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FAZ.NET-Fernsehkritik: Frauen bei Maischberger Warum trug Ypsilanti eigentlich nie einen Rock?

02.04.2008 ·  „Sind Frauen weniger wert?“ wollte Sandra Maischberger wissen. Schade, dass weder die Moderatorin noch ihre Gäste an einer ernsthaften Diskussion über das Thema interessiert waren.

Von Karen Krüger
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Dumme Fragen gibt es nicht, heißt es. Fragen die irritieren, weil sie dämlich gestellt sind, gibt es allerdings schon. Vielleicht wollte die Redaktion von „Menschen bei Maischberger“ ja auch nur ein bisschen provozieren, als sie sich genau eine solche Frage für die gestrige Sendung ausdachte: „Sind Frauen weniger wert?“ lautete das Thema - Hallo, alle mal herhören, bei Maischberger ist man jetzt auf dem feministischen Trip.

Natürlich stellte sich jeder, der die Ankündigung gehört oder gelesen hatte, die Frage: Weniger wert als was? Als Kinder, Senioren oder etwa als Milchkühe? Ist die Arbeit von Frauen weniger wert als die von Männern? hätte es korrekt heißen müssen. Denn es sollte - irgendwie - um Chancenungleichheit in der Arbeitswelt gehen.

Jedenfalls zitierte Sandra Maischberger zu Beginn der Sendung eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums. Die besagt, dass junge Frauen zwar auch Karriere machen wollen, aber in den Chefetagen noch immer unterrepräsentiert sind. So richtig neu ist diese Erkenntnis nicht. Aber was soll's, an einer ernsthaften Diskussion über das Thema waren offenbar weder die Moderatorin noch die Gäste interessiert.

Eine Frauenrunde, gefühltes Durchschnittalter hundert

Man hätte sich über einen geladenen Soziologen gefreut, der erklären hätte können, warum es noch immer in vielen Unternehmen die gläserne Decke gibt. Über eine junge Frau, die, aller Unkenrufe zum Trotz, gerade so richtig schön die Karriereleiter hochklettert. Über eine andere, noch jüngere Frau, vielleicht eine Abiturientin, die sich überlegt, wie sie in den kommenden Jahren ihre beruflichen und privaten Pläne angesichts mangelnder Versorgungsplätze für Kinder und Lohnbenachteiligung am Arbeitsplatz realisieren kann. Über eine Frau, die in ihrem Beruf gescheitert ist und den männlichen Kollegen oder den Strukturen am Arbeitsplatz die Schuld daran gibt. Über eine echte Feministin, gerne vom Kaliber Alice Schwarzers, die auf Jahre des Kampfes für Gleichberechtigung zurückblicken kann und nun mit der angeblich emanzipationsmüden jungen Frauengeneration konfrontiert ist.

Statt dessen saß da eine Frauen(klatsch)runde, gefühltes Durchschnittsalter hundert, bei der nur noch die Kaffeetassen und der Prasselkuchen fehlte: Die SPD-Abgeordnete Andrea Ypsilanti, die erste „Tagesthemen“-Moderatorin und heutige Redaktionsleiterin der ZDF-Sendung „Mona-Lisa“, Barbara Dickmann, die Schauspielerin und Grünen-Politikerin Barbara Rütting, die Management-Trainerin Sabine Asgodom und Ulrike Schramm-de Robertis, Filialleiterin bei Lidl. Der einzige männliche Gast, der Schauspieler Claude-Oliver Rudolph, machte vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass er zu spät in die Sendung kam. Die Minuten, in denen er fehlte, waren seine besten.

Sind denn Männer noch immer das starke Geschlecht?

„Sind denn Männer noch immer das starke Geschlecht?“ fragte Sandra Maischberger und stieg damit gleich mit einer zweiten „irritierenden“ Frage in die Diskussion ein. „Ja, sie haben es nur noch nicht gemerkt“, lautete die Antwort von Barbara Dieckmann. Sie erntete dafür - wie es an diesem Abend leider noch oft zu hören sein sollte - von den anderen Frauen zustimmendes Gegacker.

Dann wollte die Moderatorin doch tatsächlich wissen, warum denn jede der geladenen Frauen heute eine Hose trage - ganz so, als sei das heute noch etwas, über das man diskutieren muss. Und speziell von Ypsilanti wollte sie wissen, warum sie während des Wahlkampfes in Hessen nie im Rock aufgetreten sei - es war die Überleitung zu einer gut zehn Minuten dauernden Klammer, in der Maischberger krampfhaft versuchte, Ypsilantis politisches Scheitern auf konservative Rollenerwartungen seitens der Wähler und auf die Dominanz von Männern in der Politik zu reduzieren.

Das ist doch bitter - wenn Frau Frau stoppt

Es sei doch bitter, sagte sie zu Ypsilanti, dass sie - die Macht schon zum Greifen nahe - ausgerechnet von einer Frau gestoppt worden sei. Ganz so, als habe die Entscheidung von Metzger, Ypsilantis Koalitionsvorstellungen eine Absage zu erteilen, auf Stutenbissigkeit basiert. Ob ihr gebrochenes Versprechen ein politischer Fehler sei, der nur einer Frau passieren könne? Ob sie denn nach all dem überhaupt noch als Vorbild für politisch ambitionierte Frauen tauge?

Das Lustigste, das Ypsilanti bei all dem zu ihrer Verteidigung sagte, war, dass sie einfach nicht damit gerechnet habe, dass es die Linke tatsächlich in den hessischen Landtag schafft. Spätestens da hätte man gerne ausgeschaltet und sich dadurch in der Tat auch noch einiges erspart. Denn anstatt nun einmal vernünftig über die Gegenwart zu reden, schweiften die Damen in Erinnerungen ab, wie das damals bei ihnen so mit der Karriere in männerdominierten Bereichen war und wie schwierig sie es hatten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Natürlich begleitet von vielen Ohs und Ahs. Und Anteil nehmendem Kopfschütteln und Nicken.

Nur einmal knisterte es

Es knisterte nur einmal, nämlich als Sandra Maischberger Barbara Rütting daran erinnerte, dass diese als Jugendliche dem Führer zehn Kinder habe schenken wollen. Die Politikerin zuckte kurz zusammen, sagte dann etwas von jugendlicher Dummheit und dem Einfluss des nationalsozialistisch geprägten Vaters, um dann wie beiläufig zu bemerken, dass es doch seltsam sei, dass jede der anwesenden Frauen geschieden wäre. „Ich nicht“, beeilte sich Maischberger zu sagen und würgte jede weitere Diskussion zu diesem Punkt ab.

Ach ja, irgendwann saß dann ja auch noch Claude-Oliver Rudolph in seinem Sessel. Der Schauspieler versuchte mit der Behauptung zu punkten, er sei alleinerziehender Vater. In den Osterferien, lenkte er später ein. Er prahlte damit, wie oft er sich schon im Beruf für Frauen eingesetzt habe und nannte doch tatsächlich frech die Namen einiger Kollegen, die Frauen angeblich diskriminieren würden. Man hätte ihm sofort das Wort abschneiden müssen, aber die Runde hörte höflich zu. Tja. Wie sagte doch eine der Damen: Frauen setzen sich zu wenig durch. Es wäre der richtige Moment gewesen, den Gegenbeweis anzutreten.

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