31.03.2007 · Beinahe hätte Pro Sieben mit einem zähen Rahmenprogramm die „Rückkehr der Killerplauze“ vermasselt. Doch Stefan Raab fightete zurück, hielt sich im Boxring wacker und war zum Schluss wieder einmal der moralische Sieger. Die FAZ.NET-Fernsehkritik von Dieter Hoß.
Von Dieter HoßEigentlich wäre „Schlag den Raab“ der viel bessere Titel für die Freitagabendprügelei auf Pro Sieben gewesen als das etwas einfältige „McFit Fight Night“, unter dem der Münchner Privatsender den Fernsehabend füllte. Doch der Titel ist schon vergeben für ein anderes Erfolgsformat mit Stefan Raab, das just vor dem großen Revanchekampf gegen Box-Weltmeisterin Regina Halmich an ausländische Sender verkauft wurde. Darin tritt der Moderator in diversen Disziplinen gegen einen Kandidaten an - mit vollem Risiko in der eigenen Show der Verlierer zu sein, was Raab in der letzten Auflage prompt passierte.
Angst vor Niederlagen hat der 40 Jahre alte TV-Sprücheklopfer („Ich habe Reginas Karriere 2001 angeschoben, jetzt habe ich auch das Recht, sie vorzeitig zu beenden“) also nicht. Warum auch? Sie gehören zu seinem Erfolgsrezept. Zwar brach ihm seine Gegnerin im ersten Kampf vor sechs Jahren das Nasenbein und klopfte die selbst ernannte „Killerplauze“ trotz aller Gegenwehr ordentlich weich. Doch natürlich war der sportlich chancenlose Raab seinerzeit der „Sieger der Herzen“. Auch bei der Revanche hatte der Herausforderer nichts zu verlieren.
Zwischen Onkel und Experte
Ganz anders Halmich („Eigentlich will ich Stefan nur richtig eins in die Fresse hauen“): Seit Jahren ungeschlagen, x-fache Weltmeisterin, riskierte es die 30 Jahre alte Spitzenboxerin, sich ausgerechnet kurz vor dem Ende ihrer nahezu makellosen Karriere durch eine Schaukampf-Niederlage gegen die mühsam in Form trainierte Plauze unsterblich zu blamieren. Eine Konstellation, die einen mindestens ein wenig gespannt sein ließ, wie das wohl ausgehen würde.
Leider versetzten die Programmmacher den knapp 20.000 in der Kölnarena - nie wurde in einer deutschen Halle vor größerer Kulisse geboxt - und den Millionen vor den Bildschirmen erst einmal einen Tiefschlag. Wie so häufig im deutschen Fernsehen wurde konsequent das Tempo aus dem Ereignis genommen.
Moderator Oliver Welke und Ex-Boxer Darius Michaelczewski verhinderten mit einer unentschiedenen Mischung aus onkelhafter Launigkeit und vordergründiger Fachmoderation jegliches Spannungsmoment, einfältige Prominenten-Interviews litten unter der schlechten Technik, WBA-Fliegengewichtsweltmeisterin Susi Kentikian durfte in einer Farce von einem Kampf rasch eine hilflose Gegnerin verdreschen, Sebastian Körber und sein lustloses Pendant, dem man groteskerweise den Beinamen „Rambo“ verpasst hatte, zeigten unter Pfiffen des Publikums Passiv-Boxen mit K.O.-Ende, und selbst Show-Act Avril Lavigne, ansonsten stets quirlig durch ihre Teenager-Rockvideos tobend, hielt sich unbeweglich am Mikrofonständer fest. Alles nur Rahmenprogramm für die Werbespots - zweieinhalb endlose Stunden lang.
In seiner Branche schlägt ihn derzeit kaum jemand
Dass die mit enormem Aufwand beworbene Show zu guter Letzt trotzdem funktionierte, war Stefan Raabs eigentlicher Sieg. Mit seinem Erscheinen erwachte das zuvor nahezu sedierte Publikum in der Arena zu neuem Leben. Raab zeigte sich, inszenierte sich und erkämpfte sich den Respekt der ob Regina Halmichs Wirkungstreffer zeitweise besorgt dreinschauenden Zuschauer - allen voran Anke Engelke. Das alles mit neuer, erst im Ring offenbarter Kampffrisur - ein flacher Irokesenschnitt, der ihm beängstigend gut steht.
Nichts anderes als „TV total“ hat Stefan Raab beim Kampf der Kämpfe geboten. Der Titel seiner wochentäglichen Late-Night-Show ist längst zum Leitfaden für die Arbeit des Moderators, Sängers und Musikproduzenten geworden. Sport und Spiel für das Massenpublikum, ohne Angst vor Blamagen und Peinlichkeiten, längst nicht immer geschmackssicher, häufig enervierend, aber auch pfiffig, ideenreich, kreativ und vor allem mit vollem Einsatz. Regina Halmich kann er nicht schlagen, aber in seiner Branche schlägt den Raab im Moment kaum jemand. Trotzdem schön, dass er künftig nicht mehr boxen will.
Leider etwas unpassend
Markus Engelke (Fvzzl3)
- 31.03.2007, 14:36 Uhr
Weder noch
Jürgen Klüh (jwklueh)
- 31.03.2007, 15:35 Uhr
show
Joachim Neumann (jo04)
- 03.04.2007, 21:26 Uhr