01.06.2012 · Erschöpft, verzweifelt: Magazine für Eltern zeugen von dem Kraftakt, Kinder zu haben. Mittlerweile sind klagende Titelstories Programm. Besonders radikal geht „Brigitte Mom“ zur Sache.
Von Christina HucklenbroichRichtlinien für Lesermeinungen
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@Never1: "pathologische" Mütter, die mit ihren Psychosen den Alltag von Männern "terrorisieren"
Was soll der Pauschalangriff gegen Mütter? Die Väter sind wohl
alle fehlerlos?
Daß die 68er mit ihrer Vergötzung der Selbstverwirklichung
(auch der der Kinder) und der Verunsicherung junger Eltern, die sich von
ihren eigenen (als Nazis diffamierten und angeblich alle der
"Schwarzen Pädagogik" anhängenden) Eltern nichts
mehr abzugucken wagten, mehreren Generationen den Weg zu einer
instinktiven oder tradtitionellen Erziehung verbaut haben, mag sein.
Aber das betrifft doch nicht nur den weiblichen Teil der
Bevölkerung. Auch ein großer Teil der Väter weiß
nicht mehr, wie man Kinder erzieht und schwankt zwischen Verwöhnung
des idealisierten Nachwuchses und Ignorieren von dessen tiefstem
Bedürfnis: dem nach verläßlicher Zuwendung/Bindung.
Die Vereinzelung der Familien, weil man "flexibel" zum
Arbeitsplatz ziehen muß, tut ihr Übriges.
Generationsübergreifende Wohn-Höfe wären die Lösung
des Problems überforderter Eltern, ungezogener (einsamer) Kinder
und ebenfalls einsamer Älterer.
Was ich meinen Kindern empfehle !
Meine Frau und ich haben 3 Kinder - im Abstand von jew.4 Jahren. Nach Alice Schwarzers 20-Jahres-These (20 Jahre materielle, zeitliche und psychische Inanspruchnahme) sind das zusammen 28 Jahre Dienst am Kind. Aber, mal ehrlich, das kommt überhaupt nicht hin. Mit der Erfahrung im Rücken rate ich meinen Kindern, eine Familiengründung sehr gründlich zu überlegen. Keinesfalls sollte man irgendwelchen Gefühlsanwandlungen nachgeben, nur weil Babys oder Kleinkinder so niedlich sind ... (die kurze Kleinkindphase ist trotz Babygeschrei noch die unproblematischste). Keinesfalls auch irgendwelchen "gesellschaftlichen" Zwängen oder Erwartungshaltungen von dritter Seite nachgeben. Und zwar nicht nur im eigenen, sondern vor allem im Interesse der in die Welt zu setzenden Kinder! Denn um die Kinder geht es. Die werden ja nicht gefragt, also haben Eltern d. Verantwortung. Wer A sagt muss auch B sagen. Man muss sich wirklich ernsthaft um sie kümmern können. Wer das ggf nicht leisten kann: Finger weg!
Lifestyle und Konkurrenzdenken
Ich habe einserseits leider, andererseits zum Glück noch keine
Kinder. Aber ich habe seit über sechzehn Jahren Erfahrungen als
Onkel.
Als in einer Großstadt Wohnender habe ich durch meine Geschwister
dieses "Kind als Lifestyle" und "Wir sind besser als
andere Eltern" sowie "Mein Kind ist besser als andere"
kennen- und hassen gelernt.
Das Wichtigste, was mir in Erinnerung blieb, schließlich ist es
schon fast zwei Jahrzehnte her, war, dass die Neu-Familien
konkurrierten. Wie abstrus! Mann und Frau, meistens wegen des Kindes
verheiratet, verabschiedeten sich aus dem Großstadtdschungel, um
sich im ferneren Umland ein Eigenheim zu kaufen. Ohne Rücklagen,
ohne Startkapital. Aber mit dem Neid der "Freunde", die dies
dann auch taten.
Ende vom Lied: Scheidung, da -meist der Mann- Überstunden en masse
machen musste, um die Hypothekenraten abzahlen zu können, keine
Zeit mehr für Frau und Kind hatte, aber am Wochenende den
"Freunden" begegnet werden musste, um zu erzählen, wie
toll alles ist.
