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FAZ.NET-Fernsehkritik Günther Jauch: Was für eine Frage

Vor einem Jahr hat Helmut Schmidt bei Günther Jauch für Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD geworben. Nun ist dieser es tatsächlich geworden. Und darf bei Jauch diesmal auch ganz ohne Altkanzler für sich sprechen.

© dpa Peer Steinbrück fühlte sich offenkundig wohl in Günther Jauchs Sendung. Der Kanzlerkandidat der SPD hatte auch allen Grund dazu, denn er konnte reden wie in einem Wahlkampfflyer, ohne dass der Moderator ihm mit kritischen Fragen dabei ins Gehege kam.

Es ist ein Jahr her, da saßen bei Günther Jauch Peer Steinbrück (ohne herausgehobene Position) und Helmut Schmidt (Altkanzler), und Schmidt durfte für Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD werben. Steinbrück sei nämlich jemand, der wisse, worüber er rede. So sah es zumindest Schmidt, was freilich nicht überraschen konnte, weil damals auch der „Spiegel“ ein Schmidt-Zitat über Steinbrück auf seine erste Seite hob: „Er kann es.“ Da es dann so kam, wie es eben so ist bei den Sozialdemokraten - „Am Ende behält Helmut Schmidt immer Recht“ (Sigmar Gabriel) –, ist Peer Steinbrück nun tatsächlich Kanzlerkandidat und darf diesmal ganz alleine bei Jauch für sich werben. Es wird ihm auch nicht schwer gemacht.

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Das fängt schon beim Titel der Sendung an: „Herr Steinbrück, können Sie Kanzler?“ Wie Steinbrück diese Frage wohl beantworten würde, dürfte auch ohne Kenntnis seines ausgeprägten Selbstbewusstseins niemanden überraschen. Es geht mit der ersten Frage weiter: Ob er auch ohne die Unterstützung von Helmut Schmidt Kanzlerkandidat geworden wäre? „Ja.“ Was soll er denn auch sagen? Geschadet habe es ihm aber auch nicht, zum Beispiel noch. Also fügte er es sogleich an. Günther Jauch gibt die Vorlagen. Peer Steinbrück verwandelt sie.

Kritische Nachfragen? Fehlanzeige!

So geht es auch weiter. Selbst Fragen, die bissig anmuten, können Steinbrück an diesem Abend nicht aus der Ruhe bringen. So zum Beispiel, ob er nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem habe – schließlich hatte er vor zwei Jahren noch verkündet, „allenfalls als Besucher“ ins Kanzleramt zu gehen. Man müsse das im zeitlichen Kontext betrachten, sagt Steinbrück dazu. Er erzählt die Geschichte der Troika. Und Jauch lässt ihn damit durchkommen.

Auch als Jauch Steinbrück später zum Thema Nebeneinkünfte fragt, ob nicht die Abgeordnetentätigkeit unter all den bezahlten Vorträgen leide, und Steinbrück „Nein“ sagt und gleich noch aufzählt, wie oft er in seinem Wahlkreis gewesen sei, bleibt eine kritische Nachfrage aus.  Immerhin - es ist das einzige Thema des Abends, bei dem Jauch etwas giftiger und Steinbrück doch ein wenig vorsichtiger und defensiver wirkt, schließlich ist er mit seinen Vortragshonoraren seit Tagen in den Nachrichten.

Paraden ohne Störmanöver

Selten hakt Jauch an diesem Abend nach, und wenn er es doch einmal tut, dann fehlt seinem „Aber“ oft der Nachdruck. Steinbrück ist so nicht beizukommen. Als das Thema Nebeneinkünfte überstanden ist, folgt sogleich der Wahlkampf.

Ohne Regung sitzt der Kanzlerkandidat in seinem Stuhl und pariert eine Frage nach der anderen. Kaum scheint er überrascht zu sein oder verunsichert. Als er an einer Stelle - wer denn nun seinen Wahlkampf koordiniert, da Generalsekretärin Andrea Nahles es offensichtlich nicht (alleine) tun soll – nicht antworten will, sagt er einfach: „Ich muss nicht darauf eingehen.“ Und gut ist.

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