Hochschulausbildung für jeden kostenfrei
möglich ist.
Das hätte Herr Gottschalk auch erwähnen müssen!
dass ich es sich um Schauspielstudenten handelt musste ich bei dem
zweiten Teil des folgenden Satzes schon lachen:
"Außerdem findet die Ausbildung in vier über die Stadt
verteilten Standorten statt, was zu einer Vergeudung von Zeit und
Energie führt, die natürlich die Leistungseffizienz schmälert."
Welcher an sinnvoller Zeitnutzung und hoher Leistungseffizienz
interessierte Mensch studiert Schauspiel?
Berlin hat über 50 Milliarden € Schulden bei 3,5 Millionen Einwohnern. Das sind griechische Verhältnisse. Und dann beklagt sich die FAZ darüber, dass nicht mehr Geld für so etwas "wichtiges" wie die Ausbildung von Schauspielern zur Verfügung steht?