Brigitte Mom etc. übertreiben natürlich. Sicherlich ist der
Spagat zwischen Eltern-Dasein und Berufstätigkeit nicht einfach,
aber das große Leiden ist das nun auch nicht.
Aber gleichzeitig wird von vielen Dinks (auch hier in den Kommentaren)
so getan, als würde das Bischen Kindererziehung sich schon allein
machen und die wahren Leistungsträger zwangsweise am Arbeitsplatz
zu finden sein. Hier liest man häufiger: Wieso Schulen von meinen
Steuern subventionieren? (Rückfrage: Wieso sollen meine Kinder Ihre
Rente bezahlen, die höher wird als die meiner Frau?) Und so
brauchen anscheinend manche Eltern Streicheleinheiten: Dass Ihnen gesagt
wird, dass das, was sie machen so ist, wie es sich anfühlt: anstrengend.
Allerdings möchte ich den allen Eltern wünschen, dass sie
merken, dass es sich lohnt. In meiner Umgebung ist dies jedenfalls der Fall.
Was soll das sein? Früher waren Kinder einfach Teil einer Ehe, oder
sie sind "so passiert". Heute ist ein Kind das krönende
Projekt zweier Menschen, deren Karrieren auf erfolgreichen Projekten
aufgebaut ist. Und dann stellen die beiden fest, oh je, so toll ist das
gar nicht, das ist eher Chaostheorie als geplante Lern- und
Leistungskurven. Da sitzt man im frisch gentrifizierten Stadtteil in
einer schönen erwachsenengerechten Wohnung, will sein
Elternglück genießen, und das kleine Gör macht nicht mit?
Mütter haben schon immer geklagt, aber ich denke das Wehklagen war
eher rhetorischer Natur; man tauschte sich mit anderen (Müttern)
aus, und dann ging der Alltag weiter, denn wenn man Kinder hatte dann
'war es einfach so', und das ist es noch. Ein Kind zu haben ist halt
nicht als wenn man einen Rasserüden für die nächste
Hundeschau züchtet und dressiert, es ist ein Abenteuer mit viel
Verzicht und ohne Medaillengarantie, aber wer es richtig angeht dem wird
eine reiche Belohnung zuteil
"aber wer es richtig angeht dem wird eine reiche Belohnung zuteil"
Leider ist das ein Beta-Test ohne Wiederholungsmöglichkeit. Wenn's schief geht, bekommt man zwar den negativen Feedback en masse geliefert. Aber Reparatur oder gar neue Release-Versionen sind, von RTL/SAT1-Alles-mach-Neu-Sendungen mal abgesehen, äußerst kompliziert bis unmöglich. Die zahllosen Kinder aus prekären Verhältnissen tun mir leid. Hier dann zwecks Abhilfe nach dem Staat zu schreien oder sich gar darauf zu verlassen, wäre verantwortungslos. Kinder sind, nüchtern und bei Licht betrachtet, eine Investition, vergleichbar mit einem Hausbau: Kosten 250 Tsd Euro oder mehr. Der Unterschied: ein Haus kann, wenn es schief geht, wieder verkauft werden ... Für einen Hausbau etwa muss eine Familie Vorleistungen erbringen und ausgeklügelte Bonitätskriterien erfüllen. Komisch, dass es sowas beim Kinderkriegen - ein Projekt, das nur kostet und allenfalls emotionalen Gewinn verspricht und damit sogar als klassisches Luxusgutes einzustufen ist - noch nicht gibt ...
Reiche Belohnung
Bei Licht besehen sind Kinder ein risikoreiches Unternehmen. Deutschland
mangelt es momentan an Unternehmern und Risikokapitalgebern. Wen sollte
es da wundern, dass auch im Privaten Bereich (zu) wenige Risiken
eingegangen werden?
