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Fantasy-Serie „Lost Girl“ Mein Liebster, meine Liebste und ich

Die Mythologie ist barock, Stilelemente von Industrial bis Gothic sind miteinander verwoben: Bei „Lost Girl“ wird erotisch einiges verknuspert - Eine sehr junge Erwachsenenserie.

© Bo Series Inc. Vergrößern Ich weiß, Amor schießt normalerweise mit Pfeilen, aber das ist mir einfach zu distanziert: Bo (Anna Silk) in einer Szene aus „Lost Girl“

Auch wenn die Eifersucht mal schwarz verkohlte Totenköpfe vom Himmel regnen lässt oder ein Kuss ins Krankenhaus führt: Bo und die Liebe können gut miteinander. Die bemerkenswerte Frau mit dem ganz kurzen Namen, gespielt von Anna Silk, ist nämlich ein Succubus, das heißt, sie zieht anderen Leuten gleichgültigen Geschlechts beim Schmusen (teils unabsichtlich) die sexuelle Lebensenergie aus dem Leib. Diese Kraft heißt im Osten Chi und bei Wilhelm Reich Orgon, ist aber in der wirklichen Welt bloß eine Metapher und kein Ersatz für fossile Brennstoffe.

Die kanadische Fernsehserie „Lost Girl“ nimmt die Metapher allerdings wörtlich und folgt der Heldin dabei, wie sie ihren Liebsten, ihre Liebste sowie allerlei Männer, Frauen und sonstige Geschöpfe vernascht, auseinandernimmt, neu zusammenstreichelt oder unter den Tisch küsst, um mit ihrer funkenschlagenden Libido leben zu lernen.

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Die Schauspieltruppe, die ihr hilft, hat alles, was gebraucht wird: Kris Holden-Ried als der Liebste ist ein Werwolf, der uns anders als vergleichbare Figuren in ähnlichen Serien nicht als potenzpraller Mondanheuler mit flatternden Lefzen auf den Wecker geht, sondern als erfahrener Jäger und romantischer Sturkopf überzeugt; Zoie Palmer als die Liebste ist eine Ärztin von stiller Würde, sanft, mit einem schmalen Gesicht, in dem ein angedeutetes Lächeln ganze Lyrikbibliotheken ersetzt; K.C. Collins als schwarzer Bruder Leichtfuß und bester Freund des Wolfsmenschen sorgt für komödiantische Einsprengsel, und Richard Howland als Schankwirt und geheimer König beherrscht sämtliche Registertöne vom geistreichen Witz bis zur Tragik des Unverstandenen - Rückgrat der Show aber ist die beste Freundin der Heldin, Kenzi (Straßenspitzname: „Miaow Miaow“), die von Ksenia Solo (bekannt aus Darren Aronofskys „Black Swan“ und der sehr guten Familienserie „Life unexpected“) mit wechselnden Perücken und Akzenten, mal verschmollt, mal zickig, mal rührend und mal unwiderstehlich, zum Leben erweckt wird, als hinge von dieser Leistung ihr eigenes ab - ein Fest, ihr zuzuschauen.

„Weird Erotica“ und „Occult Sex“ als Dekor

Das Produktionsdesign der Show spielt mit diversen Siegeln und Kürzeln unterschiedlicher Jugendkulturen von Industrial bis Gothic, die ausgedachte Mythologie dahinter ist barock: Bo muss im Laufe der ersten Staffel erfahren, dass es eine ganze Welt von Über- und Andersmenschen gibt, die Fae, unter diesen aber zwei Fraktionen, die helle und die dunkle, zwischen denen wiederum ein jahrhundertealter Zwist statthat, in dem Bo vom Schicksal eine entscheidende Rolle zugedacht ist.

Solche Konstruktionen kennt man aus dem Fantasy- und Science-Fiction-Fernsehen von „Buffy“ bis „Charmed“, wo sie das Auseinanderlaufen der Handlung verhindern und das Spiel grundieren - bei „Lost Girl“ jedoch sind Folgen, in denen es primär um diesen verzopften und verzwickten Hintergrund geht, zum Beispiel das Finale der ersten Staffel, die vergleichsweise schwächsten, denn die größte Stärke der Show ist nicht ihr erfundener Schicksalsrahmen, sondern ihre Atmosphäre - Dekor und Requisiten übernatürlicher „Weird Erotica“, „Occult Sex“,“Gothic Love“ nämlich haben hier eine ganz andere Farbe als im Mutterboden dieses Genres, der Literatur von Poppy Z. Brite oder der großen Caitlin R. Kiernan, die beide Amerikanerinnen sind, sowie in älteren Fernsehshows zwischen „True Blood“ und „The Vampire Diaries“.

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