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FAZ.NET-Fernsehkritik: Frauen bei Maischberger : Warum trug Ypsilanti eigentlich nie einen Rock?

Auch bei Sandra Maischberger hatte Andrea Ypsilanti die Hosen an Bild: dpa

„Sind Frauen weniger wert?“ wollte Sandra Maischberger wissen. Schade, dass weder die Moderatorin noch ihre Gäste an einer ernsthaften Diskussion über das Thema interessiert waren.

          Dumme Fragen gibt es nicht, heißt es. Fragen die irritieren, weil sie dämlich gestellt sind, gibt es allerdings schon. Vielleicht wollte die Redaktion von „Menschen bei Maischberger“ ja auch nur ein bisschen provozieren, als sie sich genau eine solche Frage für die gestrige Sendung ausdachte: „Sind Frauen weniger wert?“ lautete das Thema - Hallo, alle mal herhören, bei Maischberger ist man jetzt auf dem feministischen Trip.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Natürlich stellte sich jeder, der die Ankündigung gehört oder gelesen hatte, die Frage: Weniger wert als was? Als Kinder, Senioren oder etwa als Milchkühe? Ist die Arbeit von Frauen weniger wert als die von Männern? hätte es korrekt heißen müssen. Denn es sollte - irgendwie - um Chancenungleichheit in der Arbeitswelt gehen.

          Jedenfalls zitierte Sandra Maischberger zu Beginn der Sendung eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums. Die besagt, dass junge Frauen zwar auch Karriere machen wollen, aber in den Chefetagen noch immer unterrepräsentiert sind. So richtig neu ist diese Erkenntnis nicht. Aber was soll's, an einer ernsthaften Diskussion über das Thema waren offenbar weder die Moderatorin noch die Gäste interessiert.

          Eine Frauenrunde, gefühltes Durchschnittalter hundert

          Man hätte sich über einen geladenen Soziologen gefreut, der erklären hätte können, warum es noch immer in vielen Unternehmen die gläserne Decke gibt. Über eine junge Frau, die, aller Unkenrufe zum Trotz, gerade so richtig schön die Karriereleiter hochklettert. Über eine andere, noch jüngere Frau, vielleicht eine Abiturientin, die sich überlegt, wie sie in den kommenden Jahren ihre beruflichen und privaten Pläne angesichts mangelnder Versorgungsplätze für Kinder und Lohnbenachteiligung am Arbeitsplatz realisieren kann. Über eine Frau, die in ihrem Beruf gescheitert ist und den männlichen Kollegen oder den Strukturen am Arbeitsplatz die Schuld daran gibt. Über eine echte Feministin, gerne vom Kaliber Alice Schwarzers, die auf Jahre des Kampfes für Gleichberechtigung zurückblicken kann und nun mit der angeblich emanzipationsmüden jungen Frauengeneration konfrontiert ist.

          Statt dessen saß da eine Frauen(klatsch)runde, gefühltes Durchschnittsalter hundert, bei der nur noch die Kaffeetassen und der Prasselkuchen fehlte: Die SPD-Abgeordnete Andrea Ypsilanti, die erste „Tagesthemen“-Moderatorin und heutige Redaktionsleiterin der ZDF-Sendung „Mona-Lisa“, Barbara Dickmann, die Schauspielerin und Grünen-Politikerin Barbara Rütting, die Management-Trainerin Sabine Asgodom und Ulrike Schramm-de Robertis, Filialleiterin bei Lidl. Der einzige männliche Gast, der Schauspieler Claude-Oliver Rudolph, machte vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass er zu spät in die Sendung kam. Die Minuten, in denen er fehlte, waren seine besten.

          Sind denn Männer noch immer das starke Geschlecht?

          „Sind denn Männer noch immer das starke Geschlecht?“ fragte Sandra Maischberger und stieg damit gleich mit einer zweiten „irritierenden“ Frage in die Diskussion ein. „Ja, sie haben es nur noch nicht gemerkt“, lautete die Antwort von Barbara Dieckmann. Sie erntete dafür - wie es an diesem Abend leider noch oft zu hören sein sollte - von den anderen Frauen zustimmendes Gegacker.

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