...von 3 Kindern zwischen 3 und 10 Jahren kann ich bestätigen: ja es ist anstrengend Eltern zu sein und nicht immer einfach. Aber wenn ich unser Leben mit dem von kinderlosen Freunden vergleiche, will ich keine Sekunde tauschen. Vielleicht habe ich nicht so ein teures & unpraktisches Auto, keine so durchgestylte Wohnung und war noch nicht im angesagtesten Club der Stadt. Aber dafür geben mir meine Kinder mit ihrem Lachen, ihren Tränen, ihren Freude- und Wutausbrüchen das tägliche Gefühl ganz nah am Leben zu sein. Und all die materiellen Dinge, die ich mir nicht leisten kann und die Beschäftigungen, für die mir schlicht die Zeit fehlt, erweisen sich irgendwann mal auch als langweilig und öde. Aber dann ist es meist zu spät und die lebensfrohen Dinkies von einst verwandeln sich in graue, deprimierte und einsame Muffel.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.06.2012 00:29 UhrVieleicht auch anders
Das ist Ihre Sichtweise, es bleibt Ihnen nichts anderes uebrich sich alles schön zu reden , denn die Kinder sind ja da. Moeglicherweise ist es in Zukunft, das Ihre Kinder in 30 Jahren Ihr einiges Leben fuehren und sich nicht mehr groß um Sie kümmern, dann ist es fuer sie zu Spät, wiel all die Erziehungsmühe umsonst war. Warten wir doch mal ab, was die Zukunft bringt, ich nehme mein Schicksal an und ich habe vor nichts Angst.
Ich fühle mich auch gleich viel besser!
Ja, was denn nun - soll der Artikel ein journalisteninterner (gar
neidvoller?) Blick über den Tellerrand sein, nach dem Motto:
"Womit machen denn Elternmagazine Auflagen?" oder geht's hier
bloß den armen gestressten Eltern ans Gewissen, die froh sind,
dass mal endlich jemand über ihr Problem schreibt"? Oder
wollen Sie einfach nur FAZ-Leser davon abhalten, Elternmagazine zu
lesen? Christina Hucklenbroich, die haben recht! Wenn ich Ihre
schockierenden Schlagzeilen in der Managerpresse lese, fühl ich
mich doch auch gleich besser!
Aber nun zum Inhalt Ihres Artikels: Zumindest die erwähnte
"Lob" kenne ich als informierte Mutter zweier Söhne in
den besten Altersgruppen (16 Jahre und 8 Monate) und kann das von Ihnen
kritisierte allgemeine Jammern und Stöhnen dort so gar nicht
wiederfinden. Denn sie ist schlicht informativ, unterhaltsam und
motivierend und richtet sich, wie Sie zutreffend geschrieben haben, an
berufstätige (sic!) Eltern. Also eigentlich auch an Ihre Leser - richtig?
Interessant
find ich das ja.
Was mich stört, ist der Tonfall aus dem komplettes
Unverständnis spricht: Haha, die lustigen überforderten
Eltern. Kaspar Schlich lässt grüßen.
Dann schaut man sich mit Interesse den Kurzlebenslauf der Autorin an.
Beim Lesen des Artikels frage ich mich: sind Kinder nur noch dazu da,
damit ich mich besser fühle ? Geht es nur noch darum, wie ich
Familie mit Kindern und eine Berufstätigkeit unter einen Hut
bekomme ?
Kinder haben war noch nie einfach, denn die lieben Kleinen melden sich
nun mal, wenn sie Zuwendung, Trost, Nahrung oder auch nur eine frische
Windel brauchen.
Na und ? Das ist doch völlig normal, ebenso wie die Tatsache, dass
ich mit Säuglingen in der Wohnung nicht ungestört
durchschlafen kann oder dass ich bei der Urlaubsplanung mit Schulkindern
im Haus auf die Ferien Rücksicht nehmen muss. Definitiv: ein Leben
mit Kindern ist anders als "mit ohne" ! Und ? Ist das schlimm
?
Nein, nein, nein !
Kinder sind ein Geschenk Gottes, sind ein Segen !
Natürlich geben die Eltern viel, aber es kommt tausendfach zurück.
...in meinem Freundeskreis mehrere, mE pathologische alleinerziehende Mütter 2er Kinder, studiert, genug Geld, aber im psych. Selbst- und Kinder-Streß: unfähig, den Kindern klare Grenzen zu setzen ohne zu schreien, die bedingungslose Mutterliebe zum Menetekel erhebend und ggü. allen Andersdenkenden frenetisch verteidigen und somit den armen Kindern kaum Grenzen bietend, sich dafür aber selbst aufopfern. Ein Mann hat auf so was zu Recht keine Lust. Kinder ja, aber keine Terrorisierung des Alltags durch Psychosen der Mutter, für die Kinder ein Machtinstrument sind.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.06.2012 23:30 Uhrkeine Lust
Wenn es "Psychosen" der Mutter wären, dann würde das
die Benutzung der Kinder als "Machtinstrument"
ausschließen.
