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Familienmagazine Die Eltern wollen nur noch überleben

Erschöpft, verzweifelt: Magazine für Eltern zeugen von dem Kraftakt, Kinder zu haben. Mittlerweile sind klagende Titelstories Programm. Besonders radikal geht „Brigitte Mom“ zur Sache.

© Brigitte Mom Vergrößern „Einer heult immer“: „Brigitte Mom“ nimmt sich besonders vehement dem Thema Überlastung an

Das Segment der Elternzeitschriften steht traditionell unter Druck. Die Geburtenraten steigen im einen oder anderen Jahr verhalten, bewegen sich aber durchgängig auf niedrigem Niveau. Und die Konkurrenz durch Gratisblätter und das Internet ist groß. Als Hauptproblem sehen Branchenkenner allerdings das begrenzte und wenig veränderbare Themenspektrum an. Töpfchentraining und Kinderhotels, Abstillen und künstliche Befruchtung, Grenzensetzen und die besten Tragesäcke - tatsächlich kann man sich da wenig Variation denken zwischen 1982 und 2012.

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Kein Wunder, dass neue Trends gleich von allen Magazinen aufgegriffen werden. Ein Thema allerdings wird seit Monaten beinahe zwanghaft dekliniert - und zwar immer wieder von neuem, als ob es sich nicht verbrauche. Alle springen auf den Zug auf, vom traditionsreichen Marktführer „Eltern“ bis zum Newcomer „Nido“, von den Ablegern der Etablierten wie „Eltern Family“ bis zu den kleineren Themenmagazinen wie „Lob“, das sich nur an berufstätige Eltern richtet: Es ist das Jammern über einen kaum noch zu bewältigenden Alltag, Überforderung, Erschöpfung und Stress; daneben die wütende Trauer um das entspannte Leben als Dinks („Double income no kids“-Pärchen), das man für immer verloren hat. Die Kinder werden hier von ihren Eltern nicht mehr, wie in der öffentlichen Debatte oft suggeriert, als ehrgeiziges Projekt gesehen, sondern als eine Art Naturkatastrophe, die ins Leben einbricht und den Alltag unerträglich macht. Beklagt wird vor allem der Wegfall aller Rückzugsmöglichkeiten für die Eltern nach der Geburt eines Kindes. Es ist Journalismus für Mütter und Väter, die im Chaos nur noch ihre Ruhe wollen - und sich entlastet fühlen sollen, weil endlich jemand diesen Wunsch offen thematisiert.

„Wie glücklich machen Kinder?“

Im vergangenen Jahr gab es erste Ansätze, kleine Kolumnen, kurze Passagen in Editorials, die sich dem Frust der Eltern darüber, Eltern zu sein, annahmen. Dann schaffte es der Eltern-Stress auf die Titel, auf den von „Nido“ zum Beispiel. Das Magazin für urban lebende Mittdreißiger mit Kleinkind erscheint seit 2009 bei Gruner+Jahr; etwa 50000 Exemplare werden pro Monat verkauft. „Es ist ein relativ neues Phänomen, offen zu sagen, dass Kinder nicht nur toll, sondern auch anstrengend sein können“, sagt Vera Schroeder, stellvertretende Chefredakteurin von „Nido“. „Auszusprechen, dass ein Kind auch anstrengend sein kann, ist nicht mehr gesellschaftlich tabuisiert. Man kann da durchaus von einem Trend sprechen, was auch viele Blogs zeigen, in denen Mütter sich Luft machen, und auch Bücher mit der Perspektive ,Ich sag ’s jetzt mal ehrlich‘.“ Die Zeitschrift „Nido“ verfolgt ein Unisexkonzept, mit Erfolg: Gekauft wird das Magazin zu achtzig Prozent von Frauen, in 65 Prozent der Fälle liest der Partner mit, ergaben Marktanalysen.

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