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FAZ.NET-Fernsehkritik Endlich Hochzeit bei „Gülcans Traumhochzeit“

08.08.2007 ·  Pro 7 ist in Ermangelung heiratswilliger Prominenz auf die Idee verfallen, das Sommerloch mit den Hochzeitsvorbereitungen einer belanglosen Fernseh-Ansagerin und eines pomadisierten Millionärssohnes zu überbrücken. Das Fernsehen probte den Totalausfall. Von Matthias Hannemann.

Von Matthias Hannemann
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Es gab schon vor diesem Abend keinen vernünftigen Grund, sich mit der Fernbedienung zu diesem Sender vorzutasten. Und nun ist er in Ermangelung heiratswilliger echter Prominenz auch noch auf die Idee verfallen, das Sommerloch mit den Hochzeitsvorbereitungen einer belanglosen Fernseh-Ansagerin und eines pomadisierten Millionärssohnes zu überbrücken. Einmal mehr probte das Fernsehen hier den Totalausfall, und einmal mehr stellte es fest, selbst damit Zuschauer und Werbekunden gewinnen zu können.

Die Dreistigkeit freilich, mit der Pro7 gestern den Höhepunkt der sehr realen Lifestyle-Seifenoper „Gülcans Traumhochzeit“ als abendfüllende Direktübertragung versendete, schlug dann doch noch einmal die der vorangegangenen sieben Folgen um Längen. Zwar gab es die versprochenen Kitschaufnahmen einer Kutsche, einer strahlenden Braut und eines Feuerwerkes über dem Strand von Travemünde. Und unausweichlich setzte zur standesamtlichen Vermählung der Bravo-TV-Moderatorin Gülcan Karahanci („Deutschlands beliebteste Entertainerin“) mit dem Unternehmersprössling Sebastian Kamps („Deutschlands begehrtester Junggeselle“) auch die Musik zu den Takten an, die Mendelssohn-Bartholdy einst für Shakespeares „Sommernachtstraum“ und Wagner für „Lohengrin“ geschrieben hatte.

Zweistündiger Fernseh-Albtraum

Im Grunde aber geriet die nach dem Vorbild von „Sarah & Marc in Love“ vermarktete „Traumhochzeit“ am Ostseestrand für die Zuschauer zu einem zweistündigen Fernseh-Albtraum, wie er allenfalls als Persiflage öffentlich-rechtlich dokumentierter Monarchenvermählungen zu ertragen gewesen wäre: Die Moderatoren gaben ein beispiellos stumpfes Gebrabbel von sich, ohne jeglichen Charme und ohne jeglichen Verstand.

Die eigentlichen Feierlichkeiten hielten sich nicht bloß zeitlich arg in Grenzen. Zwischen Strandkörben und Hochzeitsgarten drückten sich Zaungäste in so übersichtlichen Reihen, als habe sich der Regisseur des Abends ein Beispiel am Vater des Bräutigams genommen; der versteht es schließlich auch, seine Fanblocks je nach Bedarf zurechtzubacken (Vater Kamps blieb zumindest dem öffentlichen Teil der Veranstaltung demonstrativ fern, auch wenn die Moderation das Gegenteil zu prophezeien versuchte).

Von Werbepause zu Werbepause

Und als Nachweis für die vermeintliche Märchenhaftigkeit der Hochzeit mussten ein Yuppie-Paar in einem kümmerlich kleinen Helikopter, einige B-Prominente sowie lustlose Auftritte von „Scooter“ und Natasha Bedingfield herhalten. Kurz: dem Sender ging es einzig darum, das vorwiegend jugendliche Publikum seiner Live-Übertragung mit billigsten Mitteln von Werbepause zu Werbepause weiterzuschleifen, wo sie alsbald mit Schnäppchenmärkten, Damenrasierern, Magerbutterprodukten und Pickelschmiere konfrontiert wurden. Gar nicht erst zu reden von den Hinweisen auf Sender-eigene Kontaktbörsen, kostspielige Telefon-Gewinnspiele, Musiktitel zur Sendung und noch tiefer ins Wunderland der Weitervermarktung führende Internet-Seiten. Und auf „Weddingplaner“ Frank, selbstredend: der nämlich wird von nächster Woche an Tag für Tag angehende Ehepaare bei den Festvorbereitungen begleiten, „romantischer als je zuvor“, bis zur Erschöpfung.

Und wenn der auffällig hohe Werbeanteil in eigener Sache dann doch nur ein Zeichen dafür war, dass sich zum Finale einer „Traumhochzeit“, die keine war, weitaus weniger Werbekunden auftreiben lassen konnten als erwartet? Ach, gerade das ist ja das Schöne an Hochzeiten, wie sie heute üblich sind: Wenn sie nicht gelingen oder nicht gefallen, kann man sie ja einfach in veränderter Besetzung wiederholen.

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