Was soll diese sich selbst widersprechende frauenfeindliche Polemik?
Glauben Sie, es gäbe keine Väter, die ein symbiotisches
Verhältnis zu ihren Kindern haben und deshalb ebenfalls in geradezu
irrwitziger Weise ihren Nachwuchs gegen berechtigte Kritik z.B. von
Lehrern oder Nachbarn verteidigen?
dass ich hier eigentlich nicht mitreden darf, weil ich keine Kinder
habe. Ich finde es befremdlich, dass die "Moms" hierzulande
augenscheinlich in peinlicher Weise dem Ideal "superfashy mit
Babybauch" hinterherrennen, so gibt es in meiner Stadt eine
Boutique, die heißt "Expect in Style".
Vielleicht blättern Eltern von heute durch zu viele billige
"Glamour"-Magazine und meinen, sie müssten genauso locker
entspannt, superschlank und immer bildschön durch die
Weltgeschichte tingeln wie die in erster Linie amerikanischen
Übermuttis und -vatis à la Jolie & Pitt und andere es in
allen Medien vorturnen. Dass die das lockere Turnen nur absolvieren
können, weil sie sich eine Mannschaft mit 24/7-Kinderschwestern,
Putzfrauen, Zofen und Make-Up-Artists und Stylisten leisten können,
merken die "Moms" (auch die Namensgebung von den
amerikanischen Muttis ...) erst, wenn der Nachwuchs zu kräftig am
Rockzipfel zieht. Dann wird es Zeit, nach der Lektüre von
"InStyle" mal eine "Mom" zu kaufen.
Genau das ist es was ich mit meinem Beitrag gemeint habe.
Und dass die Wurzeln dafür tief in unseren Idealen sitzen.
Brigitte Mom nimmt sich also des Themas Überlastung an. Die gab es
schon immer, wobei die Frage eigentlich ist, wie bloß unsere
Groß- und Urgroßmütter alles irgendwie schafften, ohne
Waschmaschine, Kühlschrank, Geschirrspüler.
Allerdings war da das Wort Selbstverwirklichung noch eher unbekannt,
auch lebten sich Kinder untereinander aus und nicht auf Kosten der
Nerven der Erwachsenen.
Alle sind halt etwas egoistischer geworden ...
Wenn Sie ein Foto von üblichen Straßen vor 100 oder auch nur 50 Jahren
ansehen, dann wissen Sie, wieso es früher viel normaler war, dass
Kinder halt auf der Straße gespielt haben. Als Kind habe ich mit
anderen Kindern auf der Straße verstecken gespielt. Und wir haben
auf der Straße Fußball gegen ein sehr großes Hoftor
gespielt.
Heutzutage wäre das zu gefährlich und verboten. Im Konkreten
Fall ist jetzt alles so zugeparkt, dass man nicht mehr sinnvoll
Fußball spielen kann.
Viele hier beklagen den Verlust traditioneller Werte und machen Individualismus und Hedonismus für die niedrige Geburtenrate verantwortlich. Aber schauen Sie mal nach Japan: eine schrumpfende und stark alternde Gesellschaft, mit einem noch größeren Anteil an über 60-Jährigen als in Deutschland. Und das obwohl man die japanischen Mentalität eher mit Traditionsbewusstsein und Gemeinschaftssinn verbindet. Ich denke, die Ursachen liegen woanders.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.06.2012 23:42 UhrMangelnder Selbstbehauptungswille !
Was verbindet die Lowest-Low-Fertility-Länder Deutschland und Japan ? Na klar, beide sind Weltkrieg-2-Verlierer und beide zu totalem Pazifismus umerzogen (in Japan sogar in der Verfassung). Der Selbstbehauptungswille ist beiden Ländern abhanden gekommen. Stattdessen wird - besonders hier in Deutschland - viel darüber räsoniert (einschl. der ehem. Familienministerin Renate Schmidt - so in einer Sendung des BR), dass es gar nicht so schlimm sei, wenn die Bevölkerungszahl hierzulande zurück geht und dass es doch viel wichtiger sei, sich um die hohen Geburtenüberschussquoten in der Dritten Welt zu kümmern - sprich: Migration zuzulassen. Kontrastbeispiel dazu ist z.B. Israel: Kein Pazifismus, nur jüd. Zuwand., hoher Militäretat, aggressive Siedlungspolitik - und die mit Abstand höchste Geburtenquote unter den OECD-Ländern ! Ähnliches gilt auch für die USA: weltweite Interventionen, missionarische Politik, hoher Verteidungungsetat, hohe Geburtenrate. Weichgespült wie in D wird das nichts !
Japan ist nicht mit den traditionellen abendländischen Werten vergleichbar
kein weiterer Text
Natuerlich sind Kinder manchmal schwierig - immerhin handelt es sich dabei um Individien mit eigenen Wuenschen, Vorstellungen und Problemen, nicht kleine Hamster, die man zurueck in den Kaefig tut, wenn man genug davon hat. Und natuerlich muss man dafuer auf vieles verzichten, was in der heutigen Spass und Ich-Gesellschaft offenbar zunehmend schwerer faellt. Wir haben zwei Kinder, beste Entscheidung unseres Lebens. Kinder sind eine Bereicherung, wenn man locker genug und offen an die Sache herangeht, wenn man willens ist, auf andere zuzugehen und den derzeitigen Lebensstil anzupassen. Herr Wichert hat das weiter unten ja schon ausgefuehrt - man bekommt heraus, was man hineinsteckt, und noch viel mehr. Statt in die Kneipe, geht es in den Zoo; statt Yoga lernt man ein Fussballteam zu coachen. Das Leben mit Kindern ist ungleichsam facettenreicher und interessanter als ohne, garantiert nie langweilig. Man muss nur wollen. Und das eigene Ich ein paar Jahre etwas zurueckstellen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.06.2012 00:13 UhrIch spiele selber Fussball
Ich bin jetzt mit 41 Jahren und voller Begeisterung selber dabei
Fussball zu spielen, statt Joga.
Auch mein Leben ist sehr Facettenreich, denn ich wohne in Hamburg und
Frankfurt und habe genug Geld und Zeit um mir ausreichend viel
unterhaltung zu leisten, ich brauch meine Zeit nicht zu Hause vor der
Glotze oder bei Elternabende verschwenden.
Ja, wie von vielen schon kommentiert haben sich bei Vielen falsche
Ideale ausgebreitet. Ihren historischen Ursprung haben sie in der
Aristokratie als Rollenvorbild, heute manifestiert in Popstars, intensiv
von der Wirtschaft propagiert. Popstars und Prinzessinnen sind
schön, arbeiten nicht im Dreck, stehen immer im Mittelpunkt weil
sie jung und schön sind.
Dieses Ideal (das wenig Kinder produziert, weil das dem Ideal eigtl. im
Weg steht) wird sehr schnell gegen das abrahamische Familienbild inkl.
deren Frauen- und Männerverständnis unterliegen und
verschwinden, welches auf Rollentrennung baut mit eindeutigen
Definitionen von Mann und Frau. Da kann der Feminismus argumentativ
dagegen halten, aber in 50 Jahren ist der auch ausgestorben.
Diese Zeit ist eine Ährenlese. Jetzt kann noch jeder selbst
wählen an welchen Werten er sich orientieren will. In 200 Jahren
gibt es dann fast nur noch Nachkommen abrahamisch geprägter
Familien.
Ich bin 41 Jahre männlich, ich weiss mit Sicherheit, das ich keine
Kinder will, denn die nerven mich in jedem Cafe oder sonstwo, weil die
immer schreien und laut sind.
Ruhige, gut erzogene und liebe Kinder mag ich, aber die sehe ich so
selten. Manchmal habe ich das Gefühl, das Eltern extra Ihre Kinder
anstiften laut zu sein um kinderlose Menschen zu nerven, weil diese
Eltern selber mit sich unzufrieden sind.
Ich genieße auf jeden Fall meine Ruhe und Entspannung und wenn ich
Aktion haben will gehe ich in Szene Clubs und bagger die Damen an. Ich
brauch keine Kinder, weil ich selber noch eins bin:)
Sie können Einem leidtun!
Gehen Sie weiterhin in Ihre hippen und hoffentlich kinderfreien Cafés und kippen Ihren Latte runter. Sie werden sehr bald sehr einsam sein, wetten?
Überleben - oder die Grenzen des Hedonismus austesten?
Wir (Deutsche + die meisten anderen Europäer) haben es geschafft,
unseren Eigennutzen soweit zu optimieren, dass für Kinder kein
Platz ist. Das war eine Zeitlang für den einzelnen lustig, in ein
paar Jahren werden wir aber schmerzlich feststellen, dass eine
Gesellschaft "ohne" Nachwuchs auf Dauer nicht funktionieren
kann; man muss sich nur mittags für eine Stunde in ein
französisches Strassencafe setzen - die Unterschiede in der
Bevölkerungsstruktur sind jetzt schon drastisch zu erkennen, fast
schon gespenstisch.
Stress ist, was wir als Stress interpretieren. Eine Gesellschaft, die
Babys als reine Stress- und Risikofaktoren (oder auch Luxusgut)
interpretiert, ist auf Dauer nicht überlebensfähig.
Als Vater von sechs Monate alten Zwillingsmädchen, der mit Freundin
in der Stadt wohnt, keine Verwandten in der Nähe hat und nach zwei
Monaten Elternzeit wieder Vollzeit arbeitet, spricht mich der Artikel
an. Einerseits kann ich bestätigen, das alles anders wird und das
Leben in ganz anderer Form abläuft.
Mir fehlt die Zeit für Fußball und Musik und Sport, das ganze
alte Leben nicht, aber der Freiraum, der schon.
Andererseits kämpfen wir gemeinsam und feiern uns auch gut ab, da
bisher alles recht gut läuft, weswegen ich sagen muss,
überleben ist viel zu drastisch, Verzicht üben trifft es. Das
hat auch Vorteile, Dinge auf der Arbeit nimmt man dann auch lockerer,
denn man weiß, was echt wichtig ist.
Wenn ich den Artikel lese, dann frage ich mich ernsthaft wohin unsere Gesellschaft steuert. Ich selber bin Jahrgang 1960 und habe zwei mittlerweile erwachsene Söhne. Ich erinnere mich noch an die Nächte, in denen ich den Einen oder Anderen durch die Wohnung trug, an das zweifelhafte Vergnügen, die Windeln zu wechseln und an Fieber und Übergeben. Aber diese Erinnerungen sind blass geworden. Sehr farbig und sehr gegenwärtig sind für mich ihre ersten Worte, ihre ersten Schritte. Ausflüge mit dem Fahrrad oder in den Zoo. Und dann lange Gespräche, Zeit miteinander verbringen. Kinder sind eine Bereicherung, man muss nur seinen Blickwinkel ändern und seine Prioritäten anders setzen. Aber, passt das in die heutige Zeit? Den stöhnenden Eltern von 3 jährigen kann ich verraten, wenn sie jetzt alles richtig machen, dann kommen ihre Kinder auch noch mit 23 zu ihnen, um Sorgen und Probleme zu besprechen. Für mich das schönste Kompliment, das meine Söhne mir machen.
Moderne Selbstverwirklichung ist gewollte Sinnentleerung!
Nicht die Kinder haben sich zum Negativen geändert, sondern das
Lebensverständnis von Eltern und von unserer Gesellschaft. Selbst
aus einer Großfamilie stammend mit einer großen Schar an
Neffen, Nichten, Großneffen und Großnichten, habe ich nicht
die Erfahrung gemacht, dass die jeweiligen Eltern an ihren Kindern
verzweifeln, sondern sie als Glück empfinden! Klar gibt es Sorgen
und Nöte, wei bei allen, aber es gibt Gemeinsamkeit,
Zusammengehörigkeit, Zusammenhalt (auch zwischen den Jungen und den
darüber glücklichen Alten) und vor allem einen Lebenssinn und
einen Glauben!
Vor lauter Selbstverwirklichung, Genussstreben, Gleichgültigkeit
gegenüber Lebenssinn und Glauben, Flucht vor ernsten Dingen wie
Krankheit, Alter, Tod, Hilfsbedürftigkeit, Angst vor Bindungen,
vor langfristigen Konsequenzen und Verantwortung, können viele kein
Familienleben mehr zielführend gestalten und mit Geist und Leben
erfüllen. Das ist das Ergebnis unserer selbstzerstörerischen Glückssuche!
Das Problem sind die Nicht-Eltern...
Es wird immer weniger normal Kinder zu haben. In zu vielen Situationen
sind Leute in der Mehrheit, die Kinder nur aus dem Fernsehen oder
vielleicht noch von Bekannten kennen. Das hat dann seinen Einfluss
darauf, wie Eltern und Kinder in der Öffentlichkeit gesehen werden
und sicherlich schießen auch ein paar über's Ziel hinaus, und
das sind dann die, die wahrgenommen werden.
Aber die ist mir immer noch lieber, als diese "Ich brauch keine
Kinder"-Typen, die in 20-40 Jahren sehr froh sind, wenn jemand da
ist, der Ihnen für Geld den Hintern abwischt.
Erziehung von gestern - heute gefragt
Sehr uncool: Kinder verlangen nach Orientierung und Führung, klare Wertestruktur. Soziales Verhalten - ich und die Anderen - ich und deren Bedürfnisse: Das ist das Problem. Kinder ohne Grenzen - Ursache für das Aufheulen der tollen Eltern. In der Schule: Können sich nicht konzentrieren und still sitzen - Folge: Es kann nur ADHS oder / und Hochbegabtensymptom sein. Alles kleine Einsteins! Schwachsinn! Kinder lernen nicht, sich selber kontrollieren zu müssen, wenn sie in Gemeinschaft sind. Verzogene Gören von Helikopter-Eltern und solchen Erziehungsberechtigten ohne Führerschein, die lieber Püppchen halten. Luxushäschen - Reiten - eigenes Pony - Klavier oder anderes Instrument - Tennis - später am Wochenende Wettbewerbe - Papi darf ran, Töchterchen ist ein Star. Entsprechend führt sie Terminkalender, die kleine Diva. Schule: Gymnasium, Papi/Mami. Pflegschaft - Schrecken aller LehrerInnen. Dieser Film wurde schon gedreht, oder?
Zustimmung 100%
Das Problem sind nicht die Kinder, es sind die Eltern.
Eine alte Bekannte aus meiner Single-Zeit fragte einmal: Läßt
Dir die Familie auch mal Zeit, wieder abends in die Stadt zu gehen? Ich
fragte zurück, ob ihr die Stadt inzwischen mal Zeit gelassen hat,
sich um eine Familie zu bemühen.
Ganz ehrlich: wieviele Jahre will ich mich denn noch in den "alten
Cafés" oder Kneipen tummeln? Da kommt auch nichts Neues mehr
her! Wer heute mit 35 Kinder bekommt, der verpaßt nichts mehr in
seiner "alten" Welt. Die Illusion von Unsterblichkeit ist die
schlimmste Zivilisationskrankheit!
Weitere Zustimmung
Ganz genau, Kinder geben einem einerseits eine frische Perspektive auf
das eigene Leben und eröffnen einem andererseits wieder einen
kindlichen Blick auf die Welt. Darüber hinaus stellen sie einen vor
enorme Herausforderungen, denen man sich stellt und an denen man
wächst. Der eigene Egoismus kommt da natürlich zu kurz. Aber
dafür können dann vielleicht mal die Paten auf die Kinder
aufpassen und Mama und Papa gehen mal aus, betrinken sich feist, tanzen
wie bekloppt und lassen generell mal die Sau raus. Bis sie dann um 1 Uhr
totmüde ins Bett fallen, um am nächsten Morgen vom Nachwuchs
um 7 Uhr geweckt zu werden.
.
Ich sage: Das ist eines der letzten großen Abenteuer. Das
möchte ich nicht verpassen.
Zustimmung
In der Tat wird hier eine alberne Glücksutopie bedient.
Es gibt im Leben nicht viele Dinge, von denen man im voraus weiss, wie
sie laufen werden. Kinderkriegen gehört dazu. Es is ziemlich klar,
was auf einen zukommt.
Ich bin seit 6 Jahren in keinem Kino mehr gewesen. Der Nachwuchs macht
es unmöglich, weil das Kinoticket unter Einschluss des Babysitters
schnell 50 Euro kostet. Mittlerweile habe ich aber erkannt, dass sie
meisten Filme ohnehin Schrott sind und man vielleicht doch eher
Neuigkeiten hinterher gerannt ist, die gar keine waren. Kinder geben
einem etwas, das man sonst schwer erreicht: Ein weite Perspektive und
einen klareren Blick auf's Wichtige.
Christina Hucklenbroich Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“
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